Russlands Präsident Putin: Der Retter der Ringer

Aus St. Petersburg berichtet Jens Weinreich

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Russlands Präsident Putin: Mächtiger Mann im Weltsport

Das olympische Ringen hat noch eine Überlebenschance - vor allem dank ihm: Wladimir Putin. Der russische Präsident ist mittlerweile einer der mächtigsten Männer im Weltsport. Sein Einfluss ist größer als der von IOC-Boss Jaques Rogge, der mit seinen Reformen erneut zu scheitern droht.

Einige hundert Sicherheitskräfte riegelten die Messehallen in St. Petersburg ab, als der Star und heimliche Herrscher der olympischen Bewegung einmarschierte. Ihre Vorsicht galt nicht etwa dem Belgier Jacques Rogge, dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Rogge war einmal mehr nur der Begleiter jenes Mannes, der den Weltsport zunehmend dominiert, der Großveranstaltungen wie die Olympischen Winterspiele, die Fußball-WM, die Formel 1 und etliche Weltmeisterschaften akquiriert: Wladimir Putin, Präsident des russischen Reiches und Meister-Judoka.

Nun hat Putin auch noch das olympische Ringen gerettet. Zumindest vorerst.

Das IOC-Exekutivkomitee hatte Ringen im Februar zunächst aus dem Programm für die Sommerspiele 2020 gestrichen. Der Weltverband Fila und sein damaliger Präsident Raphael Martinetti hatten ihre Hausaufgaben nicht gemacht, waren schlecht organisiert und hielten nichts von olympischen Netzwerken. Die aktuelle Studie der IOC-Programmkommission, die sämtliche Sportarten der Sommerspiele 2012 unter 39 Gesichtspunkten analysiert und auf deren Grundlage das Exekutivkomitee entschieden haben will, hält das IOC allerdings noch immer geheim.

Putin koordinierte Rettungsmaßnahmen

Beim jährlichen Gipfel der 107 Sport-Weltverbände, des Sport-Business und des IOC-Exekutivkomitees in St. Petersburg durften sich die Ringer nun präsentieren, um gegen sieben andere Sportarten um einen Platz auf der Shortlist für die IOC-Sitzung im September in Buenos Aires zu kämpfen. Und die Maßnahmen der Ringer waren erfolgreich: Acht von vierzehn IOC-Exekutivlern - Rogge stimmte nicht ab - setzten Ringen schon im ersten Wahlgang auf die Liste. Außerdem dürfen sich bis September auch Squash sowie Softball und Baseball Olympiahoffnungen für 2020 machen. Karate, Klettern, Wakeboarding, Wushu und Rollschuhsport flogen raus und müssen es in vier Jahren wieder versuchen.

Dass Ringen eine weitere Chance erhält, ist einer bemerkenswerten Rettungsaktion zu verdanken. Mehr als vier Millionen Dollar investierten die Fila und private Sponsoren. Bei der Verbandsrevolution war allerdings Putin die wohl wichtigste Person. Er traf sich, wie zuvor zu anderen Anlässen in anderen Verbänden, in seiner Residenzstadt Sotschi mit den neuen Fila-Bossen und koordinierte einige Maßnahmen. Über den russischen Verbandschef Michail Mamiaschwili dirigiert Putin den neuen serbischen Fila-Präsidenten Nenad Lalovic, den Eingeweihte als Strohmann bezeichnen.

Das olympische Programm bei Sommerspielen gerecht und modern zu bestimmen, ist eine kaum lösbare Aufgabe. Die Diskussion darüber ist so alt wie die Spiele selbst. Schon zu Coubertins Zeiten wurde erbittert gestritten. Derzeit gibt es 25 sogenannte Kernsportarten. Dazu kommen ab 2016 Golf und das 7er Rugby. Die IOC-Vollversammlung kann alle vier Jahre Sportarten ergänzen und könnte im Herbst Ringen oder Squash oder Softball (für Frauen) und Baseball (für Männer) wählen. Oder es bei 27 Sportarten belassen.

Verbände schließen sich zum Überleben zusammen

Den Mechanismus begreifen nicht einmal alle IOC-Mitglieder. Transparenz und eine öffentliche Debatte täten gut, aber beides lässt das IOC unter Jacques Rogge weiter vermissen. Über den Umweg der Olympischen Jugendspiele, seines umstrittenen Lieblingsprojekts, will Rogge die Verbände auch zum Experimentieren mit Disziplinen und Regeländerungen bringen. Bisher hat das aber kaum gefruchtet.

Reformversuche hat Rogge seit seinem Amtsantritt 2001 tatsächlich unternommen. Mehrfach ist er aber am kollektiven Widerstand des Establishments gescheitert. Denn die Verbände haben schnell begriffen, dass sie nur zusammenhalten müssen, um weiter vom olympischen Vermarktungsprogramm zu profitieren und zu überleben.

So sind die Weltverbände im Baseball und Softball nun sogar zur neuen World Baseball Softball Confederation (WBSC) fusioniert. Sie haben viel Geld in Lobbyisten und PR-Agenten investiert, müssen nun aber fürchten, doch Opfer der politischen Machtverhältnisse zu werden. Denn was Putin & Co. derzeit mit dem Ringen vormachen, hat es so noch nicht gegeben.

Denn wer glaubt, die Unterschriftenlisten und vielen Proteste verdienter Ringer, die ihre Medaillen zurückgeben wollen, oder die von der Fila durchgepeitschten Regeländerungen hätten die IOC-Führung allein zum Umdenken bewogen, betrachtet die Mechanismen im Milliardenkonzern IOC zu naiv. Wladimir Putin könnte darüber gewiss viel erzählen.

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insgesamt 20 Beiträge
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1. Danke Putin!
donle2 30.05.2013
vielen Dank! Wenn Leute wie Jacques Rogge denken, dass Sportarten wie Turntaubenschießen und Synchronschwimmen wichtiger für Olympia sind als Ringen, dann bin ich froh das sich jemand wie Putin für die gute Sache einsetzt.
2. Dut das wir Putin haben,
nitram1 30.05.2013
der Letzte auf dieser Erde, der sich für die Menschen einsetzt und sich dem Feldzug der Bilderberger entgegenstellt!
3. 7er Rugby?
meischer_eder 30.05.2013
Nie gehört. Was soll das sein? Kleinfeld-Rugby?
4. Griechen
taddeusz 30.05.2013
war nicht schon in Griechenland, wo die olympischen Spiele ja herkommen das Ringen populär? Als Asterix und Obelix an den Spielen waren, war es doch so.
5.
donle2 30.05.2013
Zitat von taddeuszwar nicht schon in Griechenland, wo die olympischen Spiele ja herkommen das Ringen populär? Als Asterix und Obelix an den Spielen waren, war es doch so.
Ja. Ringen ist wahrscheinlich zusammen mit der Leichtathletik die älteste Sportart der Welt. Natürlich hindert, dass die IOC nicht daran diese Sportart mit Rollschuhsport und Wushu auf eine Stufe zu stellen.
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