Rekordtitel für Federer in Wimbledon Hab-Acht-Stellung

Roger Federer gilt (spätestens) nach seinem achten Wimbledon-Erfolg als GOAT, als "Greatest of all Time". Sein Sieg gegen Marin Cilic war sportlich einseitig, aber es gab Tränen. Alles Wichtige zum Match.

Roger Federer
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Die Frage des Spiels: Ganz einfach. Würde Roger Federer das Finale so dominant gestalten wie seine bisherigen sechs Matches des Wimbledon-Turniers? Oder würde Marin Cilic seinen starken Aufschlag nutzen können, um es zumindest spannend zu machen?

Die Antwort: Ja. Und nein, nicht im Geringsten. Federer gewann das Wimbledon-Endspiel 6:3, 6:1 und 6:4, in nur einer Stunde und 41 Minuten. Hier geht es zur Meldung.

Der erste Satz: Federer brauchte ein paar Spiele, um seine Bestform zu erreichen. Das hätte Cilic fast genutzt. Beim Stand von 2:1 hatte er zwei Breakbälle, vergab aber beide mit Unforced Errors. Ab da ging es bergab für Cilic. Federer schaffte seinerseits ein Break, gab sich bei eigenem Service jetzt gar keine Blöße mehr und brach das Aufschlagspiel des Kroaten ein weiteres Mal, um den ersten Satz 6:3 für sich zu entscheiden. Unterm Strich gab es keine Statistik, in der Cilic seinem Gegner im ersten Durchgang überlegen war.

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Federers Triumph in Wimbledon: Acht!

Kraft und Kräfteverhältnis: Die Power, mit der Cilic seine Aufschläge serviert und seine Vorhand übers Netz peitscht, ist zu Recht gefürchtet. Auch Federer weiß das seit seiner Halbfinalniederlage gegen den Kroaten bei den US Open 2014. Im Finale aber musste Federer vor diesen Qualitäten seines Kontrahenten kaum zittern. Hatte Cilic in den ersten sechs Runden des Turniers noch insgesamt 130 Asse geschlagen, gelang ihm im ersten Satz des Endspiels nicht ein einziges. Nicht nur das: Cilic brachte zunächst nicht einmal die Hälfte seiner ersten Aufschläge ins Feld. Vielleicht war das auch eine Frage der Kräfte - Cilic hatte im Turnierverlauf mehr als 14 Stunden auf dem Court gestanden, fast 50 Prozent mehr als Federer.

Der zweite Satz: Sportlich enttäuschend, weil viel zu einseitig: 6:1 für Federer. Aber was fürs Herz. Siehe unten.

Bis einer weint: Als Cilic im zweiten Satz schnell 0:3 zurücklag, ließ er medizinische Hilfe kommen. Der Grund war eine Fußverletzung, die sich vermutlich durch einen Ausrutscher früh im Endspiel verschlimmert hatte. Hinzu kam offensichtlich auch mentale Erschöpfung, denn Cilic vergoss bittere Tränen und schien mit der Situation nicht zurechtzukommen. Dann ging es aber weiter, und fortan war das Publikum auf dem Centre Court nicht mehr ganz so radikal für Federer, sondern versuchte, Cilic aufzumuntern. Große Geschwister sehen es nicht gerne, wenn sowas klappt, faire Sportfreunde nahmen es mit Wohlwollen auf.

Marin Cilic wird behandelt
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Marin Cilic wird behandelt

Der dritte Satz: Rein statistisch gesehen der knappste von den dreien, aber man hatte nie das Gefühl, dass Cilic ins Spiel zurückkommen könnte. Immerhin konnte der Kroate durchspielen und so vermeiden, der erste Finalist in Wimbledon seit über 100 Jahren zu werden, der in einem Endspiel aufgibt.

Bis auch der Zweite weint: Nachdem er das gesamte Match über cool aufgetreten war wie ein Tiefkühlfahrer am Nordkap, übermannten nach dem Ende auch den Rekordchampion die Tränen. Da musste auch Cilic fast wieder anfangen zu heulen - aber wahrscheinlich nicht aus Rührung und Empathie, sondern aus Frust über das eigene Finale.

Was Federers Triumph bedeutet:

  • Für Federer war es der achte Sieg in Wimbledon, das ist einsamer Rekord.
  • Federer ist auch der älteste Wimbledon-Champion der Geschichte.
  • Insgesamt war es sein 19. Grand Slam-Titel, diese Bestmarke hielt er ohnehin schon.
  • Erst einmal in der Wimbledon-Historie kam ein Champion durchs Turnier, ohne einen einzigen Satz abzugeben, das war Björn Borg. Obwohl: Rafael Nadal hatte erst vor wenigen Wochen auf dem Sand von Roland Garros das geschafft, was Federer jetzt auf Rasen wiederholte - ohne Satzverlust ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen. Man darf sich jetzt schon darauf freuen, dass die beiden alten Rivalen sich demnächst auf neutralem Hartplatz begegnen könnten.


insgesamt 7 Beiträge
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froschi1411@msn.com 16.07.2017
1. Roger Federer
Vermutlich der technisch beste und eleganteste Spieler aller Zeiten.
Nordbayer 16.07.2017
2. Roger Federer ist für mich ...
... einer der größten Sportler aller Zeiten, ein Ausnahmespieler, dessen Antriebsfeder nie Geld oder Ruhm waren sondern die Perfektion und der Spass am Spiel. Genau das ist der Unterschied zu manchem hochgejubelten Möchtegroß, der mit Millionen auf dem Konto noch in jungen Jahren nie die Erwartungen seiner Sportart erfüllen kann und auch nie mehr wird. Federer und bei den Damen die Williams-Schwestern sind aber meiner Ansicht nach ein Armutszeugnis für die Sportart Tennis: Wie kann es sein, dass Akteure in diesem "Alter" noch die Scene nach belieben beherrschen? Eigentlich völlig unglaublich, wo ist denn der Nachwuchs? Sind die jungen Akteure finanziell schon so satt, dass sich Anstrengung bzw. Training nicht weiter auszahlen?
hansriedl 16.07.2017
3. Federer ist der Beweis
das man keine Angst vor den Alter haben muss.
caronaborealis 16.07.2017
4. Chapeau Roger
Was für Adjektive kann man da noch bemühen. Er ist nicht von dieser Welt. Einfach unglaublich, was der Mann zu leisten vermag. Diese Eleganz und die Leichtigkeit mit der er spielt sind einfach beeindruckend. Dabei hat er trotzt des Ruhms nie den Boden unter den Füssen verloren, ist bescheiden geblieben. Das beeindruckt.
Gerdd 16.07.2017
5. @2
Das ist ja nicht nur im Tennis so, daß wir die höhere Lebenserwartung oft mit längeren Produktivitätszyklen ausfüllen können.
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