Tennis-Veteran Baker: Das zweite Leben des Brian

Von Nils Lehnebach

Brian Baker galt als herausragendes Tennistalent - bis sein Körper streikte: Fünfmal musste sich der Amerikaner operieren lassen, vier Jahre lang spielte er kein Match. Doch er kämpfte sich zurück, jetzt trifft er im Achtelfinale von Wimbledon auf Philipp Kohlschreiber.

Tennisprofi Baker: Student im Achtelfinale Fotos
Getty Images

Hamburg - Brian Baker konnte es nicht fassen, das Erreichte überstieg seine Vorstellungskraft. Der 27-Jährige hatte gerade in der dritten Runde von Wimbledon Benoît Paire besiegt. "Das ist irreal" sagte Baker, einfach "verrückt" sei dieser Sieg.

Noch vor einem Jahr war Baker Tennistrainer an einer Universität in Nashville, sein Körper schien nach fünf Operationen am Ende zu sein. Jetzt steht Baker beim wichtigsten Turnier der Welt im Achtelfinale. Dort trifft er an diesem Montagnachmittag auf die deutsche Nummer eins, Philipp Kohlschreiber (ab ca. 16.30 Uhr Liveticker auf SPIEGEL ONLINE).

Baker galt einst als eines der größten Talente seiner Generation, schaffte es bei den Junioren bis auf Platz zwei der Weltrangliste. 2002 siegte er beim Orange Bowl, dem prestigeträchtigsten Turnier im Nachwuchsbereich. Roger Federer gewann das Turnier 1998, ein Jahr später Andy Roddick. Beide wurden die Nummer eins der Welt im Herrentennis.

Für Baker begann es auch auf der Profi-Tour zunächst ziemlich gut. Anfang 2005 besiegte er den heutigen Weltranglistenersten Novak Djokovic, später schlug er in der ersten Runde der US Open Gaston Gaudio, die Nummer neun der Welt, in drei Sätzen. Baker war auf einem guten Weg, arbeitete sich in der Weltrangliste bis auf Platz 173 vor.

Drei Operationen in einem Jahr

Doch der Auftritt in New York schien eines seiner letzten Turniere zu sein. Am Jahresende musste er sich an der linken Hüfte operieren lassen, es folgte 2006 eine OP an der Leiste. Ein Jahr später versuchte Baker ein Comeback, es dauerte ganze vier Partien. Sein Körper spielte nicht mehr mit, er musste sich erneut mehrfach operieren lassen. 2008 gleich dreimal, je einmal an der linken und rechten Hüfte, dazu am Ellenbogen. Seitdem ist sein Körper gezeichnet von Narben.

Baker bekam Selbstzweifel, fragte sich, warum dieser Körper ihn immer wieder im Stich lässt und ob er jemals wieder schmerzfrei spielen können werde. Er konnte nicht. 2008 war das erste Tennis-Leben des Brian Baker beendet. Der einstige Tennisprofi wurde zum Studenten, später kümmerte er sich als Assistenztrainer um das Tennisteam einer Universität in Nashville.

Drei Jahre später wagte Baker einen Neustart auf der Tour und gewann im Juli direkt ein drittklassiges Turnier. Damals hatte er keine Weltranglistenplatzierung mehr, am Ende des Jahres lag er auf Position 456.

Für Baker ist es eine große Freude, überhaupt noch mal professionell Tennis spielen zu dürfen. Er macht keine Mätzchen, tritt stets bescheiden auf. Im Mai erreichte er seinen bisher größten Erfolg, kam beim Turnier in Nizza bis ins Endspiel. Dort betrat Baker, wie immer mit einer Schirmmütze auf Kopf, zuerst den Court, die Schlägertasche geschultert. Danach lief sein Gegner Nicolas Almagro ein, seine Ausrüstung trug ein Balljunge.

Vor dem Turnier hatte Baker erst neun ATP-Spiele gewonnen

Baker verlor das Endspiel, nachdem er zuvor schon Gael Monfils, die Nummer 13 der Welt geschlagen hatte. Für die French Open erhielt er eine Wildcard, verlor in der zweiten Runde nach fünf Sätzen gegen Gilles Simon, zum Zeitpunkt auf Weltranglistenposition zwölf.

Mittlerweile ist Baker im Ranking auf Platz 126 - zu schlecht, um in Wimbledon direkt ins Hauptfeld zu kommen. Doch Baker überstand die Qualifikation und gewann drei weitere Partien. In der zweiten Runde warf er den Top-50-Spieler Jarkko Nieminen raus, 6:0, 6:2, 6:4 stand es nach 80 Minuten.

Auch die Konkurrenz ist von dem beispiellosen Comeback beeindruckt. "Es gibt Spieler, die waren sechs Monate verletzt und hatten ein schwieriges Comeback. Aber er war sechs Jahre verletzt, ich kann das nicht glauben", so Roddick. Und Federer sagte: "Wow, das ist eine unglaubliche Geschichte".

Vor Wimbledon hatte Baker auf der ATP-Tour neun Spiele gewonnen. Jetzt gehört er zu den 16 besten Spielern beim wichtigsten Turnier der Welt. Im Achtelfinale von Wimbledon geht es gegen Kohlschreiber. Der Deutsche ist zuversichtlich: "Das Viertelfinale wäre unmenschlich geil. Die Chancen sind ausgeglichen, es wartet ja nicht Roger Federer." Nein, es geht gegen Brian Baker, in dessen zweitem Tennis-Leben.

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Gratulation zum Comeback -
friedenspfeife 02.07.2012
nur der MP Film ist um einiges Besser
2. Beeindruckend
hollo43 02.07.2012
Zitat von sysopGetty ImagesBrian Baker galt als herausragendes Tennistalent - bis sein Körper streikte: Fünfmal musste sich der Amerikaner operieren lassen, vier Jahre lang spielte er kein Match. Doch er kämpfte sich zurück, jetzt trifft er im Achtelfinale von Wimbledon auf Philipp Kohlschreiber. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,841976,00.html
Mich würde mal interessieren, wie Brian Baker sich in der Zwischenzeit fit gehalten hat und mit welchen Trainingsmethoden er sich auf sein Comeback vorbereitete. Es ist allerdings bekannt, dass mitunter Spieler mit einer halbjährigen Verletzungspause gegenüber weiterspielenden Konkurrenten gleichrangig spielen können, siehe auch hier Schnelligkeit im Tennis | Tennisfragen (http://tennisfragen.de/schnelligkeit-4/). Das sollte vielleicht auch den Freizeitspielern ein Argument sein, nicht auf Teufel komm raus bei einer Überlastung weiter zu spielen, nur, weil man Angst hat, von den Clubkameraden abgehängt zu werden.
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Die Wimbledon-Sieger seit 2000
Jahr Männer Frauen
2014 Novak Djokovic Petra Kvitová
2013 Andy Murray Marion Bartoli
2012 Roger Federer Serena Williams
2011 Novak Djokovic Petra Kvitová
2010 Rafael Nadal Serena Williams
2009 Roger Federer Serena Williams
2008 Rafael Nadal Venus Williams
2007 Roger Federer Venus Williams
2006 Roger Federer Amélie Mauresmo
2005 Roger Federer Venus Williams
2004 Roger Federer Marija Scharapowa
2003 Roger Federer Serena Williams
2002 Lleyton Hewitt Serena Williams
2001 Goran Ivanisevic Venus Williams
2000 Pete Sampras Venus Williams
Alle deutschen Wimbledon-Sieger
Dameneinzel
1996: Steffi Graf
1995: Steffi Graf
1993: Steffi Graf
1992: Steffi Graf
1991: Steffi Graf
1989: Steffi Graf
1988: Steffi Graf
1931: Cilly Aussem

Damendoppel
1988: Steffi Graf und Gabriela Sabatini
1987: Claudia Kohde-Kilsch und Helena Suková

Herreneinzel
1991: Michael Stich
1989: Boris Becker
1986: Boris Becker
1985: Boris Becker

Herrendoppel
2010: Philipp Petzschner und Jürgen Melzer
1992: Michael Stich und John McEnroe

Mixed
2009: Anna-Lena Grönefeld und Mark Knowles
1933: Gottfried von Cramm und Hilde Krahwinkel-Sperling

Tennis: Die wichtigsten Schläge
Beginnt der Aufschläger nicht mit einem Ass und der Rückschläger spielt den Ball zurück übers Netz, läuft der Ballwechsel. Dann kann es zu folgenden Schlägen kommen:

  • VOLLEY: Der Ball wird noch vor dem Aufkommen auf dem Boden geschlagen. Dieser Schlag wird vorwiegend am Netz gespielt und soll den Ballwechsel beenden.

    PASSIERSCHLAG: Ist der andere Spieler ans Netz vorgerückt, kann er nicht die gesamte Breite des Feldes abdecken - und mit einem Schlag seitlich an ihm vorbei passiert werden.

    STOPP: Ein zumeist mit Rückwärtsdrall gespielter Ball, der kurz hinter dem Netz aufkommt und für den Gegner schwer zu erreichen ist. Wird vorwiegend auf dem langsamen Belag Sand gespielt.

    LOB: Nach einem gespielten Stopp rückt der Spieler zumeist ans Netz vor. Dann ist es möglich ihn mit einem hoch geschlagenen Lob-Ball zu überspielen.

    SCHMETTERBALL: Wird der Lob zu flach gespielt, bietet sich für den Gegner die Möglichkeit, den Ballwechsel mit einem Schmetterball zu beenden. Der Schlag ähnelt sehr dem Aufschlag und ist ein mit hohem Tempo gespielter Überkopfschlag.

  • Zudem lassen sich die Schläge von der Grundlinie unterteilen, egal ob Vor- und Rückhand:

  • TOPSPIN: Durch eine von unten nach oben durchgeführte Schlagbewegung wird dem Ball Vorwärtsdrall verliehen. Der Ball steigt dadurch zunächst relativ hoch an, fällt dann aber steil nach unten. So können auch sehr diagonal oder schnell gespielte Bälle noch im Feld landen.

    SLICE: Ist das Gegenteil vom Topspin. Die Schlagbewegung ist von oben nach unten, der Ball erhält damit Rückwärtsdrall. Der Ball wird möglichst am höchsten Punkt getroffen, die Flugkurve ist dann sehr flach und stetig sinkend. Der Ball ist dadurch relativ lange in der Luft, so dass der Schlag entweder als Verteidigungsschlag oder als Vorbereitung zum Aufrücken ans Netz verwendet wird.

    DRIVE: Der Ball wird sehr direkt getroffen und damit nur mit sehr wenig oder gar keiner Rotation versehen.

Jeder dieser drei Schläge kann entweder cross, also quer, oder longline, der Linie entlang, gespielt werden. Ein Longline-Schlag erfordert eine hohe Präzision, da der Ball leicht im Aus landen kann - und das Netz zudem außen höher ist als in der Mitte. Cross gespielte Schläge hingegen fordern weniger Genauigkeit, können dafür aber mit mehr Tempo gespielt werden.