Zehnkampfstar Schenk gibt Doping zu - und berichtet von Depressionen

Er war einer der erfolgreichsten Zehnkämpfer: Christian Schenk hat eingeräumt, seine Leistungen auch mit Doping erzielt zu haben. Zudem litt er unter schweren psychischen Störungen, er hielt sich sogar für einen Attentäter.

Christian Schenk, 1988 bei den Olympischen Spielen in Seoul
DPA

Christian Schenk, 1988 bei den Olympischen Spielen in Seoul


30 Jahre nach seinem Zehnkampf-Olympiasieg für die DDR hat Christian Schenk Doping zugegeben und auch über spätere gravierende psychische Probleme gesprochen. "Die Depressionen waren so tief gewesen, dass ich sogar daran gedacht hatte, meinem Leben ein Ende zu setzen", sagte der 53-Jährige der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

In seiner am kommenden Montag erscheinenden Autobiografie "Riss - mein Leben zwischen Hymne und Hölle" beschreibt Schenk Folgen seiner seit 2009 bestehenden Krankheit. "Ich hielt mich für Anis Amri, den Attentäter vom Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz. Das war für mich der Horror", gibt Schenk zu. "Ich habe mich vollständig mit ihm identifiziert. Ich glaubte, ich hätte den Lastwagen in den Weihnachtsmarkt gesteuert und all diese Menschen getötet."

Mit 20 Jahren sei er zum ersten Mal gedopt worden. "Für mich war das wie das Erreichen der nächsten Stufe, fast eine Würdigung", sagte Schenk. "Die Pillen zu bekommen, das bedeutete, dass ich in den Kader aufgenommen war, von dem besondere Leistungen erwartet wurden."

"Wir nannten sie Smarties"

Auch in der "Sport Bild" gibt Schenk Doping zu. "Anfangs bestritt ich, jemals verbotene Mittel eingenommen zu haben. Dann legte ich mir die juristisch etwas weichere Antwort zurecht, ich hätte nie wissentlich gedopt. Beides war gelogen", sagte der WM-Dritte von 1991, der nach der Wende vom SC Empor Rostock zum USC Mainz gewechselt war.

Christian Schenk
DPA

Christian Schenk

Im Höhentrainingslager in Belmeken/Bulgarien habe er erlebt, "dass zu den Mahlzeiten auf den Tellern der Athleten die verschiedensten Pillen ausgeschüttet wurden", schrieb Schenk in der Autobiografie. "Wir nannten sie Smarties. Was genau wir da schluckten, weiß ich nicht."

Schenk sprach auch über "eine spezielle Behandlung" der Sportärzte von Empor Rostock: Dabei sei ihm Blut abgenommen worden "und nach UV-Bestrahlung und Beigabe eines Vitamincocktails wieder injiziert. Angeblich um Infektionen vorzubeugen", schreibt Schenk. "Demnach sollte das bestrahlte Blut im Körper wie ein Code wirken, der dazu führte, dass etwaig vorhandenen Krankheitserregern der Garaus gemacht wurde. So ungefähr erklärte der Arzt mir das."

aha/sid/dpa



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