Wimbledon Die Dunkelheit rettet Zverev

Der an Nummer drei gesetzte Marin Cilic ist in der zweiten Runde ausgeschieden. Alexander Zverev drohte ein ähnliches Schicksal. Doch dann wurde sein Match gegen Taylor Fritz unterbrochen.

Alexander Zverev
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Alexander Zverev


Diese Zwangspause kam genau zum richtigen Zeitpunkt. Die Zweitrundenpartie zwischen Alexander Zverev und dem US-Amerikaner Taylor Fritz in Wimbledon wurde beim Stand von 6:4, 5:7, 6:7 aus Sicht des Deutschen wegen Dunkelheit abgebrochen.

Zverev hatte nach gutem Start deutlich nachgelassen, während Fritz mit laufender Spieldauer immer besser ins Match fand. Den Tie Break im dritten Satz gewann Fritz zu Null. Das Match wird am Freitag fortgesetzt. Zverev darf dann keinen weiteren Satz abgeben, sonst wäre das dritte Grand-Slam-Turnier des Jahres für die Nummer vier der Setzliste frühzeitig beendet.

Cilic scheidet nach 2:0-Satzführung sensationell aus

Guido Pella konnte es zunächst kaum fassen. Er nahm die Hände auf den Kopf und schaute ungläubig auf die Ränge: Nach insgesamt 3:13 Stunden hatte die Nummer 82 der Welt in der zweiten Runde den Vorjahresfinalisten Marin Cilic rausgeworfen.

Die Partie begann am Mittwoch wie erwartet. Cilic hatte das Spiel unter Kontrolle. Eine erste Regenpause änderte daran zunächst nichts, der Kroate entschied die ersten beiden Sätze klar für sich. Doch als das Match im dritten Satz beim Stand von 3:4 wegen Regen und Dunkelheit unterbrochen wurde, war der Bann gebrochen: Was auch immer über Nacht passiert war, der 28 Jahre alte Pella drehte am Donnerstag mächtig auf, Cilic kam nicht mehr ins Spiel. Der Argentinier gewann 3:6, 1:6, 6:4, 7:6 (3:7), 7:5.

"Der Regen hat mir sehr geholfen. Gestern hat Cilic so gut gespielt, da konnte ich nichts machen", sagte Pella der BBC. "Heute fühlte ich mich sehr viel sicherer in meinem Spiel. Ich habe angefangen, aggressiver zu spielen und um jeden Ball zu kämpfen." Cilic wiederum hatte überhaupt nur einmal ein Wimbledon-Match gegen einen schlechter gesetzten Spieler verloren. Vor zehn Jahren musste er sich der damaligen Nummer 145, Arnaud Clement, geschlagen geben. Und nun also Pella.

Das frühe Aus von Cilic ist der nächste Favoritensturz beim größten Rasenturnier der Welt. Bei den Männern waren zuvor mit Grigor Dimitrow, French-Open-Finalist Dominic Thiem und David Goffin bereits drei weitere Top-10-Spieler gescheitert.

Favoritinnensterben geht weiter - Titelverteidigerin Muguruza ist raus

Bei den Frauen sind sogar schon sechs Spielerinnen aus den ersten zehn der Weltrangliste ausgeschieden. Nach der zweimaligen Wimbledon-Siegerin Petra Kvitova, Maria Sharapova und Australian-Open-Champion Caroline Wozniacki ist auch Titelverteidigerin Garbiñe Muguruza ausgeschieden. Die in Venezuela geborene Spanierin verlor 7:5, 2:6, 1:6 gegen Alison van Uytvanck aus Belgien.

French-Open-Siegerin Simona Halep tat sich zunächst zwar ebenfalls schwer, fand dann aber ins Match, als sie im ersten Satz 3:5 gegen die Chinesin Saisai Zheng zurücklag. Die Nummer eins der Welt gewann zehn Spiele in Folge und entschied ihre Zweitrundenpartie 7:5, 6:0 für sich.

Auch Angelique Kerber hatte alle Mühe, sich in Runde drei vorzukämpfen. Der US-amerikanische Teenager Claire Liu lieferte der Deutschen einen harten Kampf. Als die Vorjahressiegerin bei den Junioren ihre anfängliche Nervosität abgelegt hatte, sah sich Kerber immer mehr in die Defensive gedrängt. Erst mit Beginn des zweiten Durchgangs fand Kerber wieder in die Spur. Letztlich setzte sich die 30-Jährige mit viel Kampfgeist, vor allem aber wohl dank der größeren Erfahrung durch. "Es war ein kniffliges Match", sagte Kerber: "Ich bin einfach froh, dass ich das irgendwie am Ende noch hinbekommen habe."

Nadal und Djokovic problemlos weiter- Kohlschreiber behält im Tiebreak-Krimi die Nerven

Ohne große Probleme haben Novak Djokovic und Rafael Nadal die dritte Runde erreicht. Nur wenige Minuten nachdem French-Open-Gewinner Nadal in seinem zweiten Match dem Kasachen Michail Kukuschkin mit 6:4, 6:3, 6:4 keine Chance gelassen hatte, setzte sich auch der Serbe Djokovic in seinem Duell mit dem Argentinier Horacio Zeballos 6:1, 6:2, 6:3 durch.

Erstmals seit sechs Jahren hat zudem Philipp Kohlschreiber die dritte Runde erreicht. Der 34-Jährige gewann die Fortsetzung seiner am Vortag abgebrochenen Partie 7:6 (8:6), 7:6 (7:4), 7:6 (7:3) gegen Gilles Muller. Gegen den Luxemburger, der im Vorjahr überraschend Superstar Nadal geschlagen hatte, profitierte Kohlschreiber vor allem von seiner Nervenstärke. Beim Abbruch wegen Dunkelheit hatte es im Tiebreak des zweiten Satzes 5:3 für Kohlschreiber gestanden.

sak/mmm



insgesamt 3 Beiträge
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drui 06.07.2018
1. Eben fühlte ich mich fiel unschön beim Lesen mancher Zeilen...
"Heute fühlte ich mich sehr fiel sicherer in meinem Spiel. " Doch dann viel mir die Lösung für das Unwohlsein ein: Mehr Lektoren einstellen! Fiel meer Lektoren!
kopi4 06.07.2018
2.
Naja,ob die Dunkelheit ihn gerettet hat oder das frühe Aus nur verzögerte wird sich bei der Fortsetzung zeigen. Im übrigen mal wieder ein echter Zverev. Wie bei seinen Siegen in Paris das gleiche Muster: dominierend im ersten Satz, ein schlechtes Aufschlagspiel im zweiten reicht dem Gegner zum Ausgleich, im dritten Satz zeigt seine Körpersprache wohin der Weg führt.
jean-baptiste-perrier 06.07.2018
3. Abwarten!
Zverev kann theoretisch sich noch retten. Bloß jetzt schon wieder Fünfsatz-Matches ab der zweiten Runde (wie in Paris) ist eben entlarvend für Zverev und die Diskrepanz zwischen seiner Selbsteinschätzung ("Gebe mich nicht mit Viertel- und Halbfinale zufrieden") und seinen tatsächlichen Fähigkeiten. Nachdem er in Paris erstmalig bei einem Grand Slam Turnier mit Ach und Krach ein Viertelfinale erreicht hat, spuckt er vor Wimbledon große Töne. Auf dem Platz ständiges Faustgeben und Fingerheben nach Allerweltspunkten, um dann doch einzubrechen wie im zu Null Tiebreak im dritten Satz. Zverev bereit für den Wimbledon-Titel? Da ist er noch Jahre von entfernt. Da glaube ich eher an einen Sieg von Struff im Endspiel. Der Struffi hat nämlich jetzt einen sehr leichten Gegner: Er spielt gegen einen uralten Schweizer!
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