Wimbledon-Viertelfinalist Mayer: Der ewige Zweifler

Von Nils Lehnebach

Florian Mayer steht überraschend im Viertelfinale von Wimbledon - aber hat er eigentlich Spaß an diesem Erfolg? Der introvertierte Deutsche verkrampft zu sehr im Spiel, setzt sich enorm unter Druck. Jetzt wartet Titelverteidiger Novak Djokovic.

Mayer in Wimbledon: Rückkehr auf Rasen Fotos
DPA

Hamburg - Vor kurzem hat Florian Mayer ein paar Sätze gesagt, die hat kaum jemand verstanden. Es ging um die Olympischen Sommerspiele in London. Was für viele Sportler das größte Erlebnis ihrer Karriere ist, interessiert Mayer nicht. Der 28-Jährige sprach kühl davon, dass das Turnier nicht in seinen Plan passe. Er startet stattdessen bei einem kleinen ATP-Turnier in Kitzbühel, was ihm auch deshalb besser liege, weil es statt auf Rasen auf Sand ausgetragen werde.

Mayer scheint sich selbst nicht allzu gut zu kennen. Knapp eine Woche nach seiner Olympia-Absage hat der Weltranglisten-29. in Wimbledon, dem wichtigsten Tennisturnier des Jahres, das Viertelfinale erreicht. Es ist sein größter Erfolg seit acht Jahren. Und es hätte die perfekte Generalprobe für Olympia sein können, wird das Tennisturnier der Spiele doch auf der Wimbledon-Anlage ausgetragen.

Es passt zu Mayer, dass er immer wieder Wege geht, die kaum jemand erwartet. Manchmal überrascht er aber auch positiv. So hatte keiner mit seinem Achtelfinalsieg gegen Richard Gasquet gerechnet. Der Franzose hatte zuvor im Turnier nicht einen Satz verloren, gegen Mayer war er chancenlos.

Bestes Abschneiden der deutschen Herren in Wimbledon seit 15 Jahren

"Das ist ein wundervoller Traum für mich. Vor acht Jahren war ich hier schon mal im Viertelfinale, und jetzt wieder", sagte Mayer, der nach der Partie von einem "perfekten Match" sprach. Nicht weniger als eine Wiederholung wird er brauchen, um den nächsten Schritt zu machen. Im Viertelfinale kommt es am Mittwoch (14 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) zum Duell mit dem Weltranglistenersten und Titelverteidiger Novak Djokovic. "Das wird hart - er ist der absolute Favorit. Ich habe nichts zu verlieren und werde versuchen, ihn etwas zu irritieren", sagte der Deutsche.

Es ist ein typischer Mayer-Satz. Bloß nie zu viel von sich preisgeben, möglichst keine Emotionen zeigen oder zu große Erwartungen wecken. Mayer sagt normalerweise nur das, was er sagen muss. Nach dem Sieg gegen Gasquet war es mit seiner Zurückhaltung allerdings kurzzeitig vorbei: "Wir haben endlich den Durchbruch bei einem Grand Slam geschafft." Neben ihm steht auch Philipp Kohlschreiber in der Runde der besten Acht von Wimbledon. So erfolgreich waren die Deutschen zuletzt vor 15 Jahren, damals erreichten Boris Becker, Michael Stich und Nicolas Kiefer das Viertelfinale.

Mayer galt vor acht Jahren als Mann der Zukunft

Dort dürfte nun für beide Deutsche Schluss sein, zumindest nach rein sportlichen Gesichtspunkten. Kohlschreiber ist gegen den Weltranglistensechsten Jo-Wilfried Tsonga ebenso Außenseiter wie Mayer gegen Djokovic. Dennoch wird es für beide in der Weltrangliste nach oben gehen, Mayer wird sich vermutlich auf Rang 22 verbessern.

Dass es nun bei den Männern zu einem ähnlichen Aufschwung kommt, wie ihn zuletzt die Frauen erlebten, ist auszuschließen. Mayer und Kohlschreiber sind zu unkonstant in ihrem Spiel, zudem ist die Spitze bei den Herren einfach besser besetzt.

Gerade Mayer galt schon einmal als der nächste Deutsche, der die Top Ten erreichen kann. 2004 kam er ins Wimbledon-Viertelfinale und wurde später zum "Newcomer des Jahres" gewählt. Die "Times" bezeichnete ihn als "Mann der Zukunft". Doch es kam anders. Mayer schaffte nie den Durchbruch, 2008 schien er sogar ganz am Ende zu sein. Nach einer Operation am Zeigefinger legte er eine siebenmonatige Pause ein, er litt an einem Erschöpfungssyndrom.

Er kam aber stärker zurück, schlug im Oktober 2011 in Shanghai den Weltranglistenzweiten Rafael Nadal und erreichte mit Rang 18 die beste Platzierung seiner Karriere. Doch wie so oft konnte Mayer sein Niveau nicht halten. In diesem Jahr gewann er vor Wimbledon nur neun Spiele, verlor 15. Und so sagte er in Wimbledon wieder einen bezeichnenden Satz: "Ich habe zuletzt viel an mir gezweifelt." Ein weiteres Beispiel: "Man ist auf sich allein gestellt auf dem Platz, da geht es nicht immer, dass man mit Spaß spielt." Oder: "Immer wenn ich gegen Spieler spiele, die hinter mir stehen, fühle ich mich unter Druck gesetzt und bin verkrampft."

Bei den French Open etwa schied er in der zweiten Runde gegen Eduardo Schwank aus, die Nummer 192 der Welt. Mayer kann an schlechten Tagen gegen jeden Gegner verlieren. Er kann aber auch gegen jeden gewinnen. Superstar Djokovic sollte sich seiner Sache nicht zu sicher sein.

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1. Hurra
mitch72 04.07.2012
Mir scheint, es gibt doch noch Sportler in diesem Sport, die selbstkritisch mit sich umgehen und lieber schauen, wieweit sie kommen.
2. meinen Sie den,
stedaros 04.07.2012
Zitat von mitch72Mir scheint, es gibt doch noch Sportler in diesem Sport, die selbstkritisch mit sich umgehen und lieber schauen, wieweit sie kommen.
der gesagt hat "Wir können alle Manschaften dieser Welt schlagen" und genau danach war er draußen?
3. Ähm, irgendetwas stimmt hier nicht
broca 04.07.2012
Sie zeigen ein Bild von Florian Mayer erschöpft und glücklich und bezeichnen ihn als Franzosen erschöpft und enttäuscht. Interessant.
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  • Mittwoch, 04.07.2012 – 12:48 Uhr
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Wimbledon-Viertelfinale

Wie spielt Florian Mayer gegen Novak Djokovic?


Die Wimbledon-Sieger seit 2000
Jahr Männer Frauen
2013 ??? ???
2012 Roger Federer Serena Williams
2011 Novak Djokovic Petra Kvitová
2010 Rafael Nadal Serena Williams
2009 Roger Federer Serena Williams
2008 Rafael Nadal Venus Williams
2007 Roger Federer Venus Williams
2006 Roger Federer Amélie Mauresmo
2005 Roger Federer Venus Williams
2004 Roger Federer Marija Scharapowa
2003 Roger Federer Serena Williams
2002 Lleyton Hewitt Serena Williams
2001 Goran Ivanisevic Venus Williams
2000 Pete Sampras Venus Williams

Alle deutschen Wimbledon-Sieger
AP
Dameneinzel
1996: Steffi Graf
1995: Steffi Graf
1993: Steffi Graf
1992: Steffi Graf
1991: Steffi Graf
1989: Steffi Graf
1988: Steffi Graf
1931: Cilly Aussem

Damendoppel
1988: Steffi Graf und Gabriela Sabatini
1987: Claudia Kohde-Kilsch und Helena Suková

Herreneinzel
1991: Michael Stich
1989: Boris Becker
1986: Boris Becker
1985: Boris Becker

Herrendoppel
2010: Philipp Petzschner und Jürgen Melzer
1992: Michael Stich und John McEnroe

Mixed
2009: Anna-Lena Grönefeld und Mark Knowles
1933: Gottfried von Cramm und Hilde Krahwinkel-Sperling
Tennis: Die Spielstile
Grundlinienspiel: Der Spieler verzichtet auf das Aufrücken ans Netz und schlägt, in der Regel mit Topspin, von der Grundlinie. Durch präzise und harte Schläge auf die vom Gegner entfernte Seite oder gegen die Laufrichtung des Konkurrenten soll ein Vorteil erzielt werden. Diese Ausdauer erfordernde Art wird vor allem von Spielern wie Rafael Nadal beherrscht und ist auf Sandplätzen am effektivsten.

Inside-Out-Spiel: Der Spieler vermeidet dabei, ebenfalls beim Spiel von der Grundlinie, entweder seine Vor- oder Rückhand und spielt nur mit einer Schlagseite. Beispielsweise wird dabei der Ball auf der Rückhandseite "umlaufen" und dann mit der Vorhand cross über den Platz gespielt. Dadurch bewegt sich der Spieler oft weit nach außen und ist anschließend anfällig für einen Schlag auf die andere Seite.

Serve-and-Volley: Der Spieler rückt nach seinem Aufschlag (Serve) direkt ans Netz vor und versucht den Ballwechsel mit einem Volleyschlag abzuschließen. Grundlage für diese Variante ist ein harter oder sehr präziser Aufschlag, damit der Gegner nur schlecht returnieren kann. Spieler wie Boris Becker, Stefan Edberg und Goran Ivanisevic agierten so vor allem auf schnellen Rasenplätzen.

Chip-and-Charge: Der Returnspieler spielt direkt einen Angriffsball und rückt ans Netz vor, wo er den Ballwechsel mit einem Volley beenden will. Auch diese Variante wird vorwiegend auf den schnellen Belägen eingesetzt und meist gegen den zweiten Aufschlag des Gegners verwendet.