Kerbers Sieg gegen Williams Zwei Champions

Hinter beiden Wimbledon-Finalistinnen lag ein Jahr mit sportlichen und gesundheitlichen Problemen. Nach ihrem Endspiel zeigten Angelique Kerber und Serena Williams Größe - in Sieg und Niederlage.

Serena Williams (l.) und Angelique Kerber
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Serena Williams (l.) und Angelique Kerber


22 Years of Hurt: 1996 gewann Steffi Graf als bislang letzte Deutsche den Titel in Wimbledon, 22 Jahre später wiederholte nun Angelique Kerber diesen Erfolg. Als erst dritte Deutsche überhaupt: 1931 gewann Cilly Aussem gegen ihre Landsfrau Hilde Krahwinkel.

Das Ergebnis: Kerber setzte sich im Finale in 65 Minuten 6:3, 6:3 gegen Serena Williams durch. Hier geht es zum Nachbericht.

Der Kindheitstraum: "Das kann mir niemand mehr nehmen. Als ich ein kleines Kind war, wollte ich Wimbledon gewinnen. Ich bin überglücklich", sagte eine sehr bewegte Kerber nach ihrem Sieg. Die 30-Jährige hatte in den vergangenen Jahren bereits bei den Australian Open und den US Open triumphiert, war Nummer eins der Weltrangliste - und dennoch war dieser Sieg beim bedeutendsten Tennisturnier der Welt vielleicht auch ihr größter Erfolg.

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Kerbers Sieg in Wimbledon: Tränen und Trophäe

Der erste Satz: Gleich in Williams' erstem Aufschlagspiel gelang Kerber ein Break, die 2:0-Führung wendete sich jedoch in einen 2:3-Rückstand. Zahlreiche Unforced Errors der US-Amerikanerin (14 waren es am Ende des ersten Satzes) brachten Kerber allerdings den ersten Durchgang. 6:3 hieß es nach insgesamt drei Breaks für die Deutsche.

Der zweite Satz: Bis zum 3:2 für Kerber war es eine ausgeglichene Partie, Williams schien mit dem Versuch, über mehr Emotion ins Match zurück zu kommen, erfolgreich zu sein. Im sechsten Spiel dann die Entscheidung: Mit einem Vorhand-Winner die Linie entlang gelang Kerber das siegbringende Break. Im letzten Spiel wurde sie auch beim Stand von 30:30 nicht nervös und verwandelte wenig später ihren ersten Matchball.

Aufschlag von unten: Nach ihrem bravourösen Tennisjahr 2016, in dem sie neben den erwähnten Erfolgen auch das Wimbledon-Finale erreicht hatte (und gegen Serena Williams verlor), war der Absturz im Folgejahr umso härter. Zwei magere Grand-Slam-Achtelfinals, Erstrundenaus bei den French Open, Erstrundenaus bei den US Open. Kerber nahm einen Trainerwechsel vor. Nach dem Triumph in der Neuauflage des 2016er-Finals führte sie der Weg zu ihrem neuen Coach, Wim Fissette.

Angelique Kerber und Wim Fissette
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Angelique Kerber und Wim Fissette

Die Taktik: Einen Hinweis darauf, wie man gegen Serena Williams bestehen kann, lieferte bereits im Halbfinale Julia Görges. Sobald sie die siebenmalige Wimbledon-Siegerin ins Laufen bekam, machte sie ihre Punkte. Auch Kerber wählte diesen Ansatz - nur eben auf einem höheren Niveau. Selbst beging sie kaum Fehler, mit ihrer Aggressivität, den Tempowechseln und eingestreuten Stoppbällen ermüdete sie Williams, die im zweiten Satz ihre Hoffnung fast nur noch auf unbefriedigend vorbereitete Alles-oder-nichts-Schläge setzte. Kerbers Taktik ging auf. "Das war das mit Abstand beste Match, das ich je von ihr gesehen habe", lobte der ehemalige deutsche Davis-Cup-Kapitän Patrick Kühnen.

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Deutsche Grand-Slam-Sieger: In einer Reihe mit Becker und Graf

Größe in der Niederlage: Während des Matches war Serena Williams sichtlich unzufrieden. Sie fluchte und haderte mit sich. Doch nach der dritten Niederlage in ihrem zehnten Wimbledon-Finale lächelte sie, gratulierte ihrer Gegnerin, wählte die richtigen Worte ohne Koketterie oder falsches Pathos: "Wir sind gute Freunde, ich bin sehr glücklich für sie", sagte Williams. Kerber revanchierte sich: "Du bist solch eine Inspiration, es ist so großartig, dass du zurückgekommen bist."

Ein unwahrscheinliches Comeback: Am 1. September vergangenen Jahres bekam Williams ihr erstes Kind. Eine komplizierte Geburt mit Folgen. Zahlreiche Operationen schlossen sich an. "Ich habe heute für all die Mütter da draußen gespielt", sagte eine sichtlich bewegte Williams, die in der Niederlage mehr gewann, als sie zuvor in 65 Minuten auf dem Platz verloren hatte.



insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
GueMue 14.07.2018
1. Super
Gratulation an Angelique. Freut mich sehr.
peter-11 14.07.2018
2. Glückwunsch
an Frau Kerber, aber auch an Frau Williams, denn beide Damen zeichnen sich durch ein tolles Tennis, aber auch ein bemerkenswertes Fairplay und einen großartigen gegenseitigen Respekt aus. Das ist dann erst echte Größe. Glückwunsch
RalfHenrichs 14.07.2018
3. Keine Eintagesfliege
Wie einige Foristen hier bei ihrem Absturz behauptet haben. War sie übrigens schon vor dem heutigen Tag nicht: Immerhin in der Liste, der Tennisspielerinnen, die am längsten auf Platz 1 waren, auf Platz 13 (von 25) und u.a. damit vor Austin, Clijsters und Scharapowa. Jetzt eine der wenigen, die drei der vier Grand Slams gewonnen haben (bis auf French Open). Alle vier haben in der Profizeit (seit 1975) nur Chris Evert, Martina Navratilova, Steffi Graf, Serena Williams und Marija Scharapowa geschafft. Das nur, um zu zeigen, in welcher unglaublichen Liga Kerber nun spielt. Natürlich hat sie dieses Jahr Glück gehabt: die Top10 früh raus, Williams aus verständlichen Gründen nicht in Bestform, aber sie war fähig diese Chance auch zu ergreifen.
andreasm.bn 14.07.2018
4. wer am Ende vorne steht, ....
hat alle Argumente auf seiner Seite! Glückwunsch an Angie, von Spiel zu Spiel gesteigert und heute auch verdient gewonnen. Ganz großen Respekt aber auch an Serena, bin kein Fan von ihr, aber die Größe musst Du erstmal haben, so fair und ehrlich zu gratulieren und sich mit der Gewinnerin zu freuen. Das zeichnet einen wahren Champion aus.
Trollflüsterer 14.07.2018
5.
Ich finde es super, dass Frau Kerber sich jetzt für alle Zeit dieses Lorbeer, ihren Traum als kleines Mädchen, ans Revers heften kann: Wimbledon Siegerin! Gratulation! Das bleibt für immer.
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