Legendäres Wimbledon-Finale 2008 Ein Match für die Ewigkeit

Vier Stunden und 48 Minuten Hochspannung: Vor genau zehn Jahren besiegte Rafael Nadal im Wimbledon-Finale Roger Federer. Für viele ist es das tollste Tennismatch aller Zeiten. Beide Spieler prägen seitdem eine neue Ära.

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Von Philipp Joubert


Auch als er schon einige Sekunden auf dem Boden lag, stieg der Staub noch von seinen Füßen auf. Der Schläger flog längst durch die Luft, und die Blitzlichter hatten begonnen, die Abenddämmerung zu erleuchten. Aber Rafael Nadal hielt noch kurz inne, die Arme und Beine von sich gestreckt. Dann hob er den Kopf und brüllte laut.

Das lang Erwartete war passiert.

Und doch schien Rafael Nadals erster Wimbledon-Titel vor zehn Jahren wie eine Mondfahrt. Besonders an diesem 6. Juli 2008. Bereits während des wegen Regenunterbrechungen fast sieben Stunden dauernden Tennistages hatten sich alle gefragt: Sehen wir hier das größte Tennismatch der Geschichte? Mittlerweile sind sich alle einig: Das Finale zwischen Nadal und Roger Federer im Jahr 2008 war, wenn schon nicht das größte, dann sicherlich das perfekte Duell.

Rafael Nadal feiert seinen Sieg
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Rafael Nadal feiert seinen Sieg

Federer, damals seit knapp vier Jahren an der Spitze der Weltrangliste, war damals nur noch einen Sieg vom rekordträchtigen sechsten Wimbledon-Titel in Folge entfernt. 2006 und 2007 hatte er das Finale gegen Nadal gewonnen. Der Spanier hatte sich währenddessen sein eigenes Königreich gebaut: auf dem Sand der French Open. Bei seinen vier aufeinanderfolgenden Titeln hatte er dort jeweils Federer besiegt. So auch im Pariser Finale wenige Wochen zuvor.

Und jetzt also die Revanche: Rechtshänder gegen Linkshänder, lautlose Eleganz gegen eine Wucht, die bis dahin noch nicht auf dem heiligen Rasen gesehen worden war. Federer, die Nummer eins, gegen Nadal, die Nummer zwei.

Die Erwartungen an dieses Finale waren im Vorfeld in fast unermessliche Höhe gestiegen - und am Ende wurde kein Zuschauer enttäuscht: Die ersten zwei Sätze gingen vergleichsweise schnell an Nadal. Es folgte ein kurzer Gruß der Tennisgötter - im letzten Wimbledon-Jahr ohne Dach über dem Centre Court kam es zur Regenpause. Anschließend gewann Federer die Sätze drei und vier im Tiebreak. Dabei wehrte er im vierten und später auch im fünften Satz Matchbälle in der immer dunkler werdenden Dämmerung ab.

Federer und Nadal dominieren auch noch heute die Tennisszene

Doch beim Stand von 7:7 verlor Federer sein Service. Nach einer Spielzeit von vier Stunden und 48 Minuten war die jahrelange Dominanz des damals 26-Jährigen gebrochen, Nadal besiegte Federer.

Danach begannen die unvermeidbaren Vergleiche mit Björn Borg, der 1981 beim Versuch des sechsten Titelgewinnes in Folge doch noch ein Wimbledon-Finale gegen seinen ewigen Herausforderer John McEnroe verloren hatte. Es war die letzte große Saison des schwedischen Tennisstars. Doch ein Borg-Schicksal erlitt Federer in der Zeit danach nicht. Im Gegenteil: Er und Nadal sind auch in diesem Jahr in Wimbledon an den beiden Top-Positionen gesetzt. Sie haben die vergangenen sechs Grand-Slam-Turniere quasi abwechselnd gewonnen.

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Wimbledon-Finale 2008: Spiel, Satz, sensationell

Am vergangen Sonntag - vor dem diesjährigen Turnierstart - berichtete ein lächelnder Federer, dass er und Nadal sich vermutlich noch vom Match 2008 erzählen würden, wenn sie schon längst alt sind: "Auch wenn die Niederlage hart war, habe ich sicherlich Positives mitgenommen", sagte Federer. In der Jubiläumsdokumentation "Strokes of Genius", die am kommenden Sonntag bei der BBC ausgestrahlt wird, erzählt Federer, wie lange er brauchte, sich der Realität einer echten Rivalität zu öffnen. Aber weil ihm genau das gelang, wurde aus dem Finale 2008 zwar das Ende der Alleinherrschaft Federers, aber auch der Beginn einer neuen Zeitrechnung im Tennis.

Längst gilt: Wer im Spitzentennis mithalten will, muss auf allen Belägen erfolgreich sein. Ein für sein Alter schon sehr weiter Spieler wie Alexander Zverev, 21 Jahre, ist ein Protagonist dieser Entwicklung. Novak Djokovic, der sich in den Jahren der eigenen Dominanz 2015 und 2016 zum fast perfekten Tennisspieler entwickelt hatte, sagte nach seinem Erstrundensieg gegen Tennys Sandgren, dass Nadal und Federer ihn und viele anderen Spieler geprägt hätten.

Daran dürfte besonders der 6. Juli 2008 von Wimbledon seinen Anteil haben.



insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
Sibylle1969 06.07.2018
1.
Leider wurde das Wimbledon-Finale 2008 nicht im deutschen Free-TV gezeigt, daher habe ich das sagenhafte Finale leider nicht gesehen. Auf YouTube habe ich eine 20minütige Zusammenfassung gesehen. Ich habe leider nirgendwo im Internet einen Link zur vollständigen Aufzeichnung gefunden.
kopi4 06.07.2018
2.
Man könnte auch erwähnen das die beiden 2017 in Melbourne ein ebenso atemberaubendes Finale ablieferten. Und das,Stand heute, eine Wiederholung des Finales von 2008 2018 nicht unwahrscheinlich erscheint.
LuBu 08.07.2018
3. GOATs
Der beste Spieler aller Zeiten und der beste Sandplatzspieler aller Zeiten. 10 Jahre später, immernoch auf Platz 1 und 2 (derzeit schön im Wechsel). Unglaublich, was für eine Ära hier geprägt wurde - und wir dürfen Zeugen sein :-).
LuBu 08.07.2018
4.
Zitat von Sibylle1969Leider wurde das Wimbledon-Finale 2008 nicht im deutschen Free-TV gezeigt, daher habe ich das sagenhafte Finale leider nicht gesehen. Auf YouTube habe ich eine 20minütige Zusammenfassung gesehen. Ich habe leider nirgendwo im Internet einen Link zur vollständigen Aufzeichnung gefunden.
Neben Angeboten im Graubereich - auf die an dieser Stelle natürlich nicht verwiesen werden soll :-) - existiert von diesem legendären Finale praktischerweise eine offizielle DVD-Veröffentlichung: https://www.amazon.de/dp/B001CT6S4U
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