Von Benjamin Schulz
Die Rollen sind klar verteilt: Die New England Patriots und die Indianapolis Colts in der American Football Conference (AFC) sowie die Dallas Cowboys und die Green Bay Packers in der National Football Conference (NFC) sind in ihren Playoff-Partien heute und morgen Favoriten. Dank der Top-Plätze in der Playoff-Setzliste verschafften sie sich mindestens ein Playoff-Heimspiel und ein spielfreies Wochenende, an dem sich ihre Gegner in Wild-Card-Spielen aufrieben.
Die Pause ist aber nicht unbedingt ein Vorteil. Das war am vergangenen Wochenende in der Wild-Card-Partie der Tampa Bay Buccaneers gegen die New York Giants zu sehen. Tampa Bays Cheftrainer Jon Gruden hatte seine besten Spieler geschont, als der Playoff-Einzug des Teams feststand. New Yorks Trainer Tom Coughlin dagegen spielte im für die Playoffs bedeutungslosen Vorrundenspiel gegen die Patriots mit seiner Bestbesetzung.
Das Ergebnis: Giants-Quarterback Eli Manning holte sich gegen New England mit einer Glanzleistung Selbstvertrauen und spielte auch gegen Tampa Bay sehr gut. Buccaneers-Spielmacher Jeff Garcia dagegen, der zuvor nur sporadisch gespielt hatte, wirkte eingerostet und zeigte eine seiner schlechtesten Saisonleistungen.
Selbst wenn die vier Top-Teams in den Divisional Playoffs am morgigen Samstag und am Sonntag schnell ihren Rhythmus finden und gewinnen sollten: Eine Top-Plazierung in der Setzliste ist keineswegs eine Garantie für eine Teilnahme am Super Bowl. Seit der Saison 1993/1994 (Dallas gegen Buffalo) haben die beiden an eins gesetzten Mannschaften beider Conferences nicht mehr um die Vince-Lombardi-Trophäe gespielt. Zwar stand seither immer mindestens eine der an eins gesetzten Mannschaften im Finale, doch in den 13 Endspielen gewannen sie nur siebenmal.
In diesem Jahr sind die Rollen wieder klar verteilt: Seattle, die Nummer drei der NFC, reist als Außenseiter zu den Green Bay Packers, der Nummer zwei. Zwar haben die Packers mit Altstar Brett Favre zwei der vergangenen drei Playoff-Heimspiele verloren, doch die Seahawks sind dankbare Gegner: Seit 1983 haben sie kein Playoff-Auswärtsspiel mehr gewonnen. Für Seattles Trainer Mike Holmgren ist das Spiel eine Reise in die Vergangenheit. Als Green Bays Trainer gewann er 1996 den Titel – mit Favre als Quarterback. "Mike Holmgren bedeutet viel für meine Karriere, und das wird sich niemals ändern", sagte Favre.
| NFL-Playoffs | |
| Green Bay - Seattle | Sa, 12.1. |
| New England - Jacksonville | Sa, 12.1. |
| Dallas - New York Giants | So, 13.1. |
| Indianapolis - San Diego | So, 13.1. |
Ebenfalls keine guten Erinnerungen an ihren Gegner aus San Diego haben die Indianapolis Colts. Zwar haben sie sich als Nummer zwei der AFC nach den Patriots etabliert, doch eine ihrer drei Saisonniederlagen kassierten sie gegen die an drei gesetzten San Diego Chargers. Beim 23:21-Erfolg fing die Chargers-Verteidigung sechs Pässe von Colts-Quarterback Peyton Manning ab. So viele Interceptions hatte Manning nie zuvor geworfen.
Wie schlägt man ein ungeschlagenes Team?
Auf gerade einmal acht Interceptions in der gesamten Saison kommt Quarterback Tom Brady von den New England Patriots – ein Hauptgrund für die perfekte Vorrunde der Patriots mit 16:0 Siegen. Die Jacksonville Jaguars möchten zu gerne das Team sein, das den Lauf der Patriots beendet. New England weiß das. "Was wir bisher erreicht haben, ist großartig", sagte Brady, "aber wir sind in der gleichen Position wie Jacksonville." Für die Jaguars stellt sich nur die Frage: Wie besiegt man ein ungeschlagenes Team?
In der Vorrunde setzten alle Mannschaften, die einem Sieg gegen die Patriots zumindest nahe kamen, dem dominanten Passangriff der Patriots ihr Laufspiel entgegen. Die Jaguars verfügen mit den Running Backs Fred Taylor und Maurice Jones-Drew über eines der besten Läuferduos der Liga. Nur wenn sie es schaffen, die Patriots-Offensive um Brady durch eigenen Ballbesitz zum Zuschauen zu zwingen, haben sie eine Chance.
Romo wartet noch auf einen Playoff-Sieg
In der vierten Partie der Divisional Playoffs stehen sich mit den Dallas Cowboys und den New York Giants zwei Teams gegenüber, die in der NFC East in der regulären Saison bereits zweimal aufeinander trafen - Dallas gewann jeweils. Aber ob die Cowboys das als gutes Omen für die Partie werten können, ist fraglich. Während die Giants in der Wild-Card-Partie gegen Tampa Bay exzellent spielten, ist Dallas' Angriff ins Stocken geraten.
Auch im Duell der Spielmacher scheint der Vorteil bei den Giants zu liegen. Quarterback Eli Manning holte am vergangenen Wochenende seinen ersten Playoff-Sieg. Cowboys-Spielmacher Tony Romo hat dagegen noch kein Spiel in den Playoffs gewonnen. Sollten er und die Cowboys ihrer Favoritenrolle nicht gerecht werden, wird er darauf noch mindestens ein weiteres Jahr warten müssen.
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