Von André Voigt
Auf der einen Seite stehen die "Young Guns" Monroe und Unseld, auf der anderen die erfahrenen Teamspieler der Knicks um Willis Reed, Dick Barnett, Bill Bradley. Und nirgends wird der Unterschied zwischen beiden Mannschaften so deutlich wie bei den Point Guards. Dem Spektakel Monroes steht auf Seiten der Knicks der coole Walt "Clyde" Frazier gegenüber. Frazier ist ein Defensivkünstler, ein Playmaker. Einer, der nur im Notfall selbst schießt. "Clyde und Pearl" – die absoluten Gegensätze im Point-Guard-Universum. Sie sind Feuer und Eis. Disco und Jazz.
"Man muss ihn schon umhauen, um ihn zu stoppen. Pearl bringt seinen Körper perfekt zwischen den Verteidiger und den Ball, sodass du einfach nicht rankommst", keucht Frazier nach einer Playoffpartie 1970. "Und er spielt so verdammt relaxed, als würde er gar keinen Druck kennen." Die Knicks gewinnen trotzdem auch diese Serie, diesmal 4:3. Sie werden in einem epischen Finale gegen die Lakers um Chamberlain sogar Meister. Aber Frazier weiß, dass die Bullets, solange Earl Monroe dort spielt, gefährlich sind. "Gegen ihn zu verteidigen, das ist, als würde man sich einen Horrorfilm ansehen", gibt Frazier zu.
Ein Jahr später wird der Horror Wirklichkeit. 93:91 gewinnen die Bullets das siebte Spiel – ausgerechnet im Madison Square Garden. Die Meisterschaft aus dem Vorjahr, die beste NBA-Bilanz – sie ist verpufft. Black Jesus triumphiert, doch der Sieg ist teuer erkauft. Nach den hart umkämpften Conference Finals ziehen Monroe und Unseld verletzt ins Finale ein. Dort warten die Bucks mit Oscar Robertson und Lew Alcindor (später Kareem Abdul-Jabbar). Die Serie wird zum Desaster für Baltimore und endet 0-4. Kein Spiel ist wirklich knapp. Es ist Monroes letzter Playoffauftritt für die Bullets.
Im folgenden Sommer gibt es Probleme zwischen "The Pearl" und dem Management. Es geht um Geld. Das Verhältnis zwischen Star und Team ist ruiniert, als das Unglaubliche passiert. Die Bullets traden Monroe nach drei Saisonspielen für zwei Bankdrücker und Geld zu den verhassten Knicks. Frazier und Monroe im gleichen Backcourt. Feuer und Eis. Disco und Jazz. Passt das? "Nicht viele Spieler haben das Glück, in einem Team zu spielen, in dem sich alles um sie dreht", blickt Monroe zurück. "Doch genau das ließ ich damals in Baltimore zurück. Ich kam nach New York und wusste, dass ich nicht mehr die Nummer eins war. Die Knicks waren Clydes Team, und das habe ich von Anfang an akzeptiert."
Es dauert über eine halbe Saison, bis sich der Neue integriert hat. Sein Punkteschnitt sinkt auf für ihn miserable 11,9. In den Conference Finals trifft New York erneut auf Baltimore – Monroe bekommt seine Rache. 4:2 gewinnen die Knicks. Pearl steht wieder im Endspiel. Und verliert abermals. Diesmal mit 1:4 gegen die Lakers.
Nobel-Guards in New York
Nun werden die Stimmen in den "Five Burroughs" immer lauter. Es sind die Puristen, die den Garden seit Jahrzehnten bevölkern. Sie haben nie an diesen "Black Jesus" geglaubt und Monroe als Wurzel des Übels ausgemacht. Es sind jene Jünger der "Ich passe, also bin ich"-Religion, die seine Entwicklung von Feuer zu Eis nicht erkennen. Nicht erkennen wollen.
Sie sehen nicht, dass sich dieser Earl Monroe entwickelt hat. "Ich bin jetzt ein anderer Spieler. Mit Walt Frazier im Backcourt bringe ich den Ball nicht mehr so oft nach vorn", erklärt Monroe. "Aber das ist okay. Denn obwohl wir ein großartiges Team sind, viel passen und gut verteidigen, geht es am Ende doch immer um das Eins-gegen-eins." Und auch Frazier ändert sich. Eis beginnt ein wenig Feuer zu fangen. 23,2 Punkte bringt er mit Monroe an seiner Seite – Career High.
In der Saison 1972/73 passt dann endlich alles zusammen. Die Knicks sind eingespielt. Sie wissen jetzt, wie sie Monroe am besten einsetzen. Stockt die Offense, bekommt Pearl den Ball - und er verzaubert den Garden. Earl und Clyde bekommen sogar ihren eigenen Spitznamen: Sie sind der "Rolls Royce Backcourt".
Angetrieben von seinen Nobel-Guards, ist New York nicht zu stoppen. Erst fällt Baltimore 1:4, dann unterliegen die Celtics 3:4, obwohl sie die Regular Season mit 68 Siegen überragt hatten. Im Finale warten erneut die Lakers – wieder mit Chamberlain und West. Beide Teams kennen sich in- und auswendig. Nur eine Partie wird mit mehr als fünf Punkten entschieden. Trotzdem: Nachdem L.A. die erste Begegnung gewinnt, blicken die Knicks nicht mehr zurück. 4:1 schlagen sie die "Lake Show", Monroe ist endlich NBA-Champion. Es ist der Höhepunkt seiner Karriere.
Die letzte Chance, er hat sie genutzt.
Das Meister-Team der Knicks bricht bald auseinander, und auch die Schmerzen in Monroes Gelenken werden von Jahr zu Jahr schlimmer. "Ich konnte noch ab und zu den Schalter umlegen", erinnert er sich. Aber diese Tage werden immer seltener. 1980 ist dann endgültig Schluss. Earl Monroe tritt ab. "Ich habe in New York gelernt, das Spiel zu analysieren. Clyde und ich haben im anderen das Beste zum Vorschein gebracht", sagt Monroe. "Er bekam etwas von meinem Feuer und ich etwas von seiner Coolness. Wir ergänzten uns perfekt. Wenn es nach mir geht, waren wir der beste Backcourt aller Zeiten."
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