Wimbledon Medwedew schmeißt Geld vor Schiedsrichterin

Daniil Medwedew hat in Wimbledon für einen Eklat gesorgt: Der Russe, der in der zweiten Runde trotz einer Führung noch ausschied, entlud seinen Frust an der Schiedsrichterin und warf ihr Münzgeld vor den Stuhl.

Daniil Medwedew
AP

Daniil Medwedew


Am Vortag hatte er die Tenniswelt noch mit seinem sensationellen Sieg in der Auftaktrunde in Wimbledon gegen Stan Wawrinka überrascht, wenige Stunden später sorgte Daniil Medwedew für bizarre Szenen: Der 21-Jährige fragte während des fünften Satzes seiner Zweitrundenpartie gegen Ruben Bemelmans frustriert beim zuständigen Turnierdirektor nach, ob man die Stuhlschiedsrichterin Mariana Alves austauschen könne. Sein Wunsch wurde dem Russen, der mit einigen Entscheidungen des Referees nicht einverstanden gewesen war, allerdings abgeschlagen. Die Partie wurde auf Court Nr. 16 ausgetragen, auf dem das Hawk-Eye-Kamerasystem nicht installiert ist.

Nachdem Medwedew, der derzeit auf Platz 49 der Weltrangliste geführt wird, den entscheidenden fünften Durchgang trotz einer 2:0-Führung in Spielen noch aus der Hand gegeben und das Match gegen den 124. des ATP-Rankings schließlich 4:6, 2:6, 6:3, 6:2, 3:6 verloren hatte, verlor er endgültig die Nerven: Angekommen an seiner Spielerbank, griff Medwedew sich sein Portemonnaie aus der Tennistasche und suchte Münzgeld daraus. Anschließend warf er das Kleingeld vor den Arbeitsplatz der Stuhlschiedsrichterin.

Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel entschuldigte sich Medwedew zwar. "In der Hitze des Gefechts habe ich einen Fehler gemacht. Das tut mir leid. Ich werde mich bei der Schiedsrichterin entschuldigen, sobald ich sie sehe", sagte er: "Ich war enttäuscht und frustriert nach dem Spiel. Schiedsrichter machen Fehler, Spieler auch. Es war eine Dummheit, die ich getan habe."

Dennoch wird er wohl mit Sanktionen rechnen müssen. "Das muss jetzt beurteilt werden, und ich werde die Strafe akzeptieren", sagte Medwedew.

Bereits im vergangenen Jahr war der Rechtshänder durch skandalöses Verhalten aufgefallen. Im Rahmen des Challenger-Turniers in Savannah (Georgia) hatte Medwedew bei einer Niederlage gegen Donald Young einen rassistischen Kommentar über seinen schwarzen Kontrahenten und den schwarzen Referee losgelassen. Auch damals war er wegen Schiedsrichterentscheidungen gegen ihn verärgert gewesen. Seinerzeit wurde er umgehend vom Turnier ausgeschlossen.

lst

Mehr zum Thema


insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
pascal3er2 05.07.2017
1. nana...
Die Schiedsrichterin ist nicht Schuld, wenn man kein Tennis spielen kann. Wenn du so ne Show machen willst, musst du zum Big Boss vom Tennisverband gehen. Da hätts gepasst, wäre aber auch Karriere Ende gewesen. Wäre aber auch besser, Karriere Ende wenn man gegen ne Niete voll ablosed....
kuschl 05.07.2017
2. Nervenschwach
Kann er nicht verlieren?
solongcharly 05.07.2017
3. Charakterliche und Sportliche Reife...
Charakterliche und Sportliche Reife gehen leider nicht immer Hand in Hand. Als Wiederholungstäter sollte Medwedew sich mal auf eine saftige Bestrafung gefasst machen. Dass er auf der Pressekonferenz zurückrudert und sein Bedauern ausdrückt ist zwar Schadensbegrenzung, aber der Bestechlichkeitsvorwurf, den er so schön Bildhaft LIVE in alle Welt gesendet hat ist schwer wieder einzufangen. Er ist sehr jung und die gezeigte Reue ist gut, aber die Konsequenzen der ATP wird er noch viel mehr bereuen. Da bin ich mir ziemlich sicher...
clint east wood 05.07.2017
4. Die Strategie erscheint ein wenig durchsichtig: In kurzen Abständen ..
... tabubrechend ausrasten. Dann wird man zwar für das Turnier gesperrt - aber man hat die Medienaufmerksamkeit auf sich gelenkt,Name & Gesicht werden weitaus schneller bekannt, als wenn man sich die mühsehlige und vielleicht vergebliche Arbeit machen müsste die Weltelite tatsächlich Mann für Mann niederzukämpfen. Und auf dem heimischen Werbemarkt gibt's nicht mal Abzüge, denn sympathisierende Medien sorgen dort dafür mit allerhand SlowMo-"Beweisen" - dass er ja nur "berechtigtem" Ärger Luft gemacht hat, denn die böse Welt (resp. die bösen, rassistischen "Schwarzen") will die Armen Russen ja in allen Sportarten benachteiligen und "klein halten", denn die sind ja eigentlich unschlagbar gut...Da ist ne gaaaanz große Verschwörung im Gange.....
micheleyquem 06.07.2017
5. Zum Teil hat er ja recht, aber.....
... natürlich ist das ein lächerlicher Zirkus und verschoben wird schon auch mal. Aber jemand der ei gewisses Talent füp sein Hobby hat und damit zum Millionär wird... der ist nicht gerade jemand der sich die Ungerechtigkeit der Welt beschweren sollte Die Heuchelei solcher Veranstaltiung von Millionarios für Millionarios verdient eine solche Blosstellung natürlich schon. Helfen wird es sicher nichts
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.