Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Williams-Duell bei US Open: "Niemand ist gerne Spielverderberin"

Von

Sister-Act bei den US Open: Duell der Legenden Fotos
REUTERS

Serena Williams kann bei den US Open den ersten Grand Slam seit Steffi Graf 1988 holen. Der US-Amerikanerin steht ausgerechnet ihre ältere Schwester Venus im Weg - und die ist in Hochform.

Seit 1922 haben es Tausende versucht, fast alle sind gescheitert. 1991 fehlte der Serbin Monica Seles nur der Sieg in Wimbledon, ein Jahr später verpasste sie dort erneut den Grand Slam. 1997 wäre er beinahe der Schweizerin Martina Hingis gelungen, aber ihr fehlte ein Major-Sieg bei den French-Open, um alle vier wichtigen Titel in einem Jahr zu gewinnen.

Gemeint sind die großen Tennisturniere: Neben Wimbledon und den French Open auch die Australian Open und die US Open. Wer bei allen vier Turnieren in einem Jahr siegt, ist ein "echter" Grand-Slam-Champion. Es ist ein Erfolg für die Ewigkeit, sagen Tennisfans. Bislang gelang das nur drei Spielerinnen: Maureen Connolly (1953), Margaret Smith Court (1970) und zuletzt Steffi Graf im Jahr 1988.

27 Jahre nach Graf hat die Weltranglistenerste Serena Williams die große und vielleicht einmalige Chance, ihre Karriere mit diesem Triumph zu krönen. Der 33-Jährigen fehlen nur noch drei erfolgreiche Matches bei den US Open. Außerdem kann die US-Amerikanerin auch nach Major-Titeln mit Graf (22) gleichziehen.

New York ist bereit für Historisches, in den Straßen der Stadt ist es das Gesprächsthema. Das Finale am Samstag war erstmals schneller ausverkauft als das Herrenfinale. Doch vor der großen Party muss Serena gegen ihre "beste Freundin" antreten. Ausgerechnet die ältere Schwester Venus steht ihr im Viertelfinale in der Nacht zum Mittwoch (1 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) im Weg.

Venus stark wie seit Jahren nicht mehr

Serena ist die Favoritin der US Open, da wird niemand widersprechen, auch nicht Venus, die wie ihre Schwester in Top-Form ist. Aber nimmt sie wirklich ihrer Schwester die Chance auf den Grand Slam? Kann sie ihr das antun?

Es ist das 27. Profiduell der Schwestern. In den bisherigen 26 siegte Venus elf Mal, niemand ist erfolgreicher gegen Serena. Zuletzt verlor sie aber in der vierten Runde von Wimbledon dieses Jahres (4:6, 3:6). Venus war chancenlos. In New York spielt sie hingegen von Runde zu Runde beeindruckender. Im Achtelfinale siegte sie 6:2, 6:1 gegen Anett Kontaveit, zuvor hatte sie die starke Schweizerin Belinda Bencic aus dem Turnier geworfen.

Die erste Viertelfinal-Teilnahme bei den US Open seit fünf Jahren überrascht nicht: Die 35-Jährige schlägt die meisten Asse (33), nutzte bislang 20 Breakbälle, drei mehr als ihre Schwester, sie agiert aggressiv. Als "höchstes Niveau" bezeichnete Venus ihre aktuelle Form und sagte vor dem "Sister Act": "Ich bin darauf fokussiert, das Match zu gewinnen."

Es wäre die Tennissensation der letzten Jahrzehnte, wenn Venus ihrer Schwester den Eintrag in die Geschichtsbücher vermiest. Und angesichts der Konstellation kommt eine alte Geschichte wieder hoch. Steht etwa längst fest, dass Serena das Schwesternduell gewinnen wird?

"Betrüger, Lügner, Abzocker"

Serena hat in ihrer Karriere 69 Titel errungen. Im März 2001 gewann die damals 19-Jährige das WTA-Turnier in Indian Wells. Kein besonders erwähnenswerter Titel, aber Serena wird ihn nie vergessen. Das Publikum beschimpfte die junge US-Amerikanerin. Auch Venus und ihr Vater Richard wurden mit Sprüchen wie "Betrüger", "Lügner" und "Abzocker" angefeindet, Buhrufe statt Applaus für den Sieg. Was war passiert?

Venus hatte vorher das Halbfinale gegen Serena wegen einer Verletzung abgesagt. Viele der aufgebrachten Zuschauer vermuteten, dass Richard seiner Tochter Serena durch den Verzicht der anderen einen Vorteil verschafft hatte. "Wer ins Finale kommt, entscheidet immer Richard Williams", hatte die damalige russische Olympia-Zweite Jelena Dementjewa behauptet.

Der Williams-Clan hat eine andere Version: Serena sei damals wegen ihrer Hautfarbe diskriminiert worden, 14 Jahre lang boykottierte sie danach das Turnier. Den Vorwurf der Spielmanipulation bestreitet die Familie vehement, er wurde nie nachgewiesen. Er wurde aber auch nie entkräftet.

"Jeder Schritt ihrer Karriere war geplant"

In New York mussten sich die Schwestern erneut rechtfertigen. "Nein", lautete die Antwort, als sie auf die Vorwürfe angesprochen wurden. Beide betonen ihre sportliche Rivalität, die sie seit Jahrzehnten auf der Tennistour unter Beweis stellen. Auch der Vater soll längst nicht mehr das letzte Wort in der Karriere der Schwestern haben, Serena hat mittlerweile einen anderen Trainer. Vater Richard galt immer als der Macher, 1999 sagte er in der "Süddeutschen Zeitung": "Jeder Schritt ihrer Karriere war geplant - schon bevor sie geboren waren."

Seine Töchter trimmte Richard zum Erfolg, zum besten Tennisduo der Geschichte. Und wenn beide in der Nacht zum Mittwoch an ihre sportlichen Grenzen gehen, könnte New York ein Spektakel erleben, vielleicht sogar eine Sensation mit einem unerwarteten Ende. Eine Aussage von Venus vor dem Duell lässt daran allerdings Zweifel: "Niemand möchte der Spielverderber sein. Die Leute wollen gern, dass Geschichte geschrieben wird."

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Swiss Miss Belinda Bencic
bkeulen 08.09.2015
Nur der Ordnung halber: Belinda Bencic ist aus der Schweiz, nicht der Slowakei...
2. Fehler korrigiert
benjaminknaack_SPIEGEL_ONLINE 08.09.2015
Zitat von bkeulenNur der Ordnung halber: Belinda Bencic ist aus der Schweiz, nicht der Slowakei...
Hallo lieber Leser, wir haben den Fehler korrigiert. Vielen Dank für den Hinweis. Beste Grüße Benjamin Knaack
3. Nur der Ordnung halber. Teil 2
Peter Eckes 08.09.2015
Die meisten Major-Titel hat Margaret Smith Court mit 24 und nicht Steffi Graf mit 22.
4. Venus lässt sie gewinnen ! Da bin ich sicher !
jesse01 08.09.2015
Ich glaube auch, dass Venus Serena gewinnen lässt. Natürlich nicht offensichtlich aber hier und da wird der ein oder andere Ball leichtfertig verschlagen, so dass es für Serena reichen wird ! Zu groß ist die Historie beim Gewinn des Grand Slams. Vermutlich würde ein Sieg von Venus auch das ganze Leben zwischen den beiden stehen und für Geschwisterstreit sorgen.
5. Alte Diskussion.
frank_w._abagnale 08.09.2015
Die gleiche Diskussion gab es schon in den Achtzigern, als die Seles-Schwestern gegeneinander spielten. Nur waren Monica und Ronja aus Rumänien und nicht aus den USA.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Tennis: Die wichtigsten Schläge
Beginnt der Aufschläger nicht mit einem Ass und der Rückschläger spielt den Ball zurück übers Netz, läuft der Ballwechsel. Dann kann es zu folgenden Schlägen kommen:

  • VOLLEY: Der Ball wird noch vor dem Aufkommen auf dem Boden geschlagen. Dieser Schlag wird vorwiegend am Netz gespielt und soll den Ballwechsel beenden.

    PASSIERSCHLAG: Ist der andere Spieler ans Netz vorgerückt, kann er nicht die gesamte Breite des Feldes abdecken - und mit einem Schlag seitlich an ihm vorbei passiert werden.

    STOPP: Ein zumeist mit Rückwärtsdrall gespielter Ball, der kurz hinter dem Netz aufkommt und für den Gegner schwer zu erreichen ist. Wird vorwiegend auf dem langsamen Belag Sand gespielt.

    LOB: Nach einem gespielten Stopp rückt der Spieler zumeist ans Netz vor. Dann ist es möglich ihn mit einem hoch geschlagenen Lob-Ball zu überspielen.

    SCHMETTERBALL: Wird der Lob zu flach gespielt, bietet sich für den Gegner die Möglichkeit, den Ballwechsel mit einem Schmetterball zu beenden. Der Schlag ähnelt sehr dem Aufschlag und ist ein mit hohem Tempo gespielter Überkopfschlag.

  • Zudem lassen sich die Schläge von der Grundlinie unterteilen, egal ob Vor- und Rückhand:

  • TOPSPIN: Durch eine von unten nach oben durchgeführte Schlagbewegung wird dem Ball Vorwärtsdrall verliehen. Der Ball steigt dadurch zunächst relativ hoch an, fällt dann aber steil nach unten. So können auch sehr diagonal oder schnell gespielte Bälle noch im Feld landen.

    SLICE: Ist das Gegenteil vom Topspin. Die Schlagbewegung ist von oben nach unten, der Ball erhält damit Rückwärtsdrall. Der Ball wird möglichst am höchsten Punkt getroffen, die Flugkurve ist dann sehr flach und stetig sinkend. Der Ball ist dadurch relativ lange in der Luft, so dass der Schlag entweder als Verteidigungsschlag oder als Vorbereitung zum Aufrücken ans Netz verwendet wird.

    DRIVE: Der Ball wird sehr direkt getroffen und damit nur mit sehr wenig oder gar keiner Rotation versehen.

Jeder dieser drei Schläge kann entweder cross, also quer, oder longline, der Linie entlang, gespielt werden. Ein Longline-Schlag erfordert eine hohe Präzision, da der Ball leicht im Aus landen kann - und das Netz zudem außen höher ist als in der Mitte. Cross gespielte Schläge hingegen fordern weniger Genauigkeit, können dafür aber mit mehr Tempo gespielt werden.


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: