Baseball: Der letzte Kampf der Kakerlaken

Mehrfach standen die San Francisco Giants vor dem Aus, trotzdem kämpfte sich das Team in die World Series. Im Finale der MLB geht es gegen Detroit. Die Tigers drängen auf den ersten Titel seit knapp 30 Jahren - auch um ihrer Stadt neue Hoffnung zu geben.

Giants-Profi Arias: In der World Series gegen die Detroit Tigers Zur Großansicht
AFP

Giants-Profi Arias: In der World Series gegen die Detroit Tigers

Hamburg - "Super", "großartig", "herausragend": Die Auswahl an möglichen Begeisterungs-Bekundungen ist groß - bietet aber auch noch ganz andere Facetten. Zumindest wenn es nach Brian Sabean geht. Nach dem Einzug in die World Series lobte der Manager der San Francisco Giants sein Team: "Unsere Spieler sind wie Kakerlaken, die gehen einfach nicht ein", sagte Sabean in Anlehnung an die Comeback-Fähigkeiten seines Teams.

Der Meister von 2010 hat erneut die Finalspiele der nordamerikanischen Baseball-Profiliga MLB erreicht, obwohl es lange nicht danach ausgesehen hatte. Im Viertelfinale drehten die Giants gegen die Cincinnati Reds einen 0:2-Serienrückstand durch drei Auswärtssiege noch in einen 3:2-Triumph. In der nächsten Runde gegen St. Louis lag das Team nach vier Spielen 1:3 hinten, ehe drei Siege folgten und der Einzug in die World Series gegen die Detroit Tigers gelang.

"Die Jungs waren unnachgiebig, wollten einfach nicht, dass die Saison jetzt schon endet", sagte Giants-Coach Bruce Bochy nach dem entscheidenden 9:0-Heimsieg gegen Meister St. Louis. "Ich bin immer noch wie benommen von dem, was hier passiert ist." Doch Bochy und seiner Mannschaft blieb nicht viel Zeit für Rauschgefühle. In der Nacht auf Dienstag erreichten die Giants das Finale, schon am Mittwochabend steht die erste Partie an.

Die Tigers hingegen hatten deutlich mehr Zeit zur Vorbereitung. Bereits am Donnerstag zogen sie mit einem 4:0-Sieg gegen Rekordmeister New York Yankees ins Endspiel ein. Nach Ansicht von Jim Leyland nicht unbedingt ein Vorteil: "Erst hast du einen emotionalen Sieg wie wir gegen die Yankees mit jeder Menge Adrenalin, und dann sitzt du fünf, sechs Tage rum - das ist ziemlich hart", sagte der Tigers-Trainer.

Als Detroit letztmals Meister wurde, boomte die Stadt noch

Der Club will erstmals seit 1984 wieder Meister werden - und damit den Bürgern ihrer Stadt ein wenig Stolz und Selbstbewusstsein zurückgeben. Beim letzten Titel vor 28 Jahren galt Detroit noch als boomendes Aushängeschild der Autoindustrie. Die "Big Three", Ford, Chrysler und General Motors, machten die Metropole im US-Bundesstaat Michigan weltweit bekannt.

Als jedoch vor wenigen Jahren die Weltwirtschaft einbrach, wurde kaum eine US-Region so hart getroffen wie Detroit. Die Autoindustrie konnte erst durch eine Milliarden Dollar schwere Unterstützung der US-Regierung überleben. Dennoch lag die Arbeitslosenquote in Detroit im August mit 10,7 Prozent immer noch um 2,6 Prozent höher als der US-Durchschnitt. Mehr als 200.000 Einwohner sind ohne Job.

"Das sind hart arbeitende Leute hier. Die reißen sich in den Autofirmen täglich den Hintern auf", sagte Pitcher Phil Coke: "Es ist schwer, wenn du fast nichts hast, worauf du dich am Ende des Tages freuen kannst. Ich hoffe, wir geben ihnen derzeit ein wenig zurück." Für Centerfielder Austin Jackson sind die World Series "genau das, was Detroit braucht". Sollte es mit dem Titel klappen, wird trotz leerer Kassen gefeiert. Die Stadt steuert zwar einem Minus von 265 Millionen Dollar im aktuellen Jahreshaushalt entgegen, dennoch sei eine Parade aufgrund von Spendengeldern sowie der Unterstützung von Firmen gesichert, hieß es aus dem Rathaus. Jetzt muss die Mannschaft nur noch die Kakerlaken besiegen.

leh/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS
alles zum Thema US-Sports
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren
MLB-Meister seit 2000
Jahr Meister (Endergebnis)
2014 San Francisco Giants (4:3 vs. Kansas City)
2013 Boston Red Sox (4:2 vs. St. Louis)
2012 San Francisco Giants (4:0 vs. Detroit)
2011 St. Louis Cardinals (4:3 vs. Texas)
2010 San Francisco Giants (4:1 vs. Texas)
2009 New York Yankees (4:2 vs. Philadelphia)
2008 Philadelphia Phillies (4:1 vs. Tampa Bay)
2007 Boston Red Sox (4:0 vs. Colorado)
2006 St. Louis Cardinals (4:1 vs. Detroit)
2005 Chicago White Sox (4:0 vs. Houston)
2004 Boston Red Sox (4:0 vs. St. Louis)
2003 Florida Marlins (4:2 vs. N.Y. Yankees)
2002 Anaheim Angels (4:3 vs. San Francisco)
2001 Arizona Diamondb. (4:3 vs. N.Y. Yankees)
2000 New York Yankees (4:1 vs. N.Y. Mets)

Baseball-Glossar
  • AP
    Spieldauer (Innings):
    Baseball wird über neun sogenannte Innings gespielt. Pro Inning hat jede Mannschaft einmal Angriffsrecht. Zunächst das Auswärtsteam (Top), dann die Gastgeber (Bottom).

  • Spielfeld:
    Das Baseball-Feld hat die Form eines halben Quadrats, deren äußere Ecken mit einem Viertelkreis verbunden sind. Der Bereich außerhalb des Spielfeldes nennt sich Foul Territory. Das Spielfeld besteht aus zwei Teilen: dem Infield und dem Outfield. Im Infield befinden sich die Home Plate, die drei Bases sowie der Pitching Hügel in der Mitte. Aufgrund dieser Rautenform wird das Infield häufig auch Diamond genannt.
  • Mannschaften:
    Pro Team treten neun Spieler an, Wechsel sind erlaubt. Im Angriff sind alle Batter, also Schlagmänner. In der Defensive gibt es dagegen neun verschiedene Positionen. Den Pitcher (Werfer), den Catcher sowie First, Second und Third Baseman und den Shortstop. Diese sechs Spieler stehen im Infield. Dazu gibt es drei Outfielder: Left, Center und Right Fielder.
  • Spielprinzip:
    Zentraler Bestandteil ist das Duell des Pitchers gegen den Batter. Der Schlagmann hat drei Versuche, den geworfenen Ball des Pitchers ins Spiel zu bringen. Pro Fehlversuch bekommt er einen Strike. Scheitert er, bekommt sein Team ein Out. Pro Inning darf sich eine Mannschaft drei Outs erlauben, danach endet das Angriffsrecht.
    Der Pitcher, der rund 18 Meter vom Batter entfernt steht, muss jedoch innerhalb eines imaginären Rechtecks (Strike Zone) werfen, damit der Versuch zählt. Gelingt ihm das nicht, so ist dies ein Ball. Bei vier Balls darf der Batter auf die erste Base vorrücken und wird so zum Läufer (Runner).
Trifft der Schlagmann den Ball, kann er dennoch ausscheiden. Nämlich dann, wenn ein Gegenspieler den Ball fängt, bevor dieser den Boden berührt. Gelingt dem Batter ein guter Schlag, versucht er - nun als Runner - auf eine der drei Bases zu kommen. Daher gibt es Single, Double und Triple - je nachdem wie weit er gekommen ist. Seine Mitspieler, die gegebenenfalls schon auf einer Base stehen, versuchen ebenfalls, möglichst weit zu kommen. Im Idealfall zurück zur Home Plate. Pro einem solchen Run gibt es einen Punkt.
Gelingt dem Batter ein Schlag über die Begrenzungsmauer des Outfields, so ist dies ein Homerun. Dann dürfen alle Spieler, die auf einer Base standen sowie der Batter und zur Homeplate zurückkehren. Der Königsschlag im Baseball ist der Grand Slam, der vier Punkte bringt. Dafür ist ein Homerun nötig, wenn alle Bases besetzt sind.