Von Tobias Pox, Detroit
Der amerikanische Sportkommentator Keith Jackson hat knapp vierzig Jahre Berufserfahrung auf dem Buckel, so etwas hat er aber noch nicht erlebt. "Das ist der Gipfel des Berges", kommentiert der TV-Veteran vor dem heute Nacht in den USA stattfindenden nationalen Finale im College-Football zwischen der Universität von Southern California (USC) und der Universität von Texas (UT). "Es gibt nichts, was man bei einer College-Football-Partie noch oben draufpacken könnte."
Um den Hype, der seit Wochen um das Spiel zwischen den zwei Unimannschaften gemacht wird, zu verstehen, muss man wissen, dass College-Football in den Vereinigten Staaten traditionell einen immens hohen Stellenwert hat; allenfalls die Profi-Variante der Sportart erfreut sich landesweit einer ähnlichen Popularität. Wenn dann auch noch zwei Ausnahmeteams wie USC und UT aufeinander treffen, die beide in dieser Saison ungeschlagen sind und die Konkurrrenz scheinbar mühelos überrollt haben, kennt die Aufregung keine Grenzen.
Einem Bericht der "USA Today" zufolge werden im Internet bis zu 8.000 Dollar für eine Eintrittskarte für das Spiel verlangt. Die Tickets sind aber beileibe nicht der einzige kostenintensive Posten. Wer bei der Fernsehübertragung auf dem Sender ABC eine Werbung von dreißig Sekunden Dauer schalten will, muss bis zu 1,7 Millionen Dollar berappen. Eine üppige Summe, sicher. Aber es gilt ja auch Ausgaben zu decken: Die zwei Finalisten werden allein für ihre Teilnahme jeweils mit fürstlichen 14,9 Millionen entlohnt. Die eigentlichen Hauptdarsteller, die Spieler, sehen von diesem Geld indes keinen Cent, denn laut Statuten der NCAA, dem Dachverband des amerikanischen Collegesports, unterliegen die "student-athletes" einem strengen Amateurprinzip.
Galaktischer Jungstar
So umstritten der Status der in der Regel unter Profibedingungen agierenden "Studentensportler" seit jeher ist, einigen der Spieler, die beim Finale auflaufen, kann er bald egal sein. Es gilt als sicher, dass Vince Young (Texas), Matt Leinart und Reggie Bush (beide Southern California) nicht nur im Sommer zu den Profis wechseln werden, allen Dreien wird prophezeit, dass sie beim nächsten Draft, der alljährlichen "Verlosung" der besten Nachwuchsakteure unter den 32 Vereinen der National Football League (NFL), als erste gezogen werden.
Beliebter als die Lakers
Angeführt von dem explosiven Ballträger hat USC nicht nur in allen zwölf Spielen dieser Saison ohne Probleme dominiert, das renommierte (Football-)College wartet seit bald drei Jahren auf die erste Niederlage und stellt aktuell, so die Meinung vieler Fachleute, eine der besten Offensivreihen aller Zeiten. Wegen der beeindruckenden Erfolgssträhne und des attraktiven Stils sind die Trojaner, so der Spitzname von USC, in ihrer Heimatstadt Los Angeles zum hippesten Sportteam avanciert - noch vor den glamourösen Basketballern der Lakers. Zu den Heimspielen von USC strömten in der regulären Saison im Schnitt 90.812 Zuschauer, darunter zahlreiche Prominente wie Filmregisseur George Lucas ("Star Wars") oder der Rapper Snoop Dogg. "Der USC-Spielfeldrand ist in L.A. der angesagteste Ort für Stars, um gesehen zu werden", titelte kürzlich eine große US-Tageszeitung und widmete den Edelfans eine Coverstory.
Da das Finalspiel im berühmten Rose Bowl Stadium in Pasadena ausgetragen wird, also nur knapp 15 Meilen außerhalb des Stadtkerns von Los Angeles, ist auch diese Partie "wie ein Heimspiel für uns", sagt Reggie Bush. Es scheint, als könne allein die "Sports Illustrated" die dritte Meisterschaft der Trojans in Folge verhindern. Das Sportmagazin tippt in der aktuellen Ausgabe zwar auf einen USC-Sieg, doch auf den Prognosen des Blattes lastet erfahrungsgemäß ein Fluch.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Sport | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik US-Sports | RSS |
| alles zum Thema Stars'n'Strikes | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH