Hamburg - Jung, deutsch, erfolgreich - da bleiben Vergleiche nicht aus. "Er ist ein Wunderkind. Er ist wie Boris Becker. Schon jetzt größer als alle anderen", sagt zum Beispiel der britische Surf-Experte Matthew Pryor über Philip Köster.
Seine Disziplin heißt Waveriding, nicht zu verwechseln mit dem Wellenreiten ohne Segeln. Mit dem Windsurfbrett geht es darum, Wellen abzureiten und spektakuläre Tricks zu zeigen. Trainiert wird Köster bis heute von seinem Vater. Die Mutter hilft im Management.
Der Deutsche, der seit seiner Geburt auf der Kanareninsel Gran Canaria lebt, gewann mit 15 Jahren seinen ersten Weltcup, mit 17 Jahren wurde er zum ersten Mal Windsurf-Weltmeister. Nun hat er seinen Titel im dänischen Klitmøller verteidigt.
SPIEGEL ONLINE: Herr Köster, Glückwunsch zum zweiten Titel - war der erneute Gesamtsieg in diesem Jahr ein Selbstläufer?
Köster: Absolut nicht. Die Konkurrenz war schon deutlich stärker. Man merkt: Alle haben fleißig geübt.
SPIEGEL ONLINE: Wie im Vorjahr haben Sie auch diesmal beim vorletzten Turnier im dänischen Klitmøller den Gesamtsieg perfekt gemacht. Liegen Ihnen die Bedingungen dort?
Köster: Eigentlich gehört die Nordsee im Herbst nicht unbedingt zu meinen Lieblingsreisezielen, ich hab es gern etwas wärmer. Aber der Wind und die Wellen in Klitmøller ähneln meinem Heimatrevier auf Gran Canaria. Ich war auch in diesem Jahr extra ein paar Tage früher in Dänemark, um mich an die Temperaturen zu gewöhnen. Andere kamen erst kurz vor dem Wettkampf an - und haben hinterher über die Kälte geschimpft.
SPIEGEL ONLINE: Welcher Titel bedeutet Ihnen mehr?
Köster: Natürlich ist es toll, wenn man zweimal in Folge Weltmeister wird - aber das Gefühl meines ersten Sieges ist einfach nicht zu toppen.
SPIEGEL ONLINE: Weltmeister mit 17, Doppelweltmeister mit 18 Jahren - bleiben da noch für sportliche Ziele?
Köster: Natürlich, der dritten Weltmeistertitel in Folge zum Beispiel. Aber auch abseits der WM-Turniere habe ich mir einiges vorgenommen, will viel reisen - und endlich den Triple Loop schaffen, den Dreifachsalto, den bisher noch niemand gestanden hat. Ich habe den Sprung selbst erst sieben- oder achtmal probiert und hätte ihn ein paar Mal fast hinbekommen. Aber da muss eigentlich alles passen: gute Wellen, genug aber nicht zu viel Wind - und nicht zu kaltes Wasser.
SPIEGEL ONLINE: Warum muss es denn warm sein?
Köster: Wenn ich mich im kalten Wasser verletze, wird es schnell gefährlich. In wärmerem Wasser wie auf Gran Canaria kann ich etwas länger liegen bleiben.
SPIEGEL ONLINE: Sie surfen, seit Sie ein kleiner Junge sind, Ihre Eltern hatten eine Surfschule. Haben Sie auch mal genug vom Wasser?
Köster: Nein, nie. Ich bin jeden Tag fünf bis sechs Stunden auf dem Wasser, da fühle ich mich am wohlsten. Mir war auf dem Wasser in all den Jahren noch nie langweilig. Kein einziges Mal. Es gab mal eine Zeit, da lief es für mich in der Schule nicht so toll. Wenn ich dann nach Hause gekommen bin, ging es für mich direkt rauf aufs Brett. Beim Surfen kann ich am besten Dampf ablassen.
Das Interview führte Lukas Rilke
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