WSOP Main Event: Post vom Poker-Opa

High Noon in Vegas: In einer Woche startet der Finaltisch des WSOP Main Events - neun Spieler kämpfen dann um den wichtigsten Titel und das höchste Preisgeld in der Pokerwelt. Lasse König wollte kurz zuvor noch ein paar Fragen an die Glücklichen loswerden - und wagte ein Facebook-Experiment.

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Noch lachen sie: Die neun Finaltisch-Teilnehmer des WSOP Main Events

Sein Nachname könnte ein Problem sein, dachte ich. Nguyen. Nguyen ist der Müller Asiens und Asien ist deutlich größer als Deutschland. Kann man so jemanden bei Facebook finden, wo doch halb Asien bei Facebook ist?

Soi Nguyen ist außerdem fast 40, und auch das könnte ein Problem sein, fürchtete ich. 40-Jährige im Poker sind so etwas wie 60-Jährige Väter im richtigen Leben, die ihren 4-jährigen Sohn aus der Kita abholen und dann von der Erzieherin immer das gleiche hören: Na, hat der Opa endlich Zeit für den Enkel? Und würde der Poker-Opa überhaupt Internet haben?

Soi Nguyen ist zudem schüchtern. Als er an Tag sieben vor der Kamera des übertragenden Sportsenders ESPN saß und zu seinem Auftritt beim Main Event der WSOP befragt würde, hing er in seinem Sessel wie ein Schluck Wasser und lächelte verlegen. Aber er war erfrischend ehrlich und erklärte, er habe von Poker eigentlich keine Ahnung. Klar schien aber: Interviews mag der Mann nicht.

Es schien keine gute Idee zu sein, ihn bei Facebook zu suchen und ihm wie den anderen acht Pokerspielern sieben Fragen zu schicken und um eine kurze Antwort zu bitten. Zumal eine seine Sonnenbrille betraf und eine andere Geld. Ältere Menschen reden nicht gern über Geld und schon gar nicht über den Preis ihrer Sonnenbrille. Oder?

Er antwortete als erster.

Stunden früher als Jonathan Duhamel, der Chipleader der November Nine, die ab dem 6. November um die Krone der Pokerwelt spielen - den Titel "Main Event Champion 2010". Pokerweltmeister. Duhamel ist 24, cool, lässig und mit einem an Arroganz grenzenden Selbstbewusstsein ausgestattet. Ein kompromissloser Pokerspieler, mutig, risikofreudig. Vor den ESPN-Kameras sprach er über seine Leidenschaft Fallschirmspringen. Immerhin: auch Duhamel überraschte mich. Bei Nguyen fürchtete ich, dieser könne vielleicht nicht antworten. Beim Kanadier war ich sicher, er würde nicht wollen.

300 Freunde statt der üblichen 3000

Nguyen war auch schneller als Jason Senti. Der ist 29 und so was wie der Knuddelbär der November Nine. Ein Sympath und im Juli von Tag fünf des Main Events an bemitleidenswert, weil er sich mit einer Erkältung durch die stressigsten Stunden seines Pokerlebens quälte. Würde er sich schon wieder erholt haben? Sein Facebookprofil vermittelt das Bild eines öffentlichkeitsscheuen Menschen. 300 Freunde statt der üblichen 3000 bei den Stars der Branche. Viele Inhalte gesperrt. Sympathisch, aber so einer gibt keine Interviews. Oder? Doch. "Ich finde es toll, dass es so kurze Fragen sind", schreibt er zurück. Und nimmt sich Zeit, sie zu beantworten.

Es war ein Experiment. Ich wollte innerhalb kürzester Zeit ein paar persönliche Worte der neun derzeit wichtigsten Pokerspieler sammeln. Neun Spieler, die von Interview zu Interview hetzen, von Kontinent zu Kontinent. Jeder von ihnen in einem Tunnel, die meisten mit der Vorbereitung auf die acht Gegner beschäftigt. Drei haben geantwortet, was nicht viel erscheint aber doch angesichts der Voraussetzungen viel mehr ist als erwartet.

  • Für eine Vorstellung der neun Finaltisch-Teilnehmer hier klicken.

Lesen Sie nächste Woche: Das große Main-Event-Orakel - wer gewinnt und warum.

Kurz gestört - die Facebook-Interviews

Am 6. November startet der Final Table des Main Events (für die Laien: der Finaltisch des größten, wichtigsten, prestigreichsten usw. Pokerturniers der Welt). Es gibt viele Fragen, die man sich über die neun Spieler stellt, die es an diesen Tisch geschafft haben. Lasse König fand, dass man sie auch mal stellen muss. Also fragte er nach bei den Facebook-Accounts der "November Nine".

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