Tennis-Geldgeber Gerard Piqué Spiel, Satz und Sieg für den Barça-Profi

Shakira-Lebensgefährte, Pokerturniere, Big Business: Barcelona-Star Gerard Piqué ist mehr als ein Fußballer. Jetzt hat er seine Fühler nach dem Tennissport ausgestreckt - und will beim Davis Cup das große Geld machen.

Gerard Piqué
ANDREU DALMAU/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Gerard Piqué

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Gerard Piqué weiß genau, was es ausmacht, ein Heimspiel zu bestreiten. Schließlich hat er weit über hundert Mal in seiner langen Fußballerlaufbahn Partien im heimischen Camp Nou ausgetragen. Die Atmosphäre im Stadion hat Piqués Klub, den FC Barcelona, zu vielen Siegen getragen. Heimspiele sind in Barcelona Festtage.

Jetzt hat der Fußballer Gerard Piqué maßgeblich dazu beigetragen, dass es diese Heimspiele im Tennis nicht mehr geben wird. Er ist dafür verantwortlich, dass der Davis Cup nach 118 Jahren so verändert wird, dass er nur noch seinen alten Namen behält und Boris Becker sogar einen Grabstein twitterte, weil er die Traditionsveranstaltung als beerdigt ansieht.

Piqués Konsortium Kosmos steckt hinter dem neuen Davis Cup. Mit dem alten Modell hat der tatsächlich nichts mehr zu tun: Statt dreimal im Jahr mit wechselndem Heimrecht wie bisher wird der Mannschaftswettbewerb künftig an einem neutralen Ort Ende des Jahres innerhalb einer Woche mit 18 Teams ausgetragen. Kosmos hat dem Tennisweltverband ITF dafür drei Milliarden Dollar für die kommenden 25 Jahre versprochen. Diesem Angebot wollten der ITF und sein Boss David Haggerty nicht widerstehen.

Der Fußballprofi Piqué gilt nun "als der neue Chef des Welttennis", wie die spanische Zeitung "Marca" ihn schon bezeichnete. Die Zeitung schreibt: "Piqués Macht in Tenniskreisen ist viel größer als die jeder anderen Person auf dem Tennisplatz oder im Weltverband." Er ist bestens vernetzt mit zahlreichen Stars der Branche wie Rafael Nadal.

Diese Entscheidung des ITF sei "einer der glücklichsten Tage meines Lebens", hat Piqué gesagt. Seine Lebensgefährtin, Popstar Shakira, wird diese Aussage möglicherweise mit Interesse zur Kenntnis genommen haben - aber es gibt ja ohnehin Trennungsgerüchte. Tatsächlich ist der 31-Jährige schon seit Längerem dabei, seinen Schwerpunkt vom Fußball aufs Geschäftsleben zu verlagern. Kosmos hat er 2015 mit gegründet: An seiner Seite steht der japanische Milliardär Hiroshi Mikitani, Chef des Konzerns Rakuten, einem der größten Internetunternehmen der Welt. Rakuten war nicht nur jahrelang der weltgrößte Onlinehändler für Elfenbein und Walfleisch, sondern hat mittlerweile überall auf der Welt Internetfirmen aufgekauft und ist immer größer geworden.

Mikitani engagiert sich zudem seit Jahren im Sport. Der Japaner ist der Präsident des heimischen Fußballvereins Vissel Kobe, bei dem auch Lukas Podolski sein Geld verdient. Rakuten ist seit dem Vorjahr auch Trikotsponsor eines großen europäischen Fußballvereins: des FC Barcelona - seitdem läuft Piqué mit dem Schriftzug seines Geschäftspartners über den Platz. Barça-Legende Andres Iniesta ist gerade erst zu Vissel Kobe gewechselt - keine Überraschung. Mikitani flog ihn mit seinem Privatjet zur Vertragsunterzeichnung nach Japan. So kommt eines zum Anderen.

Piqué jubelt im Rakuten-Trikot
Getty Images

Piqué jubelt im Rakuten-Trikot

Piqué, der nach der WM in Russland seine Länderspielkarriere nach 102 Einsätzen beendet hat, hatte schon 2015 den Kontakt zur ITF gesucht. Damals hatte er laut "Marca" Pläne für eine Tennis-WM, die analog zum Fußball alle vier Jahre stattfinden würde. Daraus ist zwar (bisher) nichts geworden, der Kontakt zu Haggerty blieb allerdings bestehen.

Piqué war auch derjenige, der die Idee für das neue Davis-Cup-Modell entwickelt hat. Als Haggerty den Plan im Februar öffentlich machte, stellte sich schnell heraus, dass der Tennis-Verbandsboss das Vorhaben zuvor überhaupt nicht mit der ATP und dem Spielerrat besprochen hatte. Stattdessen hatte er Piqué Vorgespräche mit Stars wie Rafael Nadal und Novak Djokovic führen und sich den Plan von ihnen absegnen lassen.

Auch Larry Ellison ist als Investor dabei

Mittlerweile ist bei Kosmos mit Larry Ellison ein weiterer Superreicher im Boot, Besitzer des Tennisturniers von Indian Wells und Chef des Segelteams, das zwei Mal den America's Cup gewann. Ellison und Mikitami sollen sicherstellen, den neuen Davis Cup profitabel zu machen. Beide wollen mit dem Projekt schließlich auch Geld verdienen. Der Davis Cup soll nach Ellisons Wunsch bereits 2021 in den USA stattfinden - natürlich in Indian Wells.

Piqué-Jubel nach der ITF-Entscheidung
AFP

Piqué-Jubel nach der ITF-Entscheidung

"Wir werden den Davis Cup auf ein neues Level heben", hat Piqué gesagt. Ob dies allerdings passiert, ist auch nach der ITF-Entscheidung offen. Der anvisierte Termin Ende November liegt direkt nach der ATP-Weltmeisterschaft, bei der die besten acht Tennisprofis um die Krone des Jahres kämpfen. Danach ist das lange Tennisjahr bisher beendet, und die Stars können sich endlich regenerieren. Stattdessen müssten sie künftig noch einmal für eine Woche auf den Platz.

Die Spielergewerkschaft ATP, der ITF ohnehin in herzlicher Abneigung verbunden, plant schon länger, zu Jahresbeginn einen neuen Teamwettbewerb ins Leben zu rufen. Der würde nun automatisch in Konkurrenz zum neuen Davis Cup treten. Man kann jetzt schon absehen, dass die ohnehin überspielten Tennisprofis wenig motiviert sein werden, noch zwei neue Mannschaftsevents um den Jahreswechsel in ihren Terminkalender aufzunehmen.

Gerard Piqué ist nicht nur Fußballer und Geschäftsmann, er ist auch ein begeisterter Pokerspieler und nimmt regelmäßig als Zocker an Turnieren teil. Diesmal ist noch nicht sicher, ob er sich verzockt hat.



insgesamt 5 Beiträge
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brainbrumbrum 17.08.2018
1. Larry Ellison
ist Gründer von Oracle. Das zeigt die wahre Dimension dieses Mannes
kopi4 18.08.2018
2.
Überlastung der Spieler durch die neue Regelung ist sicher kein Argument dagegen.Jetzt spielen sie an drei Wochenenden jährlich zwei Einzel und ein Doppel über drei Gewinnsätze, zukünftig geht es eine Woche lang, zwei Einzel und ein Doppel pro Partie über zwei Gewinnsätze. Wenn es um neue Geldquellen geht sind ATP und Spieler generell flexibel. Die ATP plant ein eigenes Turnier für Mannschaften ( nachdem sie vor Jahren den Düsseldorfer World Team Cup eingestellt haben!), ein Konsortium um Federer hat 2017 den Laver-Cup eingeführt, Europa gegen den Rest der Welt, eine ebenso dreiste wie unnütze Kopie des Ryder-Cup.
efraefra 18.08.2018
3.
Wieso nennt man dieses neu Format überhaupt Davis Cup? Die Abstimmung war geheim, so ist völlig intransparent wer wie abgestimmt hat. Aber da ist bestimmt alles sauber abgelaufen, sicher alles Saubermänner!
jean-baptiste-perrier 18.08.2018
4. Die Eventisierung der Welt!
efraefra hat geschrieben:"Wieso nennt man dieses neu Format überhaupt Davis Cup?"------------ Zitat Ende ------------ Sind Sie so naiv? Ohne den Namen macht das Ganze doch keinen Sinn. Die Geschäfts-Idee dahinter besteht doch darin, dass man den Menschen ein vollkommen neues und zweifelhaftes Tennis-Format als "Davis Cup" verkaufen will. Der berühmte Name soll Interesse wecken und dementsprechend Sportrechte-Händler animieren, da massig Geld für zu bezahlen, weil es doch angeblich der "Davis Cup" ist. Bitte den Unfug boykottieren!
EmKay 18.08.2018
5. Oder anders betrachtet
eine Wiederbelebung eines sterbenden Patienten. Oft fehlten die Top-Stars in den letzten Jahren. Wenn im TV, dann nur über Micro-Spartensender empfangbar oder direkt nur als Stream. Das Problem der Überlastung zieht nur bedingt, da man sofort die Mannschaftssportarten im Kopf hat, wo die Spieler nicht selber über die Belastung entscheiden können, aber im Tennis kann jeder Spieler seine Belastung frei entscheiden. Die Top-Stars hätten jede Zeit finanziell über, wenn sie sich nehmen wollten. Man sollte dem Ganzen eine Chance geben. Ich denk, dass der Davis Cup in seiner jetzigen Form jedenfalls nur sehr wenig positive Zukunftschancen hat.
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