Hamburg - Wenn am Montag das traditionsreichste Tennisturnier beginnt, dürften die deutschen Herren mit reichlich Selbstbewusstsein starten. Zu Recht: Beim Rasenturnier in Halle hatte Philipp Kohlschreiber den Spanier Rafael Nadal im Viertelfinale bezwungen. Thomas Haas schlug den Schweizer Roger Federer im Finale und verbesserte sich durch den Turniersieg auf Rang 49 der Weltrangliste.
Auch Philipp Petzschner zeigte seine gute Rasenform. Der Wimbledon-Sieger im Doppel von 2010 musste sich im niederländischen 's-Hertogenbosch erst im Endspiel dem topgesetzten David Ferrer 3:6, 4:6 geschlagen geben. Doch ein Deutscher wird gleich nach dem ersten Match aus Wimbledon abreisen müssen: Haas und Kohlschreiber treffen bereits in der ersten Runde aufeinander. "Das ist unglücklich. Ich hatte mir erhofft, dass Deutschlands beste Rasen-Spieler der letzten Wochen hier beide weit kommen können", sagte Davis-Cup-Teamchef Patrik Kühnen.
Schon beim Turnier in Halle waren Haas und Kohlschreiber im Halbfinale gegeneinander angetreten. Dort lieferten sich die beiden ein enges Spiel, das mit einem 7:6 (7:5), 7:5-Erfolg für Haas endete. Kohlschreiber ist in Wimbledon an Nummer 27 gesetzt. Am Freitag war er allerdings bei einem Vorbereitungsturnier in Eastbourne umgeknickt und musste aufgeben. Für Wimbledon sei er aber fit, sagte sein Manager Stephan Fehske: "Sein Fuß ist nur gestaucht."
Diskussion um Olympia
Weiteres Konfliktpotential für das Auftaktduell liefert die Nominierung für die Olympischen Sommerspiele: Kohlschreiber ist als einziger Deutscher vom Olympischen Sportbund (DOSB) für London aufgestellt worden - zum Unmut von Haas. "Es ist traurig, dass der DOSB es nicht versucht hat, sich mehr für deutsche Spieler einzusetzen", kritisierte der Silbermedaillengewinner der Olympischen Sommerspiele 2000 in der Tageszeitung "Sonntag Aktuell".
In Wimbledon zählen die drei Deutschen allerdings nicht zum Favoritenkreis, den der Schweizer Roger Federer, der Spanier Rafael Nadal und der Serbe Novak Djokovic bilden. Nadal hatte die Sandplatz-Saison nach Belieben dominiert und sie schließlich durch seinen siebten Triumph bei den French Open gekrönt. Im Finale konnte er Djokovic bezwingen. Doch mit dem Vorjahressieger ist in Wimbledon wieder zu rechnen. Zumal Djokovic Nadal im vergangen Jahr im Finale schlagen konnte.
Kerber gilt als Geheimfavoritin
Deutlich größere Erfolgschancen als die deutschen Herren haben beim englischen Rasenturnier die DTB-Damen. Die Hoffnungen ruhen vor allem auf Angelique Kerber. Die 24-Jährige hatte sich bei ihrer Wimbledon-Generalprobe in Eastbourne in guter Verfassung präsentiert, erst im Finale scheiterte Kerber an der Österreicherin Tamira Paszek.
In Wimbledon wartet auf die Weltranglistenachte in der ersten Runde allerdings eine schwierige Aufgabe: Kerber bekommt es mit der aufschlagstarken Lucie Hradecka aus Tschechien zu tun. "Hradecka ist als Erstrunden-Los nicht ohne", sagte Bundestrainerin Barbara Rittner.
Vorjahres-Halbfinalistin Sabine Lisicki spielt zum Auftakt gegen die Kroatin Petra Martic. Die Deutsche ist an Nummer 15 gesetzt, befindet sich derzeit aber in einem Formtief. Beim Turnier in Birmingham scheiterte Lisicki an der Polin Urszula Radwanska - es war ihre vierte Auftaktpleite in Serie. "Wenn Sabine wieder zu ihrem Spiel findet, kann sie die ersten Runden gewinnen und tankt wieder Selbstbewusstsein", sagt Rittner.
Top-Favoritin auf den Sieg bei den Damen ist Maria Sharapowa. Die Russin dominierte die French Open und präsentierte sich beim letzten Grand-Slam-Turnier in guter Form. In nur 89 Minuten besiegte sie im Finale die Italienerin Sara Errani 6:3, 6:2 - es war nach Stuttgart und Rom bereits ihr dritter Turniersieg des Jahres.
kah/dpa
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