Schwergewichts-Boxen Klitschko verliert WM-Titel an Fury

Sensation im Schwergewicht: Wladimir Klitschko hat seine WM-Titel im Schwergewicht an Tyson Fury verloren. Der Ukrainer blieb über zwölf Runden viel zu passiv und unterlag nach Punkten - unter ständiger Begleitung von Furys Psychospielchen.

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"Da ist ein Traum wahr geworden, sechs Monate habe ich mich vorbereitet. Endlich ist das wahr geworden. Ich kann es kaum glauben, dass ich es geschafft habe", sagte der überwältigte Tyson Fury nach seinem Sieg gegen Wladimir Klitschko.

Klitschko verlor damit nach neuneinhalb Jahren die Weltmeistertitel im Schwergewicht der Verbände WBA, IBF und WBO. Der Titelverteidiger blieb über zwölf Runden viel zu passiv und fand kein Mittel, um an den Briten heranzukommen und ihm gefährlich zu werden.

Nach dem Kampf ergänzte Fury seine Reihe kurioser Auftritte noch um eine Live-Performance des Songs "I Don't Want to Miss a Thing" von Aerosmith, den er seiner im Ring anwesenden Frau widmete.

Klitschko gab sich als fairer Verlierer: "Tyson war sehr überlegen, sehr schnell. Ich habe wirklich nicht geglaubt, dass er das schafft. Aber er hat es geschafft", sagte der entthronte Weltmeister. Genau diese Schnelligkeit habe ihm selbst gefehlt. Auch der Größenunterschied habe eine große Rolle gespielt: "Ich konnte ihn nicht erreichen", sagte Klitschko, der bereits kurz nach seiner Niederlage einen Rückkampf ankündigte.

Wie so oft rund um einen Weltmeisterschafts-Kampf hatte es auch diesmal im Vorfeld viele Provokationen und so einige skurrile Auftritte von Klitschkos unorthodoxem Herausforderer Fury gegeben - auch noch am Tag des Kampfes gingen dessen Abstrusitäten weiter.

Erst bemängelte Furys Lager den angeblich zu weichen Ringboden, sprach sogar von einer Absage, unmittelbar vor dem Kampf musste Klitschko seine Handschuhe aufschneiden lassen, nachdem sie schon gewickelt waren, aber niemand aus dem Fury-Team dabei zugesehen hatte, um Betrugsversuche auszuschließen. Nach Angaben von RTL kämpfte der Herausforderer außerdem in einem weiteren Ersatzpaar von Klitschkos Handschuhen, weil ihm seine eigenen angeblich nicht mehr vernünftig passten.

Klitschko bleibt zu passiv

Nach all diesen Psychospielchen, die Fury so liebt, wurde auch geboxt: Die 50.000 Zuschauer in Düsseldorf sahen einen vorsichtigen Beginn beider Akteure. Anders als die meisten anderen Herausforderer Klitschkos lag in puncto Reichweite der Vorteil diesmal nicht beim Ukrainer. Fury (2,06 Meter), bis dahin 24 Siege in 24 Profikämpfen, ließ sich mit seinem Größenvorsprung gegenüber Klitschko (1,98) zunächst kaum aus der Mitte drängen. Er war der körperlich größte Gegner, der Klitschko je im Ring gegenüberstand.

Immer wieder versuchte Fury seinen Gegner zu provozieren, ob mit Gesten, einer herunterhängenden Deckung oder Wortwechseln zwischen den Runden. Zudem wechselte er zeitweise von einer Links- auf eine Rechtsauslage. Klitschko fiel in den ersten drei Runden nichts ein, blieb sehr zaghaft und kam nicht an seinen Kontrahenten heran. Nach den ersten Runden sahen die Experten den etwas aktiveren Fury in Führung.

In der fünften Runde erlitt Klitschko einen leichten Cut, nach einer guten Kombination schaffte Fury einen weiteren Treffer mit seiner Rechten. Auch nach der Hälfte des Kampfes lag der Titelverteidiger nach Punkten wohl hinten. Fury blieb ruhig, bewegte sich gut, streute immer wieder seine Auslagenwechsel ein. Treffer durch Klitschko blieben in der ersten Hälfte fast komplett aus.

Punktabzug für Fury

Es wurde klar, dass Klitschko gegen Fury nur ein K.o. retten konnte, nach Punkten war der Herausforderer überlegen. Weiter wirkte es jedoch so, als würde Klitschko gar nicht in den Kampf hineinfinden. Nur einmal brachte er seine Linke ins Ziel, sie blieb jedoch ohne große Wirkung. Als der Ukrainer in Runde neun stärker und aktiver zu werden schien, landete Fury seinen stärksten Treffer und stoppte die steigende Form Klitschkos dadurch sofort wieder.

Auch in den folgenden Runden versuchte Klitschko mehr, setzte Fury aber nicht ausreichend unter Druck. Der Herausforderer hielt gut dagegen. In Runde elf entstand auch an Klitschkos rechtem Auge ein Cut, Fury musste im späteren Verlauf der Runde jedoch einen Punktabzug wegen Schlagens an den Hinterkopf hinnehmen. In einer wilden letzten Runde drängte Klitschko auf den K.o., schaffte einige starke Treffer, die Fury ins Wanken brachte. Aber er blieb auf den Beinen. Klitschko unterlag einstimmig nach Punkten.

In seinem 68. Profikampf musste Klitschko nach zuletzt 22 Siegen in Folge seine vierte Niederlage hinnehmen. Fury ist neuer Weltmeister der Verbände WBA, IBF und WBO.

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insgesamt 83 Beiträge
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Seite 1
mimija 29.11.2015
1. Das wurde
auch langsam Zeit, dass Klitschko verliert! Nachdem die letzten Kämpfe schon mit Fallobstgegnern bestritten wurden, war der heutige Gegner einfach zu stark! Ich hoffe mal, dass die zukünftige Kämpfe wieder ehrlich entschieden werden! Klitschko hat heute zu recht verloren!
torpedo-of-truth 29.11.2015
2. Endlich
Endlich ist diese Klitschko Show vorbei. Ich verstehe bis heute nicht was die deutschen an denen finden. Hoffe er hängt die Boxhandschuhe jetzt an den Nagel.
Blattmann 29.11.2015
3. Endlich...
...ist diese Klitschko Ära vorbei.
Malte Hedenkamp 29.11.2015
4. Sauber.
Endlich hat mal jemand gezeigt, dass der Klitschko gar nicht boxen kann, sondern sich immer nur auf seinem Reichweitenvorteil ausgeruht hat. Vorteil weg. Verloren. Schön.
wasnulos 29.11.2015
5. Psychospielchen?
Das war "rumhampeln" aber keine Psychospielchen. Dies passt eher in den Kindergarten. Ich hoffe im Rückkampf bekommt dieser "Glaubenskämpfer" ein paar Beulen und ein erneuter WM Klitschko tritt danach in den wohlverdienten Ruhestand. Liebe Grüße und Kopf hoch wasnu
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