NBA-Bad-Boys: Die Saat des Bösen

Spuckattacken gegen Kontrahenten, Prügel für die Mitspieler und Ärger mit dem FBI: Wenn die Bad Boys der NBA zuschlagen, dann gerne buchstäblich. "FIVE"-Autor Johannes Korge über die Motive der "faulen Äpfel" der Liga - und warum die Clubs ihre Eskapaden ertragen.

Ehemaliger Knicks-Profi Marbury (l.): "Fauler Apfel" Zur Großansicht
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Ehemaliger Knicks-Profi Marbury (l.): "Fauler Apfel"

Er würde nicht aufs Feld gehen. Unter keinen Umständen. Nicht einmal die einst geliebte, jetzt verhasste blaue Uniform mit der Nummer drei würde er anrühren. Die sollten schon sehen, mit wem sie sich hier angelegt hatten.

Als sich Stephon Marbury im November 2008 weigerte, für seine New York Knicks gegen die Detroit Pistons anzutreten, provozierte er einen traurigen Höhepunkt in der Tragödie, die eigentlich als triumphale Rückkehr des verlorenen Sohnes geplant gewesen war. Zugleich zementierte er seinen Status als Galionsfigur einer Spielerkaste, die Klatschspalten füllt, Fanforen zum Glühen bringt und NBA-Coaches auf die Psychologen-Couch treibt.

Die Bad Boys, die "faulen Äpfel" der Liga: Spieler, die die Stimmung im Team vergiften, Mitspieler verärgern oder zu antisozialem Verhalten anstiften und ihren Trainern den Job zur Hölle machen. Die NBA-Historie ist reich an Beispielen hoffnungsvoller Jungathleten, die sich binnen kurzer Zeit isolieren und in eine Abwärtsspirale geraten.

Gier, Stolz, Geltungszwang

Was treibt einen solchen Spieler? Wie schafft er es, sich in einer Liga zu halten, die nach außen die Prinzipien von Teamplay und Mannschaftsgeist propagiert?

Die motivierenden Faktoren sind schnell ausgemacht: Gier, Stolz und Geltungszwang, potenziert mit Millionenverträgen im späten Teenageralter und dem Exzess des NBA-Lifestyles. Werden dann noch der sprunghafte soziale Aufstieg von (in vielen Beispielen) bitterer Armut hin zu vermeintlich unlimitiertem Reichtum und die Einflüsterungen des unmittelbaren Umfelds hinzugefügt, ergibt sich ein explosiver Cocktail.

Dass es Spielern mit krassen charakterlichen Defiziten trotzdem gelingt, sich über Jahre in der Oberklasse des Basketballs zu halten, ist ebenso simpel erklärt. Clubs, Fans und Medien sind gern bereit, jene Makel zu übersehen, wenn nur die Dunks, Blocks und Assists möglichst spektakulär geraten. Sportliches Talent kann auch heute noch mangelnde Sozialkompetenz ausgleichen.

Gepflegte Profilneurosen

Als bei den New York Knicks Ex-Coach Isiah Thomas ein All-Star-Team der Außenseiter versammelte, folgte er dabei nur dem Beispiel der Portland "Jail Blazers" der Jahrtausendwende, welche wiederum als Blaupause für die Los Angeles Clippers der Saison 2008/09 dienten.

Alle drei Experimente scheiterten - nicht jedoch, ohne vorher die Hauptakteure fürstlich entlohnt zu haben. In der Gewissheit, sich nahezu alles erlauben zu können, solange regelmäßig Highlights herausspringen, pflegen die Bad Boys ihre Profilneurosen weiter.

Im Interesse des Teams

Es wäre jedoch ein ebenso nahe liegender wie fataler Fehler, die negativen Impulse eines Bad Boys und die manische Intensität der Meistermacher der NBA zu verwechseln. Wenn ein Michael Jordan seinen Teamkollegen Steve Kerr per Kinnhaken zu Boden schickt, Kevin Garnett sich Glen "Big Baby" Davis zur Brust nimmt, bis dieser weint, oder Kobe Bryant einen unkontrolliert dauerfeuernden Sasha Vujacic niederstarrt, geschieht dies letztlich im Interesse des Teams.

Führungsspieler können, wollen, müssen hin und wieder die Rolle des "Bad Cop" übernehmen - dafür werden sie von ihren Kollegen vielleicht nicht gemocht, aber umso mehr respektiert. Erfahrene Trainer wie Phil Jackson oder Doc Rivers nutzen diese psychologische Komponente gezielt.

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Basketball for life

Nr. 60 - Juli 2009