Es ist schon jetzt das Unwort des Jahres: Finanzkrise. Betroffen ist auch die NBA. Der Sport agiert ja mitnichten in einem Vakuum, in dem Geld keine Rolle spielt. Ganz im Gegenteil, Geld spielt die Hauptrolle im Profigeschäft.
Auf den Jerseys finden sich zwar keine Sponsorennamen, doch nur weil etwa Clevelands Superstar LeBron James nicht wie eine plakatierte Litfaßsäule über das Parkett gleitet, heißt das noch lange nicht, dass sein Salär (2009: 14,4 Millionen Dollar) nicht von den Investitionen finanzkräftiger Sponsoren und zahlender Zuschauer abhängt.
Wenn es zwei Dinge gibt, die alle NBA-Fans faszinieren, dann sind es Dunks und Trades. Erstere können auch in schwersten Krisenzeiten bestaunt werden. Dunks sind gegen Rezession immun. Bei den Trades hingegen sieht die Sache anders aus.
Tauschgeschäfte sind die besondere Würze einer jeden NBA-Saison. Playoffteams können sich so mit einem Schlag in den Kreis der Favoriten katapultieren. Ein klug ausgeheckter Wechsel kann das Kräfteverhältnis der gesamten NBA ins Wanken bringen. Detroit holte 2004 Power Forward Rasheed Wallace aus Portland und damit schließlich den Titel. Houston eiste 1995 Clyde Drexler aus Portland los, gewann in der Folge als an Nummer sechs gesetztes Team den Titel.
Diese Saison blieben die großen Trades zur Deadline Mitte Februar aus. Und das, obwohl viele große Namen zu haben waren - von Amar'e Stoudemire über Shaquille O'Neal bis Vince Carter. Warum sich kein Club die Dienste dieser Veteranen sicherte? Wegen der Finanzkrise. Aufgrund der fehlenden Sponsoreneinnahmen wird die Gehaltsobergrenze (Salary Cap) kommende Saison sinken - von 71,5 auf 69 Millionen Dollar.
Selbst Teams, die zuvor ohne Probleme unterhalb der magischen Grenze lagen, sahen sich vor der Trading-Deadline mit der Konsequenz konfrontiert, dass sie im kommenden Jahr gegebenenfalls für jeden Dollar Gehalt, den sie mehr ausgeben als die erlaubten 69 Millionen, einen an die Liga abführen müssen.
Früher hätten eine Menge Teams ob solcher Aussichten gelächelt. Eine Million? Wen kümmert's? Das Geld ist ja nicht weg, es hat nur ein anderer. Doch die Zeiten haben sich gewandelt.
Selbst erklärte Titelaspiranten wie die Los Angeles Lakers, deren Besitzer Jerry Buss nicht am Hungertuch nagt, zogen es vor, mit Forward Vladimir Radmanovic (nach Charlotte) und Center Chris Mihm (Memphis) zwei eigentlich benötigte Big Men zu verschicken. Warum? Durch die beiden Transfers sparen die Lakers in den kommenden beiden Jahren circa zehn Millionen Euro.
Noch konsequenter agierten indes die Detroit Pistons. Sie lieferten bereits zum Start der Saison 2008/2009 den Blockbuster der Saison: Allen Iverson kam für Chauncey Billups aus Denver. Ein Deal, der die in dieser Spielzeit durchaus vorhandenen Titelchancen gen null sinken ließ.
Die Pistons, die seit 2003 sechs Mal nacheinander die Finalserie der Eastern Conference erreicht hatten, schenkten eine ganze Saison ab. Trotz allem war dies ein wirklich durchdachter Schachzug, immerhin sind die Pistons für kommende Free-Agent-Auktionen bestens gerüstet. Iversons dieses Jahr mit fast 22 Millionen Dollar dotierter Vertrag läuft nach dieser Saison aus.
Früher galt in der NBA das Mantra "Win now!", heute geht der erste Blick in die Bilanzbücher. Alle Trades, die zur Deadline stattfanden, waren solche, die keine finanziellen Belastungen zur Folge hatten. Und deshalb scheiterte vermutlich auch der Deal, der Tyson Chandler von New Orleans eigentlich nach Oklahoma City schicken sollte.
Die offizielle Version lautete, Center Chandler habe den Medizincheck nicht bestanden. Gemunkelt wird jedoch, Thunder-Besitzer Aubrey McClendon habe aufgrund seiner eigenen Verluste an der Wall Street kalte Füße bekommen.
| NBA-Ergebnisse | |
| Miami - Orlando | 95:101 |
| New Jers. - Milwauk. | 78:107 |
| Utah - New York | 112:104 |
| Golden S. - Memph. | 109:114 |
Folglich werden in der Liga zuallererst Finanzentscheidungen getroffen. Auch die Titelfavoriten sparen: Veteranen wie Drew Gooden (San Antonio), Joe Smith (Cleveland) oder Stephon Marbury (Boston) werden zu Minimumkonditionen verpflichtet.
Diese Deals repräsentieren die einzige finanziell machbare Art der Verstärkung in der NBA 2009. Die Folge: Dominante Mannschaften mit tiefen Kadern gibt es sehr wenige. In den am 18. April beginnenden Playoffs kann alles passieren.
Es ist durchaus möglich, dass die Trade-Flaute nur ein sehr kleines Übel ist. Einige Franchises wie Sacramento, Indiana, Memphis, Milwaukee, New Jersey, New Orleans, Miami, Orlando, Minnesota oder Charlotte stehen aber auf sehr wackligen Füßen. Dass sie in naher Zukunft die Stadt wechseln könnten, ist nicht unwahrscheinlich.
Finanzkrise - das Unwort des Jahres wird die Liga leider noch lange beschäftigen und einiges an Spaß nehmen, gerade wenn es um Trades oder Free Agents geht. Na gut, sehen wir es positiv: Es gibt immer noch die Dunks.
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