Magic Johnson zum 50. Nummer 32 lebt

Der Jubilar war der beste Spielmacher, den die NBA je hatte. Doch nicht nur seine Karriere war ein einziger Superlativ - Earvin Johnson wurde auch zum ersten globalen Superstar, der seine HIV-Infektion öffentlich machte. Heute feiert "Magic" seinen 50. Geburtstag. Christian Gödecke gratuliert.


Werter Mister Johnson, lieber Magic,

ich habe vor gar nicht langer Zeit erst einem Freund zum Geburtstag gratuliert. Er wurde 40, und als ich ihn anrief, entschuldigte er sich gleich, dass er nicht feiern würde. Dieser Freund hustete erbärmlich, er war erkältet. Ich wünschte ihm Glück, Gesundheit und natürlich gute Besserung und sagte, die Party würde dann eben beim 50. größer ausfallen. Weil dieser Freund aber zum Fatalismus neigt, sagte er nur, dass er den nach aktuellem Stand sicher nicht mehr erlebt.

Nun ja, und da fielen Sie mir ein.

Ich kann mich noch gut an diesen Novembertag 1991 erinnern, als Sie in schwarzem Anzug vor einer Menge Reporter standen und Ihren Rücktritt vom Basketball erklärten. "Ich werde jetzt mein Leben genießen und ganz alt werden", das waren wohl die Worte - und Sie lächelten dabei. Ich aber hatte Tränen in den Augen, denn für mich sprach dort im Fernsehen mein todgeweihtes Idol. Sie grinsten, ich nahm Abschied.

Von Earvin "Magic" Johnson Junior, von No-Look-Pässen und anderen unfassbaren Assists, von Showtime-Basketball mit den Lakers, von dieser singenden Stimme, die mir auf dem Video "Put Magic in your Game" erklärt hatte, wie man ein guter Point Guard wurde. Das alles würde irgendwann nur noch eine Erinnerung sein. Dann bügelte ich mein Lakers-Trikot mit der Nummer 32, zog es an, ging auf den nächsten Freiplatz und übte Hakenwürfe.

Ich sah auch später in Ihnen nur den sympathischen Sportler, auch wenn Sie ja Ihre Frau betrogen und sich das verdammte HI-Virus bei einem der vielen Groupies geholt hatten. Man wird blind als Fan für so was. Ich hätte Sie garantiert in jeder Diskussion über das notorische, hemmungslose und gefährliche Fremdgehen testosterongesteuerter NBA-Profis verteidigt mit dem Argument, was den Groupies eigentlich einfalle, Ihnen aufzulauern.

18 Jahre sind vergangen, seitdem das HI-Virus in Ihrem Körper nachgewiesen wurde. Und ich dachte, es werden keine zehn. Aber eigentlich wollte ich nicht die ganze Zeit über Aids schreiben. Ich wollte einfach mal danke sagen.

Danke für 1992, das Dream Team in Barcelona. Sie humpelten über den Platz wegen der Knieprobleme, Larry Bird lag hauptsächlich auf dem Rücken am Spielfeldrand. Die paar Momente auf dem Platz hatten aber so viel Magie, wie es heute kein einziges NBA-Spiel mehr schafft. Danke an der Stelle auch für die gerade wachsende Erkenntnis, dass man älter wird.

Danke für die Courage, auf ein NBA-Comeback kurz danach zu verzichten - obwohl doch nur ein paar unwissende Kollegen (wie Karl Malone) Panik vor einer Infektion bekamen.

Danke für das kurze Comeback 1996 und die 19 Punkte, zehn Assists und acht Rebounds gleich im ersten Spiel. Mit 36, nach vier Jahren Pause. Sie hatten ja körperlich durchaus zugelegt, weshalb sich der Reporter auch lustig machte und sagte, Magic sei "größer als je zuvor". Ich fand es beeindruckend, wie leichtfüßig 140 Kilo sein können. Oder waren es mehr?

Danke für das Engagement gegen Aids und für die Armen in Los Angeles. Für die neugebauten Krankenhäuser. Und die Schachbretter, die Sie in Ihren Starbucks-Filialen aufgehängt haben, um die Kids von der Straße zu holen. 105 Kaffeehäuser gehören Ihnen ja angeblich, dazu zwölf Fitnesszentren, zehn Kinos und 20 Burger-Restaurants. Und bestimmt eine halbe Milliarde Dollar.

Und schließlich auch Danke für die Pressekonferenz im November 1991. Und sei es nur dafür, dass ein paar Menschen mehr den Unterschied zwischen Aids und HIV kennenlernten. Dass ausgerechnet Sie allerdings ein Buch schreiben mussten, wie man Safer Sex betreibt, fand ich ein bisschen daneben.

Mister Johnson, herzlichen Glückwunsch zum 50. Geburtstag! Ich wünsche Ihnen alles Gute und möchte zum Abschluss Ihre Frau zitieren. Die gab jüngst zu, nicht gerade begeistert gewesen zu sein von Ihrer Idee, die HIV-Infektion der ganzen Welt mitzuteilen: "Aids war immer noch ein Außenseiter-Thema. Aber er wollte es machen, weil es seiner Ansicht nach die einzige Chance war, mehr Aufmerksamkeit zu wecken und damit Leben zu retten. Earvin hat seine eigene Reputation aufs Spiel gesetzt. Das macht ihn für mich zum Helden."

Bleiben Sie gesund!

Herzlich
Christian Gödecke



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stan64 14.08.2009
1. Jungenderinnerungen - Showtime-Lakers der 1980er
In dem Artikel finde ich mich voll und ganz wieder. Magic Johnsonson war ein Held meiner Jugend, seine Duelle gegen Air Jordan, Isiah Thomas und Larry Bird füllen noch heute meine Videokassetten. Mein Interesse an der NBA ist heute so gut wie verblasst.
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