Zeitungsbericht Tour-Zweiter Pereiro unter Dopingverdacht

Floyd Landis hat bereits mit Doping-Anschuldigungen zu kämpfen. Jetzt soll neben dem Sieger der Tour de France des vergangenen Jahres auch der Zweitplatzierte gedopt gewesen sein. Dies berichtet eine französische Zeitung. Nutznießer der Spekulationen könnte ein Deutscher sein.


Hamburg - Wie die französische Zeitung "Le Monde" am Donnerstag in ihrer Internet-Ausgabe berichtete, wurde der Spanier nach der 14. und 16. Etappe des Rennens positiv auf Salbutamol getestet. Nach Angaben des Blattes habe der Internationale Radsport- Verband (UCI) dem Radprofi vom Team Caisse d'Espargne das Mittel zu therapeutischen Zwecken erlaubt und daher keine Maßnahmen gegen Pereiro ergriffen.

Radsportler Pereiro: Unter Dopingverdacht
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Radsportler Pereiro: Unter Dopingverdacht

Die französische Anti-Doping-Agentur glaubt dagegen, diese Erlaubnis für Pereiro sei medizinisch nicht stichhaltig. "Le Monde" zufolge will sie den Fall untersuchen und ein Disziplinarverfahren einleiten, falls Pereiro bis zum kommenden Donnerstag keine medizinischen Gründe für die Einnahme des Mittels vorweisen kann. wies den Vorwurf des Dopings zurück: "Ich bin kein Betrüger."

Pereiros Rennstall Caisse d'Epargne erklärte das Fehlen des Nachweises mit der "Vergesslichkeit" des 29-Jährigen. "Oscar hat die Schreiben erhalten, aber nicht beantwortet. Das war sehr nachlässig von ihm", erklärte Pressesprecher Francis Lafargue. Bis zum Ende der Woche werde das Team die "erforderlichen Dokumente" nachreichen.

Dem Fahrer soll die Einnahme bei den Etappen nach Gap am 17. Juli und La Toussuire am 19. Juli nachgewiesen worden sein. Salbutamol wird als Spray häufig gegen Asthma verwendet, steht aber bei Wettkämpfen auf der Liste verbotener Mittel. UCI-Präsident Pat McQuaid aus Irland wollte sich zu den Vorwürfen gegen Pereiro nicht äußern, stellte aber fest, dass es zwischen der UCI und der französischen Anti-Doping-Agentur "schon häufig unterschiedliche Auffassungen" gegeben habe.

Vor diesem Hintergrund hält die Ungewissheit um den Gewinner der Tour 2006 weiter an. Pereiro könnte zum Sieger erklärt werden, sofern dem ebenfalls positiv getesteten Landis der Titel aberkannt wird. Dem Amerikaner war nach der 17. Etappe Testosteron-Doping nachgewiesen worden. Als Dritter hatte der Deutsche Andreas Klöden die Frankreich- Rundfahrt des vergangenen Jahres beendet.

fpf/dpa/sid

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insgesamt 228 Beiträge
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Seite 1
Pinarello, 09.08.2006
1.
---Zitat von sysop--- Nach den Dopingfällen in der Vergangenheit ist das Misstrauen in Athleten groß. Sind Spitzenleistungen auch ohne verbotenen Substanzen möglich? ---Zitatende--- Kommt darauf an, was man unter Spitzenleistungen versteht, immer höher, immer weiter, immer schneller geht natürlich nur mit Doping, wie man an vielen Weltrekorden in der Frauen-Leichathletik sehen kann. Ansonsten z. B. bei der Tour de France wäre mal nicht so wichtig, bei jeder Etappe sofort die Durchschnittsgeschwindigkeit einzublenden und sofort zu bereichten, daß es wieder mal schneller als ein Jahr zuvor gewesen ist. Allerdings ist das im mit Statistiken vollkommen verseuchten Sport wohl ein nicht zu realisierender Wunsch. Aber im Prinzip geht es natürlich auch ohne Doping, etwas langsamer, aber es geht, die Kämpfe der besten Fahrer untereinander bleiben ja davon unberührt, genau das wollen die Zuschauer ja sehen.
Fleischwurst, 09.08.2006
2.
Spitzenleistungen ja aber irgendwann ist das Limit erreicht.
Joachim Baum 09.08.2006
3.
---Zitat von sysop--- Nach den Dopingfällen in der Vergangenheit ist das Misstrauen in Athleten groß. Sind Spitzenleistungen auch ohne verbotenen Substanzen möglich? ---Zitatende--- Kommt ganz darauf an, was man als "Spitzenleistung" sieht. Geht es darum, die/denjenige(n) zu feiern, die/der als erste ins Ziel kommt bzw. die beste Leistung gemessen an den Mitbewerbern erbringt mag das ja noch in Ordnung gehen. Aber mit der um sich umgreifenden "Guinnessbuch_der_Recorde" Mentalität wird der Sport als solcher eigentlich verlassen bzw. ad absurdum geführt und führt zwangsläufig zu Manipulationen.
HariboHunter, 09.08.2006
4.
Ich möchte jetzt keine Verschwörungstheorien verbreiten... Doch ich will: Gehen wir mal vom Dopingsumpf Radsport weg und schauen uns die anderen, weniger tiefen Sümpfe an. Hierbei versetzen mich die Leistungen der Deutschen Athleten in ungläubiges Erstaunen. Erst die Fußball-WM wo mittelmäßige Spieler dank neuer, Amerikanischer Trainingsmethoden zu Energiewundern mutieren. Dann die Schwimmmeisterschaften in der junge, völlig unbekannte, Sportler den Delfinen Konkurrenz machen. Jetzt die Leichtathletik in der die von den DDR- Kadern in letzter Zeit immer weniger profitierenden Deutschen Jungs und Mädels plötzlich wieder schneller laufen, weiter werfen und höher springen als alle anderen. Dank sei der modernen Sportchemie. Ich hoffe es dauert noch etwas bis die anderen wieder gleichziehen. :-p Ps: Ich bestelle 500 Einheiten von dem Zeug, egal zu welchem Preis!
negentropie, 09.08.2006
5.
---Zitat von sysop--- Nach den Dopingfällen in der Vergangenheit ist das Misstrauen in Athleten groß. Sind Spitzenleistungen auch ohne verbotenen Substanzen möglich? ---Zitatende--- Aber natürlich: Beim Schach, Pokern, Kegeln, ...
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