Berlin-Sieger Kipsang: Weltrekord mit Ansage

"Ich habe meinen Traum wahr gemacht." Der Kenianer Wilson Kipsang hat beim Berlin-Marathon sein Ziel erreicht - in Weltrekord-Zeit flog er zum Sieg. Vor zwei Jahren hatte er die Bestmarke noch knapp verpasst. Die Polizei ermittelt unterdessen gegen einen Störer.

REUTERS

Hamburg - "Berlin ist eine wundervolle Strecke. Ich liebe es hier", sagte der kenianische Marathonläufer Wilson Kipsang am Sonntagvormittag. Kein Wunder: Kurz davor war er bei der 40. Ausgabe des Berlin-Marathons als Erster über die Ziellinie gelaufen, und hatte auch einen neuen Weltrekord aufgestellt.

2:03,23 Stunden benötigte er für die 42,195 Kilometer lange Strecke. Damit hat er die bisherige Bestmarke seines Landsmannes Patrick Makau um 15 Sekunden unterboten. Makau hatte seinen Rekord vor zwei Jahren aufgestellt, ebenfalls in Berlin. Die Strecke in der deutschen Hauptstadt ist und bleibt die schnellste der Welt.

"Ich habe meinen Traum wahr gemacht, mein Plan ist aufgegangen. Ich war auf den letzten Kilometern noch sehr stark, da habe ich nochmal angegriffen", sagte Kipsang. Der 31 Jahre alte Olympia-Dritte in London hatte für Berlin sogar auf die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Moskau verzichtet. Der Sieg in Berlin war sein Ziel. Seinen Rekord lief er mit Ansage.

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Kenianer Kipsang siegt in Berlin: Triumph auf der schnellsten Strecke der Welt
Man muss dafür an den Marathon in Frankfurt vor zwei Jahren erinnern. Kipsang hatte gewonnen, sogar mit Streckenbestzeit. Aber Makaus kurz zuvor in Berlin aufgestellten Weltrekord hatte er verpasst, um vier Sekunden. Der Frankfurter Marathon trieb den Kenianer an.

"Das Rennen in Frankfurt hat mir gezeigt, dass es möglich ist, den Weltrekord zu brechen. Ich habe diese Zeit immer im Kopf gehabt während meiner Vorbereitung auf Berlin", sagte er vor dem Rennen in der Hauptstadt. Neben dem Rekord hat er bei seinem Triumphzug in Berlin auch Geld verdient: Insgesamt kassierte Kipsang 120.000 Euro für seinen Erfolg.

Kipsangs entscheidender Angriff bei Kilometer 35

Für das deutsche Highlight war Irina Mikitenko verantwortlich. Die Rekordhalterin aus Frankfurt kam beim Sieg der Kenianierin Florence Kiplagat (2:21,13 Stunde) auf Platz drei und schaffte in 2:24,54 den von ihr als Ziel ausgegebenen Masters-Weltrekord in der Altersklasse Ü40. "Es ist ein Traumtag. Aber ich bin sicher, dass ich noch schneller laufen kann", sagte die 41-Jährige, die 2008 in Berlin gewonnen hatte.

Bei den deutschen Männern erreichte André Pollmächer aus Düsseldorf ein erfreuliches Ergebnis. In persönlicher Bestzeit von 2:13,05 Stunden kam der 30-Jährige auf Platz 14 und unterbot als erster Deutscher die für die Europameisterschaft im kommenden Jahr in Zürich geforderte Qualifikationszeit von 2:13,30 Stunden.

Mit dem Ausgang des Rennens hatte er erwartungsgemäß nichts zu tun. Schon kurz nachdem der viermalige Berlin-Sieger und ehemalige Weltrekordler Haile Gebrselassie aus Äthiopien die mehr als 41.000 Teilnehmer auf die Strecke geschickt hatte, machten die Top-Läufer wie angekündigt Tempo. Bei optimalen Bedingungen um zehn Grad Celsius lag die Spitzengruppe um Kipsang sowohl bei fünf (14:32 Minuten) als auch bei zehn Kilometern (29:16) unter den Weltrekord-Duchgangszeiten.

Sowohl Gebrselassie als auch der am Knie verletzte Makau waren in diesem Jahr in Berlin nicht am Start. "Nächstes Jahr wieder", sagte Gebrselassie mit einem Lachen. Seine Nachfolger blieben dagegen auf Kurs, die Spitzengruppe lag bei der Hälfte des Rennens (1:01,32 Stunden) zwölf Sekunden unter Makaus Richtzeit.

Beim Zieleinlauf wird Kipsang behindert - die Polizei ermittelt

Lange war der Ausgang des Rennens spannend, im Gegensatz zu den vergangenen Jahren blieb eine mehrköpfige Spitzengruppe zusammen. Erst bei Kilometer 31 setzte sich eine Dreiergruppe mit Kipsang, seinem Namensvetter Geoffrey und Eliud Kipchoge ab. An einer Verpflegungsstelle bei Kilometer 35 startete Wilson Kipsang dann den entscheidenden Angriff.

Unterdessen hat die Polizei ein Ermittlungsverfahren wegen Hausfriedensbruchs gegen den Störenfried beim Zieleinlauf eingeleitet. Der Mann, der offenbar eine Startnummer besaß, hatte Kipsang an der Ziellinie behindert und war vor dem Sieger und neuen Rekordhalter ins Ziel gelaufen. Dabei hatte er auch das Zielband zerrissen.

Die Polizei nahm die Personalien des Mannes auf und führte ihn aus dem Veranstaltungsraum. Die Organisatoren des Marathons ließen eine Anzeige zunächst offen. "Das müssen wir sehen. Wir prüfen das", sagte Renndirektor Mark Milde: "Wir haben dem Mann Hausverbot erteilt und der Polizei übergeben."

Nach den tragischen Anschlägen beim diesjährigen Boston-Marathon mit drei Toten und mehr als 250 Verletzten waren die Sicherheitsbestimmungen in Berlin erhöht worden. Erstmals wurde der Start- und Zielbereich rund um den Tiergarten eingezäunt. Zudem gab es an den Einlasspunkten Kontrollen.

buc/sid

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Marathon-Weltrekorde der Männer
Zeit* Läufer Jahr
2:08:33 Derek Clayton (Australien) 1969
2:08:18 Rob de Castella (Australien) 1981
2:08:05 Steve Jones (Großbritannien) 1984
2:07:12 Carlos Lopes (Portugal) 1985
2:06:50 Belayneh Dinsamo (Äthiopien) 1988
2:06:05 Ronaldo da Costa (Brasilien) 1998
2:05:42 Khalid Khannouchi (USA) 1999
2:05:38 Khalid Khannouchi (USA) 2002
2:04:55 Paul Tergat (Kenia) 2003
2:04:26 Haile Gebreselassie (Äthiopien) 2007
2:03:59 Haile Gebreselassie (Äthiopien) 2008
2:03:38 Patrick Makau (Kenia) 2011
2:03:23 Wilson Kipsang (Kenia) 2013
*in Stunden