Zeitungsbericht Mehrere Proben von Tour-Sieger Landis positiv

Die Schlinge um Toursieger Floyd Landis zieht sich weiter zu. Nach einem Bericht einer französischen Zeitung enthielten mehrere nachträglich geöffnete B-Proben des Amerikaners Spuren von synthetischem Testosteron. UCI-Chef Pat McQuaid forderte derweil weitere DNA-Tests im Fall Fuentes.


Hamburg - Das meldet die Sportzeitschrift "L'Equipe" auf ihrer Webseite. Demnach sei in sieben der nachträglich getesteten B-Proben von Landis bei der Tour de France 2006 künstliches Testosteron gefunden worden. Bei der Tour waren in zwei Proben des 31-Jährigen erhöhte Testosteron-Werte festgestellt worden. Die Ergebnisse seien darauf zurückzuführen, dass die Fahnder nun mit ausgefeilteren Methoden zu Werke gingen.

Verdächtiger Landis: Spuren von synthetischem Testosteron
AP

Verdächtiger Landis: Spuren von synthetischem Testosteron

Die Untersuchung im französischen Anti-Doping-Labor Chatenay-Malabry hatte die amerikanische Anti-Doping-Agentur Usada in Auftrag gegeben. Landis wollte die Tests mit juristischen Mitteln verhindern, ein Schiedsgericht erlaubte die Durchführung jedoch. Bei den Tests waren zwei Experten der Usada und zwei Vertraute von Landis anwesend.

"Wie kann von mir erwartet werden, dass ich meine Unschuld beweise, während die Usada ihre eigenen Regeln jedes Mal bricht? Ich bin wütend über das Verhalten der Usada und der französischen Anti-Doping-Agentur LNNDD. Sie haben diesen Prozess in eine juristische Farce gewandelt", erklärte Landis auf seiner Internetseite. LNDD-Präsident Pierre Bordry dementierte allerdings am Montagabend, dass die Resultate schon bekannt seien.

Landis, ehemaliger Fahrer des Teams Phonak, bestreitet nach wie vor alle Dopingvorwürfe. Ungeachtet dessen bereitet der amerikanische Radsport-Verband ein Verfahren gegen ihn vor. Eine Anhörung von Landis bei der Usada ist für den 14. Mai geplant. Sollte er überführt werden, droht ihm eine zweijährige Sperre und die Aberkennung des Tour-Sieges.

UCI-Chef will Fall Fuentes nicht abschließen

Pat McQuaid, Präsident des Internationalen Radsport-Verbandes UCI, hat derweil die spanischen Behörden um weitere Unterstützung in der Puerto-Doping-Affäre gebeten. In einem Brief an den spanischen Sportstaatssekretär Jaime Lissavetzky Diez appelliert er, alle Anstrengungen zu unternehmen, damit die Doping-Affäre um den spanischen Mediziner Eufemiano Fuentes voll aufgeklärt werden kann. Die Spanier sollen DNA-Tests ermöglichen, mit denen die bei Fuentes gefundenen Blutbeutel Sportlern zugeordnet werden können.

Im Fall Jan Ullrich hatte die ermittelnde Bonner Staatsanwaltschaft im Rahmen von Betrugsermittlungen gegen den deutschen Tour-Sieger nachgewiesen, dass die bei Fuentes gefundenen Blutkonserven mit dem Blut von Ullrich übereinstimmen. Der Deutsche hatte immer eine Verbindung zu Fuentes bestritten.

"Wir bauen auf eine Unterstützung von Ihnen, um den Sportbehörden im Kampf gegen das Doping zu helfen", schrieb McQuaid und verwies auf die Übereinstimmung mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und der Welt-Antidoping-Agentur Wada. Der UCI-Präsident hob noch einmal die Notwendigkeit hervor, die Puerto-Affäre nicht zu stoppen.

McQuaid sprach auch im Namen von Tour-de-France-Direktor Christian Prudhomme, der in der zurückliegenden Woche die Teams aufgefordert hatte, keine Fahrer zur Tour zu schicken, die in das Fuentes-Netzwerk verstrickt sind. In diesem Zusammenhang hatte Prudhomme den Italiener Ivan Basso, der im US-Rennstall Discovery Channel einen neuen Arbeitgeber gefunden hat, zur "unerwünschten Person" erklärt.

bri/dpa



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