SPIEGEL ONLINE: Am Sonntag startet die Deutschland-Tournee der World Wrestling Entertainment. Bekommen die europäischen Zuschauer weniger zu sehen, als die Amerikaner?
Dave Bautista: Ja und Nein. Der Vorteil ist, dass wir im Gegensatz zu den TV Shows weniger eingegrenzt sind. Man hat zwar die großen Aufbauten oder das Feuerwerk bei den Einmärschen nicht, aber man hat mehr Zeit. Dadurch wird die Interaktion mit den Zuschauern besser, wodurch auch die Matches profitieren. Denn die erfolgreichsten Wrestler sind dann am besten, wenn sie mit dem Publikum spielen können.
SPIEGEL ONLINE: Im Zuge einer solchen Tour kommen auch immer wieder kritische Stimmen auf. Wie erklären Sie diesen Kritikern ihre Sportart?
Bautista: Wrestling ist etwas, das man nicht zu ernst nehmen sollte. Es bietet gute Unterhaltung. Manchmal ist es übertrieben, manchmal dramatisch, manchmal lustig. Es hat viele Schichten, aber am Ende dient es dazu, dass man es sich ansieht und Spaß hat. Viele Kritiker machen eben den Fehler, es viel zu ernst zu nehmen. Und die Leute sagen, es sei lächerlich. Natürlich, genau das soll es auch sein. Es ist nunmal Unterhaltung.
SPIEGEL ONLINE: Und was sagen Sie zu dem Vorwurf, dass Wrestling gewaltätig wäre?
Bautista: Das ist es. Es hat zumindest diese Seite. Ich sehe uns gerne als Geschichtenerzähler. Wir erzählen Geschichten und benutzen dazu die Ringpsychologie. Wir spielen mit dem Publikum, ziehen sie in den Bann eines Matches.
SPIEGEL ONLINE: Sie selbst fallen verletzungsbedingt aus. Wären Sie nicht gerne auf der Tour dabei gewesen?
Bautista: Auf jeden Fall. Aber zu früh in den Ring zurückzukehren wäre ein Fehler, das würde man mir von offizieller Seite aus nicht erlauben und das will ich auch selbst nicht. Meine Gesundheit zu riskieren, bevor ich wieder so weit bin, wäre für niemanden von Vorteil. Im Moment ist die Rückkehr für Anfang Mai geplant.
SPIEGEL ONLINE: Wie hat es sich im Januar angefühlt, den Titel vor tausenden von Leuten abzugeben?
Bautista: Es hat mir das Herz zerbrochen. Es war weniger die Tatsache, dass ich den Titel abgeben musste, sondern vielmehr das Wie. Ich wollte es richtig machen. Ich wollte einen Star erschaffen. Das ist Tradition im Wrestling. Man tritt als Champion ab, indem man auf dem Rücken liegt und dadurch einen weiteren Superstar erschafft.
SPIEGEL ONLINE: Das klingt, als hätten Sie mit der Aufgabe des Titels Ihre Karriere bereits beendet. Besteht nicht die Chance, dass sie wieder World Heavyweight Champion der WWE werden?
Bautista: Ich hoffe, dass ich die Gelegenheit nochmal bekomme. Gleichzeitig verstehe ich aber, dass ich meine Zeit im Rampenlicht schon hatte. Wenn die Fans wirklich wollen, dass ich da wieder hinkomme, dann werde ich das vielleicht. Aber ich werde auch nicht jünger und die Wrestlingwelt dreht sich weiter.
SPIEGEL ONLINE: Wie lange geben Sie sich selbst noch im aktiven Wrestlinggeschehen?
Bautista: Mein Vertrag läuft noch vier Jahre und den möchte ich auch erfüllen. Wenn die Zeit abgelaufen ist, werde ich mich hinsetzen und mir Gedanken machen. Jetzt würde ich sagen, dass ich weiterhin im Geschäft mitmischen will, auf die eine oder andere Art. Aber noch vier weitere Jahre, die ich ständig von meiner Familie getrennt bin? Da wird die Couch zu Hause dann sicher sehr verlockend aussehen.
SPIEGEL ONLINE: Was hält einen Wrestler überhaupt bei der Stange?
Bautista: Das Gefühl, das einem die Fans geben. Das ist, als wäre man high. Der Körper kann noch so geschunden sein, man tritt durch den Vorhang, zwanzig-, dreißigtausend Fans jubeln einem zu und all das ist wie weggeblasen. Allerdings, wenn man später wieder durch den Vorhang zurück geht, kommt auch alles wieder.
SPIEGEL ONLINE: Diese körperliche Belastung hat schon bei vielen Wrestlern zu einer Abhängigkeit von Schmerzmitteln geführt. Von der WWE wurde in den letzten Monaten daher ein Drogenkontrollprogramm eingeführt. Wie denken Sie darüber?
Bautista: Ich empfinde es durchaus als ein Eindringen in meine Privatssphäre. Wenn man aber bedenkt, weshalb diese Tests eingeführt wurden, muss man sie akzeptieren. In diesem Geschäft gibt es viele Jungs, die ihr Leben lang mit den Schmerzen leben. Sie lieben Wrestling so sehr, dass sie alles tun, um weitermachen zu können. Das führt aber dazu, dass Leute krank werden, dass sie sterben oder andere Menschen verletzen. Es ist etwas seltsam, dass es diese Tests gibt, aber sie werden ihren Zweck erfüllen.
SPIEGEL ONLINE: Ein Grund für die Tests ist der Tod Eddie Guerreros im letzten Jahr. Inzwischen gibt es Fans, die hinter seinem Tod eine Geschichte der WWE vermuten und glauben, er lebt noch und kehrt bald in den Ring zurück. Was sagen Sie zu diesen Spekulationen?
Bautista: Natürlich halte ich solche Vermutungen für vollkommen lächerlich. Andererseits, von welchem Geschäft reden wir hier? Man kann es den Leuten nicht verübeln, wenn sie auf solche Ideen kommen. Beim Wrestling will doch ständig jeder wissen: War das jetzt echt oder gespielt? Man müsste schon ein sehr krankes Individuum sein, um so etwas tatsächlich durchzuführen, aber ich verstehe zumindest, dass manche Leute auf den Gedanken kommen.
Das Interview führte Uwe Wombacher
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