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NBA-Playoffs Pompöse Egos, irrlichternde Clubbosse und eine Schicksals-Gemeinschaft

2. Teil: Tausche jung gegen alt, gebe Ego auf

Zwischendurch fiel mir wieder auf, wie klug Trainer in der NBA Spieler auswählen und einkaufen. Phil Jackson erwarb im Winter für die Los Angeles Lakers den Spanier Pau Gasol, der bei den Grizzlies in Memphis spielte. Seither sind die Lakers unter den ganz heißen Favoriten. Gasol und Lamar Odom sind immer für insgesamt 30 Rebounds gut, damit verschaffen sie ihrem Team regelmäßig öfter Ballbesitz und unschlagbare Vorteile. Die Lakers haben die Western Conference gewonnen und spielen in der ersten Runde der Playoffs gegen die Denver Nuggets (mit Allen Iverson).

Weniger Glück als die Lakers hatten die Phoenix Suns mit ihrer auf den ersten Blick bestechenden Idee, den alternden Shaquille O'Neal aus Miami loszueisen. Vielleicht ändert sich das in den Playoffs, er soll ja nur die Gegner unterm Korb binden, die Rebounds fangen und ansonsten dem Hochgeschwindigkeitsbasketball, den Steve Nash noch immer unnachahmlich zelebriert, nicht im Weg stehen. Muss doch zu machen sein, oder?

Ja, und dann unser Dirk bei den Dallas Mavericks, Siebter in der Conference, die Hornets in der ersten Playoff-Runde gegen sich: Damit das Spiel variabler wird und die Chancen steigen, nicht wie letztes Jahr in der ersten Runde auszuscheiden, haben sie im Winter Jason Kidd aus New Jersey gekauft. Klappt nur bedingt, es fehlt an Abstimmung. Aber Mark Cuban, der irrlichternde Eigentümer, will unbedingt die NBA gewinnen. Unter allen Umständen. Deshalb verkaufte er einen jungen, wachsenden Point Guard (Devin Harris) und kaufte einen alternden. Na, mal schauen. Nowitzki war auch verdächtig schnell wieder auf dem Court nach unangenehmer Verletzung nach einem Block. Jetzt fehlt nur, dass ihm nicht nur die Nerven versagen wie in den letzten beiden Jahren, sondern auch noch die Verletzung wiederkehrt oder ihn anhaltend behindert.

Im Osten ist es mau wie immer, mit zwei Ausnahmen: Die Pistons in Detroit sind gleichbleibend stark und ein unangenehmer Gegner für jede andere Mannschaft. Und die Boston Celtics sind bärenstark von der ersten Minute an gewesen. Als hätte es so sein müssen, schicksalsbestimmt, dass Ray Allen und Kevin Garnett mit Paul Pierce aus einem Guss spielen. Drei Erwachsene, die miteinander spielen, nicht gegeneinander. Ohne Ärger im Umkleideraum. Ohne Artikel im "Boston Globe", wo der eine über den anderen Gossip erzählt und sich selber zum größten lebenden Spieler hochfeiern lässt. Beeindruckend. Toll. Schon mal wegen dieser ungewöhnlichen Leistung in dieser Liga der pompösen Egos wäre es schön, wenn sie am Ende den Titel gewinnen.

Unter die pompösen Egos fällt natürlich Kobe Bryant. Er wird immer darunter fallen, obwohl er weniger pompös spielt. Pau Gasol und die anderen geben ihm mehr und weniger Raum zugleich. Er muss nicht 50 Punkte werfen, damit die Lakers gewinnen, und er versucht es auch nicht. Er spielt mit den anderen, tatsächlich, und erniedrigt sie nicht mehr zu Zuwerfern des Balls, den er mit weit ausgestreckter Zunge und eitlem Gesichtsausdruck in Richtung Korb wirft. Merkt man, dass ich ihn nicht recht mag? Keine Ahnung, wie Phil Jackson das hinbekommen hat, aber er hat. Mal schauen, wie lange Kobe es schafft, fast kein pompöses Ego zu sein.

Und Michael Jordan? Ihm gehört ein Anteil an den Bobcats in Charlotte. Dort bauen sie langsam ein Team. Manchmal geht das ja erstaunlich schnell, manchmal zerfällt ein gutes Team aber auch erstaunlich schnell, zum Beispiel die Heat in Miami, wo Dwyane Wade die Hölle erlebt haben muss. Weder hoch noch runter geht es in New York bei den Knicks, dem immer noch teuersten Team der NBA, das eine neuerlich niederschmetternde Saison erlebt hat.

Also, Freunde, tolle Playoffs stehen uns bevor, vor allem im Westen. Im Wissen um die schwache Treffsicherheit, derer ich mich Jahr für Jahr schuldig mache, sage ich voraus, dass im Endspiel die Lakers auf die Celtics treffen werden, und dann bin ich für die Celtics.

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