Wimbledon-Halbfinalistin Kerber: Cool geblieben im Wahnsinnskampf

Von Nils Lehnebach

Es war ein Tennis-Drama: Angelique Kerber vergab beim deutschen Frauenduell im Wimbledon-Viertelfinale drei Matchbälle - und stand selbst kurz vor dem Aus. Doch dann versagten ihrer Gegnerin Sabine Lisicki die Nerven. Jetzt ist für Kerber alles möglich.

Wimbledon: Kerber triumphiert gegen Lisicki Fotos
AFP

Hamburg - Es war die pure Freude. Gerade hatte ihre Landsfrau Sabine Lisicki mit einem einfachen Rückhandfehler ein dramatisches Wimbledon-Viertelfinale beendet, da konnte Angelique Kerber nicht mehr an sich halten. Die 24-Jährige ballte ihre Faust, schrie mehrfach laut "Come on", dann streckte sie beide Arme in den Himmel.

Mit einem 6:3, 6:7 (7:9), 7:5-Sieg hat Kerber zum ersten Mal in ihrer Karriere das Halbfinale von Wimbledon erreicht, ihren Status als deutsche Nummer eins untermauert und erneut bewiesen, dass sie in Dreisatz-Matches einfach nicht zu besiegen ist. "Ich bin so froh, dieses unglaubliche Match gewonnen zu haben", sagte die Weltranglistenachte: "Das war so ein hartes Match - Sabine hat unglaublich gespielt, und ich bin so glücklich, hier erstmals im Semifinale zu stehen."

Noch nie in ihrer Karriere hatte Kerber gegen Lisicki verloren, alle vier Partien bisher gewonnen. Und auch diesmal schien es ein klarer Erfolg zu werden. Die Vorjahres-Halbfinalistin Lisicki kam bei ihrem Lieblingsturnier überhaupt nicht ins Spiel. Hatte sie in der vorherigen Runde die Weltranglistenerste Maria Scharapowa noch mit starkem Service und harten Schlägen von der Grundlinie zum Verzweifeln gebracht, agierte Lisicki nun fehlerhaft. Drei Doppelfehler und zwölf vermeidbare Fehler erlaubte sich die 23-Jährige - schon nach 32 Minuten gewann Kerber den ersten Durchgang.

Kerber vergibt zunächst drei Matchbälle

Doch im zweiten Satz zeigte Kerber, was ihr noch zur absoluten Weltspitze fehlt: Sie ließ drei Matchbälle ungenutzt. Und das nicht, weil Lisicki plötzlich besser spielte, sondern sie selbst zu zögerlich agierte und so mehrfach Ballwechsel noch abgab, in denen sie eigentlich schon wie die Siegerin ausgesehen hatte.

Es war wie ein Déjà-vu. Schon beim Vorbereitungsturnier in Eastbourne hatte Kerber im Endspiel gegen die Österreicherin Tamira Paszek fünf Matchbälle vergeben und so den Titel verpasst. "In diesem Moment habe ich an die vergebenen Matchbälle von Eastbourne gedacht", sagte Kerber.

Lisicki holte sich den Satzausgleich, doch Kerber weiß mittlerweile, dass sie sich auf ihre Ausdauer verlassen kann. In 16 Partien musste sie dieses Jahr über drei Sätze gehen, lediglich eine verlor sie. Diesmal musste sie aber hart für ihren Triumph arbeiten, denn auch dank Lisickis nun deutlich verbessertem Spiel entwickelte sich eine Partie, die Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner später als "Wahnsinnskampf" bezeichnete.

Plötzlich war es nämlich Lisicki, die die Ballwechsel dominierte, ihre Fehlerzahl reduzierte und immer wieder mit guten Winkelbällen punktete. "Ich habe eineinhalb Sätze katastrophal gespielt, aber ich bin eine Kämpferin", sagte die 23-Jährige, die sich dann eine 5:3-Führung erspielte und zum Matchgewinn servierte. Doch es sollte eine weitere Wende geben. Kerber erkämpfte sich das Re-Break und holte sich den Matchgewinn mit vier Spielgewinnen in Folge.

Keine Spielerin war 2012 erfolgreicher als Kerber

"Ich musste heute mein bestes Tennis abrufen", sagte Kerber. Eine Tatsache, die sie zuletzt immer häufiger schaffte. Seit ihrem Halbfinaleinzug bei den US Open 2011 hat Kerber ihr Spiel auf einem extrem hohen Niveau stabilisiert. In diesem Jahr gewann sie schon die Turniere in Paris und Kopenhagen, auch bei den French Open erreichte sie das Viertelfinale.

"Diese Grand-Slam-Ergebnisse zu bestätigen, unter großem Druck, das ist eine ganz andere Genugtuung", sagte Kerber, die vor einem Jahr in der Weltrangliste noch weit außerhalb der Top 50 platziert war. Jetzt ist sie aus den Top Ten nicht mehr wegzudenken.

Kerber hat 2012 45 Partien gewonnen, keine andere Spielerin auf der WTA-Tour war erfolgreicher. Nach Wimbledon wird sie sich in jedem Fall auf Platz sieben im Ranking verbessern. Doch bei ihrer derzeitigen Form scheint noch mehr möglich zu sein.

Im Halbfinale trifft sie auf die Polin Agnieszka Radwanska, die Nummer drei der Welt. Doch auch dies scheint derzeit für Kerber eine machbare Aufgabe zu sein.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Rechnen und so
bauesel 03.07.2012
Also mal 1.: Lisicki sieht nun wirklich nicht mehr wie 21 Jahre alt. 2. Wenn man dann anfängt zu rechnen, dann kommt man vom September 89 bis Juli 12 auf fast 23 Jahre, na ja, sie ist gerade noch 22 Jahre alt und so sieht sie auch aus.
2. Was für ein geistreicher Kommentar...
Emmi 03.07.2012
Zitat von baueselAlso mal 1.: Lisicki sieht nun wirklich nicht mehr wie 21 Jahre alt. 2. Wenn man dann anfängt zu rechnen, dann kommt man vom September 89 bis Juli 12 auf fast 23 Jahre, na ja, sie ist gerade noch 22 Jahre alt und so sieht sie auch aus.
Mit 23 ist man ja auch ne Oma, während man mit 21 fast noch als Teenie durchgeht. Davon ab, macht Leistungssport nicht unbedingt jünger...
3. Häh?
Ostwestfale 03.07.2012
Zitat von baueselAlso mal 1.: Lisicki sieht nun wirklich nicht mehr wie 21 Jahre alt. 2. Wenn man dann anfängt zu rechnen, dann kommt man vom September 89 bis Juli 12 auf fast 23 Jahre, na ja, sie ist gerade noch 22 Jahre alt und so sieht sie auch aus.
1. Was wollen Sie eigentich sagen? 2. Sie sehen einem Menschen also exact an, wie alt er ist? Oder wie soll man das jetzt verstehen? 3. Was wollen Sie damit sagen, dass Sie aussieht als wäre sie 22???
4.
naranja1 03.07.2012
Zitat von baueselAlso mal 1.: Lisicki sieht nun wirklich nicht mehr wie 21 Jahre alt. 2. Wenn man dann anfängt zu rechnen, dann kommt man vom September 89 bis Juli 12 auf fast 23 Jahre, na ja, sie ist gerade noch 22 Jahre alt und so sieht sie auch aus.
Naja. Erstens glaube ich kaum, dass jemand wirklich von sich behaupten kann per Bild bei null Vorkenntnis so etwas einschätzen zu können und zweitens dann bitte auch richtiges Deutsch inkl. Verben schreiben, wenn man schon so kleinlich kritisiert ;)
5. Super Sache!
mavo 04.07.2012
Dass man das noch erleben darf: Eine Deutsche im Halbfinale (mit guten Chance auf das Finale) und zwei Deutsche Herren im Viertelfinale! Wenn jetzt der Kohli noch etwas reißt, dann wäre das natürlich die Krönung! Und der Mayer darf den Djokovic auch gerne ärgern (und rauswerfen)! ;)
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS
alles zum Thema Wimbledon
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 7 Kommentare
  • Zur Startseite
Die Wimbledon-Sieger seit 2000
Jahr Männer Frauen
2013 Andy Murray Marion Bartoli
2012 Roger Federer Serena Williams
2011 Novak Djokovic Petra Kvitová
2010 Rafael Nadal Serena Williams
2009 Roger Federer Serena Williams
2008 Rafael Nadal Venus Williams
2007 Roger Federer Venus Williams
2006 Roger Federer Amélie Mauresmo
2005 Roger Federer Venus Williams
2004 Roger Federer Marija Scharapowa
2003 Roger Federer Serena Williams
2002 Lleyton Hewitt Serena Williams
2001 Goran Ivanisevic Venus Williams
2000 Pete Sampras Venus Williams

Alle deutschen Wimbledon-Sieger
AP
Dameneinzel
1996: Steffi Graf
1995: Steffi Graf
1993: Steffi Graf
1992: Steffi Graf
1991: Steffi Graf
1989: Steffi Graf
1988: Steffi Graf
1931: Cilly Aussem

Damendoppel
1988: Steffi Graf und Gabriela Sabatini
1987: Claudia Kohde-Kilsch und Helena Suková

Herreneinzel
1991: Michael Stich
1989: Boris Becker
1986: Boris Becker
1985: Boris Becker

Herrendoppel
2010: Philipp Petzschner und Jürgen Melzer
1992: Michael Stich und John McEnroe

Mixed
2009: Anna-Lena Grönefeld und Mark Knowles
1933: Gottfried von Cramm und Hilde Krahwinkel-Sperling

Tennis: Die wichtigsten Schläge
Beginnt der Aufschläger nicht mit einem Ass und der Rückschläger spielt den Ball zurück übers Netz, läuft der Ballwechsel. Dann kann es zu folgenden Schlägen kommen:

  • VOLLEY: Der Ball wird noch vor dem Aufkommen auf dem Boden geschlagen. Dieser Schlag wird vorwiegend am Netz gespielt und soll den Ballwechsel beenden.

    PASSIERSCHLAG: Ist der andere Spieler ans Netz vorgerückt, kann er nicht die gesamte Breite des Feldes abdecken - und mit einem Schlag seitlich an ihm vorbei passiert werden.

    STOPP: Ein zumeist mit Rückwärtsdrall gespielter Ball, der kurz hinter dem Netz aufkommt und für den Gegner schwer zu erreichen ist. Wird vorwiegend auf dem langsamen Belag Sand gespielt.

    LOB: Nach einem gespielten Stopp rückt der Spieler zumeist ans Netz vor. Dann ist es möglich ihn mit einem hoch geschlagenen Lob-Ball zu überspielen.

    SCHMETTERBALL: Wird der Lob zu flach gespielt, bietet sich für den Gegner die Möglichkeit, den Ballwechsel mit einem Schmetterball zu beenden. Der Schlag ähnelt sehr dem Aufschlag und ist ein mit hohem Tempo gespielter Überkopfschlag.

  • Zudem lassen sich die Schläge von der Grundlinie unterteilen, egal ob Vor- und Rückhand:

  • TOPSPIN: Durch eine von unten nach oben durchgeführte Schlagbewegung wird dem Ball Vorwärtsdrall verliehen. Der Ball steigt dadurch zunächst relativ hoch an, fällt dann aber steil nach unten. So können auch sehr diagonal oder schnell gespielte Bälle noch im Feld landen.

    SLICE: Ist das Gegenteil vom Topspin. Die Schlagbewegung ist von oben nach unten, der Ball erhält damit Rückwärtsdrall. Der Ball wird möglichst am höchsten Punkt getroffen, die Flugkurve ist dann sehr flach und stetig sinkend. Der Ball ist dadurch relativ lange in der Luft, so dass der Schlag entweder als Verteidigungsschlag oder als Vorbereitung zum Aufrücken ans Netz verwendet wird.

    DRIVE: Der Ball wird sehr direkt getroffen und damit nur mit sehr wenig oder gar keiner Rotation versehen.

Jeder dieser drei Schläge kann entweder cross, also quer, oder longline, der Linie entlang, gespielt werden. Ein Longline-Schlag erfordert eine hohe Präzision, da der Ball leicht im Aus landen kann - und das Netz zudem außen höher ist als in der Mitte. Cross gespielte Schläge hingegen fordern weniger Genauigkeit, können dafür aber mit mehr Tempo gespielt werden.