Abschied einer Legende: Michael Jordans vergeblicher Kampf

Von Andreas Lampert

Vor knapp zwei Jahren tauschte Michael Jordan seinen Anzug als Teambesitzer gegen ein Trikot der Washington Wizards, um mit seinem Team noch einmal die NBA-Playoffs zu erreichen. Doch nun muss die Basketball-Legende einsehen, dass seine Spielerkarriere wahrscheinlich ohne den erhofften Paukenschlag zu Ende geht.

Michael Jordan im Spiel gegen die Hawks: "Er kämpft und kämpft und kämpft"
EPA/DPA

Michael Jordan im Spiel gegen die Hawks: "Er kämpft und kämpft und kämpft"

Atlanta - Sein Abgang war ohne größere Emotionen. Lässig, das Handtuch über die Schulter geschlagen, stand Michael Jordan mit seinen Teamkollegen an der Wizards-Bank und wartete die Entscheidung der Schiedsrichter ab. Die hatten sich um einen Fernsehbildschirm versammelt, um die letzte Szene der Begegnung Atlanta Hawks gegen die Washington Wizards noch einmal in Zeitlupe zu begutachten. Die Frage, die sich die Unparteiischen stellten, lautete, hatte Atlantas Forward Shareef Abdur-Rahim den letzten Wurf bei 0,6 Sekunden Restspielzeit noch rechtzeitig im Korb untergebracht, oder nicht? Hatte er, und so gewann Atlanta dank Abdur-Raheems Glückswurf kurz vor der Schlusssirene mit 91:89 über die Washington Wizards.

Auch nachdem das Resultat offiziell bestätigt wurde, zeigte "His Airness" keine größeren Gefühlsregungen und trottete stoisch in die Umkleidekabine, wo er sich seiner Arbeitskleidung als Wizards-Spieler entledigte. Allzu oft wird er dieses Trikot nicht mehr tragen, denn bei sieben ausstehenden Spielen bleiben den Wizards nicht mehr viele Möglichkeiten, sich vielleicht doch noch für die NBA-Playoffs zu qualifizieren, die nach dem 16. April beginnen.

"Es glimmt noch etwas Licht"


Bereits am Abend zuvor waren die Wizards zu Hause gegen die Sacramento Kings mit 99:105 unterlegen. Mit der Niederlage in Atlanta hat Washington bereits das vierte Spiel in Folge verloren - keine gute Voraussetzung, um Washingtons schärfsten Rivalen um den zum Einzug in die Playoffs berechtigten achten Rang der Eastern Conference, die Milwaukee Bucks, hinter sich zu lassen. Während die Wizards derzeit mit einer Bilanz von 34 Siegen und 41 Niederlagen auf Rang neun liegen, die Bucks haben bislang 37 Siege bei 39 Niederlagen erreicht.

"Es glimmt immer noch etwas Licht am Ende des Tunnels", gibt sich Jordan auch nach dem neuerlichen Rückschlag in Atlanta trotzig, "ich werde nicht vorher aufgeben, bis wir auch mathematisch keine Chancen mehr haben. Und selbst dann werde ich so Basketball spielen, wie man es spielen sollte."

Was Jordan mit einer solchen Aussagen meint, konnten die 19.850 Zuschauer in der ausverkauften Philips Arena hautnah erleben. 43 Minuten von insgesamt 48 Minuten Spielzeit stand Jordan auf dem Parkett, und obwohl er lange nicht seinen Rhythmus fand und die Hawks früh in Führung gingen, gab MJ nie auf und verbuchte am Ende 22 Punkte, sieben Vorlagen, zwei Steals und 14 Rebounds (bestes Saisonergebnis). Besonders das letzte Viertel, in dem er zwölf seiner 22 Punkte verwandelte, erinnerte an frühere Tage. Als er zehn Punkte in Folge für die Wizards erzielte, feuerte auch das Publikum den Altmeister mit tosendem Applaus an und ließ die Auswärtspartie der Wizards wie ein Heimspiel erscheinen. Die eigene Mannschaft wurde vom Publikum in Atlanta sogar ausgebuht.

Beeindruckender Kampfgeist


"Michael ist fantastisch", lobte Washingtons Coach Doug Collins seinen Schützling, "er ist unser älteste Spieler und es scheint, als er hätte er mehr Energie als alle andere. Er kämpft und kämpft und kämpft." Im Februar erst feierte Michael Jordan seinen 40. Geburtstag.

Doch nun scheint es, als würde Michael Jordans Kampfgeist, der ihn neben seinen genialen spielerischen Möglichkeiten über seine gesamte Karriere immer wieder auszeichnete, erstmals nicht belohnt. Denn Jordans Traum, mit den Wizards die Playoffs zu erreichen, droht zu scheitern. Um dieses Ziel zu erreichen hatte MJ im Herbst 2001 eigens seinen Anzug als Teambesitzer der Wizards, die er nach seinem Karriereende bei den Chicago Bulls im Jahre 1999 übernommen hatte, gegen das Spielertrikot getauscht. Die Jordan Ära, Teil III wird in den USA diese Spätphase der Basketball-Legende genannt. Doch Titel konnte Michael Jordan in dieser Zeit nicht einheimsen, im Gegenteil: Über eine Nebenrolle in der Liga kam das Team aus der amerikanischen Hauptstadt auch mit dem Spieler Jordan in ihren Reihen nie hinaus. Bereits im vergangenen Jahr verpassten die Wizards trotz der Hilfe des Superstars den Einzug in die Playoffs.

Appell an den Durchhaltewillen


Wizard-Spieler Michael Jordan: "Basketball spielen, wie man es spielen sollte"
REUTERS

Wizard-Spieler Michael Jordan: "Basketball spielen, wie man es spielen sollte"

Weil es dieser Tage nur noch wenige Gelegenheiten gibt, den Spieler Michael Jordan auf dem Parkett zu bewundern, strömen die Fans in die Arenen. Für das letzte Heimspiel im MCI Center von Washington gegen die New York Knicks am 14. April gibt es so gut wie keine Tickets mehr, obwohl dem Spiel ein vermarktungstechnischer Rattenschwanz anhängt. Nur wer sich ein Kartenpaket für die kommende Saison zulegt, erhält noch eine Karte zu Jordans Abschiedsvorstellung.

Michael Jordan, der nach dieser Spielzeit wieder in seine Rolle als Teambesitzer der Wizards schlüpfen wird, will sich mit der Degradierung als Werbeanreiz und der Aussicht künftig nur noch im Anzug zu den Spielen erscheinen, offensichtlich noch nicht abfinden. Für die restlichen Spiele seiner Karriere hat er seine Teamkollegen noch einmal angehalten, die letzten Kräfte zu mobilisieren. "Wir sollten die Spiele eins nach dem anderen angehen, denn man weiß nie, was alles passieren kann", appelliert Jordan an den Durchhaltewillen der Wizards, "man darf die positive Sicht auf die Dinge nicht verlieren."

Erfolgreichster Basketballer aller Zeiten


Michael Jordan ist der erfolgreichste Basketballspieler aller Zeiten. 1984 begann er seine NBA-Karriere bei den Chicago Bulls und gewann mit dem Team insgesamt sechs Meisterschaften. Fünfmal wurde er zum MVP (most valuable player) der Liga gewählt. 1993 beendet er vorübergehend seine Karriere, weil er sich nach dem Raubmord an seinem Vater nicht mehr für den Basketballsport motivieren konnte.

Nachdem ein Gastspiel in der Baseballorganisation der Chicago White Sox von wenig Erfolg begleitet war, kehrte er 1995 zu den Bulls zurück und feierte 1996, 1997 und 1998 dreimal die Meisterschaft. 1998 erklärte Jordan zum zweiten Mal in seiner Laufbahn den Rücktritt vom aktiven Basketballsport, ehe er Co-Besitzer und später wieder Spieler der Washington Wizards wurde. Über seine gesamte Laufbahn in der NBA hat Jordan im Durchschnitt 30,2 Punkte pro Spiel erzielt, sein Durchschnitt in dieser Saison liegt bei 19,8 Punkten.

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