Sexismus zur Fußball-WM "Abseits für Mädels"

Zur Fußball-WM überbieten Sexisten einander mit frauenfeindlichen Dummheiten. Journalisten halten an der Wolga Ausschau nach "schönen Olgas", Konzerne fordern Frauen auf, doch bitte für den Gatten zu backen. Eine Auswahl zum Kopfschütteln.


Vielen Menschen gilt Fußball auch im Jahr 2018 noch als ein Lebensbereich, aus dem sich Frauen doch bitte raushalten sollten. Und eine Fußball-WM ist offenbar ein willkommener Anlass, Sexismus ungehemmt auszubreiten.

Telekom Sport postet ein Bingo-Spiel auf Facebook, überschrieben mit "Wenn du mit deiner Freundin Deutschland - Mexiko schaust…!", daneben ein Zwinker-Smiley.

Ähnlich wie beim Bullshit-Bingo soll der Mann wohl abstreichen, wenn beispielsweise der Satz kommt "Auf welches Tor müssen wir schießen?", oder "Wann spielen wir gegen Italien?". Weitere "Frauen-Kommentare" lauten "Der hat ja coole Schuhe" und "Boateng hat ja 'ne neue Frisur". Und selbstverständlich darf der Klassiker nicht fehlen: "Was war Abseits noch mal?".

Auch beim Bayerischen Rundfunk muss die Regel in einem Facebook-Beitrag noch mal erklärt werden: Dort fand sich ein Post überschrieben mit "Erklärung 'Abseits' für Mädels". In der Grafik eines Fußballfeldes fand sich der Satz "An der Kasse im Schuhgeschäft: Eine Frau wirft ihrer Freundin, die bereits vorne steht, ein Paar Schuhe zum Bezahlen zu." Der Post vom 13. Juni wurde inzwischen gelöscht. Der Bayerische Rundfunk hat sich dafür per Twitter entschuldigt.

Ärger hat sich auch der Konzern Dr. Oetker in der Schweiz eingehandelt mit der WM-Werbekampagne "Back deinen Mann glücklich - auch wenn er eine zweite Liebe hat". Zu sehen ist eine Frau, die einen Kuchen in Form eines Fußballs in den Händen hält.

Kritik an seinem Frauenbild, das offensichtlich aus den Fünfzigerjahren stammt, lässt der Lebensmittelkonzern an sich abprallen: Die Bebilderung sei ironisch gemeint, rechtfertigte sich das Unternehmen gegenüber der Schweizer Zeitung "20 Minuten". Das Motiv sei von einem Team ausschließlich aus modernen Frauen und teilweise auch Teilzeit arbeitenden Müttern entwickelt worden, heißt es.

Der Sportchef der Schweizer Tageszeitung "Südostschweiz", René Weber, bekam in seiner Zeitung Platz für eine Kolumne zum Thema WM, die mit der Überschrift "Wo sind die schönen Olgas von der Wolga?" überschrieben war.

Weber zeigte sich enttäuscht, dass seine hohen Erwartungen in Bezug auf die Schönheit russischer Frauen ("gelten als das Maß aller Dinge") nicht erfüllt wurden. Die Chancen auf Punkte gegen die Vorrundengegner erschienen ihm nun größer "als ein russischer Schönheits-Volltreffer." Online veröffentlichte die Zeitung einen Leserbrief mit harscher Kritik.

Die Liste lässt sich fortführen: Der argentinische Fußballverband AFA hatte vor der WM ein Handbuch für Journalisten über russische Sprache und Kultur ausgegeben. Dort wurden unter anderem Tipps gegeben, wie Männer ihre Chance bei russischen Frauen erhöhen: "Wenn Du sauber bist, gut riechst und gut angezogen bist".

"Weil russische Frauen schön sind", heißt es weiter, "wollen viele Männer mit ihnen ins Bett. Vielleicht wollen sie das auch, aber sie sind Menschen und wollen das Gefühl haben, dass sie wichtig und einzigartig sind." Die AFA hat nach heftiger Kritik die restlichen Exemplare noch vor der WM eingezogen und untersucht den Vorfall.

Das ZDF musste einmal mehr seine WM-Kommentatorin Claudia Neumann in Schutz nehmen, über die sich bei ihren Einsätzen regelmäßig eine Flut von Hasskommentaren ergießt.

Ein positives Beispiel für Lerneffekte im Fußball bietet der Zweitligaverein FC St. Pauli. Nach einer frauenfeindlichen Bandenwerbung mit der Aufschrift "Nix für Pussys" im Stadion hat der Verein reagiert und Werbung verboten, die Menschen als sexuelle Gebrauchsgegenstände darstellt, die Menschen aufgrund ihres Geschlechts bestimmten Rollen zuordnet und die ein geschlechtsbezogenes Über- und Unterordnungsverhältnis darstellt. Nachzulesen unter diesem Link.

brt

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