NBA-Profi Anthony Randolph: Knallhartes Lehrjahr

Er gilt als Hoffnung der Golden State Warriors: Doch NBA-Profi Anthony Randolph musste sich seinen Status hart erkämpfen. Im zweiten Teil des Artikels über den jungen Forward erklärt "FIVE"-Autor Maximilian Glas, warum Coach Don Nelson einst Randolphs größter Kritiker war.

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Warrior Randolph: Hartes erstes Jahr in der NBA

Dies ist der zweite Teil des "FIVE"-Artikels über Anthony Randolph. Zum ersten Teil gelangen Sie hier.

Warriors-Coach Don Nelson mag einen attraktiven Basketball spielen lassen. Auch kommt der rundliche Mann mit der Trillerpfeife sympathisch, ja gar witzig daher. Nelson kann allerdings auch hart und kühl sein - vor allem, wenn es um Rookies geht. Als Absolvent der alten Schule der Boston Celtics, wo bis in die 90er hinein Rookies nicht mit dem Vornamen gerufen wurden, haben Liganeulinge bei Nelson einen traditionell schweren Stand. Minuten müssen sich erarbeitet werden, jeden Tag aufs Neue.

Obwohl Randolph diese Philosophie aus den Highschool-Tagen nicht fremd sein dürfte, stolpert er in seiner Debütsaison. Während etwa sein weniger talentierter Mit-Rookie Rob Kurz früh Spielzeit bekommt, erlebt Randolph bis zum All-Star-Break ein ständiges Auf und Ab. Auf Spiele mit über 20 Minuten Einsatzzeit folgen Partien mit fünf oder weniger.

"Es war eine schwierige Situation, da ich am College und an der Highschool immer der entscheidende Mann war. Ich würde nicht sagen, dass mir am College vieles zu einfach gemacht wurde. Aber ich bekam die Rolle des Stars aufgrund meines Talents", erklärt Randolph seine veränderte Position. So stellt er früh fest, dass er sowohl körperlich als auch geistig noch nicht in der NBA angekommen ist.

Trainings-Inspiration vom Ex-Coach

Eine Einsicht, an der auch Coach Washington seinen Anteil hat. "Ich sagte Anthony damals: 'Mir ist es egal, was Nellie mit dir macht, dein Job ist es, Basketball zu spielen! Wenn du denkst, dass du schon hart genug kämpfst, dann musst du halt noch eine Schippe drauflegen!'" Und Randolph nimmt sich die deutlichen Worte zu Herzen. "Don Nelson wollte, dass ich härter an mir arbeite. Er wollte sehen, dass ich bereit bin, für den Erfolg zu kämpfen. Im Nachhinein sehe ich das als eine Art Segen an", urteilt Randolph über seinen größten Kritiker am Ende der Warriors-Bank.

Als die Verletzungssorgen mit den Ausfällen der Big Men Andris Biedrins und Brendan Wright im Februar immer akuter werden, bleibt Nelson gar nichts anderes übrig, als Randolph spielen zu lassen. Während andere Neulinge im Februar oft aufgrund der ungewohnt vielen Spiele durchhängen, greift Randolph an: Gleich im ersten Spiel nach dem All-Star-Weekend setzt es für die Lakers 14 Punkte, zwölf Rebounds und zwei Blocks. Im März bringt er den Warriors in 15 Spielen 9,2 Punkte, 7,2 Rebounds und 2,0 Blocks bei einer Quote von 51,0 Prozent aus dem Feld. 22,8 Minuten steht er dabei auf dem Parkett.

Trotz Defensiv-Schwächen in der Warriors-Rotation

Defensiv zahlt er neben Center Ronny Turiaf als Power Forward zwar - körperlich bedingt - einige Male Lehrgeld, im offensiv geprägten System von Nelson ist dies jedoch kein Problem. Im Gegenteil: Trainer und Management sind davon überzeugt, dass von ihrem Rookie künftig Großes zu erwarten ist. "Noch im Januar hätten sie ihn für einen Sack voller Bälle hergegeben. Im März war er dann plötzlich unantastbar", beschreibt der Manager eines Westteams, der sich nach einem Trade für Randolph erkundigt hatte, den schnellen Sinneswandel.

Kaum war Randolph richtig warm geworden, neigte sich die verkorkste Saison der Warriors schon dem Ende zu. Allerdings nicht für den Rookie. Der trainierte bereits drei Wochen nach Abschluss der Spielzeit Fundamentals und Körper. Mit zusätzlichen fünf Kilo Muskelmasse und geschliffenen spielerischen Werkzeugen machte er sich auf nach Las Vegas, um sich in der Summer League, einer Art Talentbörse der Liga, weiter zu präsentieren.

Coming-out in der Summer League

In der Hitze der Wüste schmolzen dann nicht nur die Coaches der Warriors dahin, sondern auch die Defensivreihen der Gegner. Randolph egalisierte den damaligen Punkterekord der Summer League mit 42 Zählern gegen die Chicago Bulls und setzte sich mit 26,8 Punkten pro Partie an die Spitze der Topscorer-Liste.

Bei Golden State träumen Franchise und Fangemeinde von einem zweiten Chris Webber. Webber war der perfekte Power Forward/Center für das Run-and-Gun von Nelson: beweglich, athletisch. Spieler und Coach entzweiten sich jedoch, Webber musste gehen, das damals ambitionierte Team implodierte, Nelson verließ die Franchise kurz nach "C-Webb".

Randolph kann nun zum großen X-Faktor der Warriors werden, die schnell spielen wollen und müssen. Um wirklich erfolgreich zu sein, braucht es aber einen Big Man, der laufen kann, Räume schafft und dazu auch noch defensiv präsent ist. Einen wie Anthony Randolph.

Der neue Amar'e Stoudemire?

Die Tatsache, dass nun in den Analysen vieler Experten die Worte "Sleeper", "Saison 2009/10" und "Anthony Randolph" in einem Satz fallen, lässt den Druck auf den Mann wachsen, der mit einiger Verspätung Webbers Rolle ausfüllen soll - wenn nicht 2009/10, dann 2010/11. Die sprunghafte Entwicklung Randolphs war auch ein Grund für den gescheiterten Trade, der Amar'e Stoudemire von den Suns nach Oakland bringen sollte.

Hält Randolph, was sein Potenzial verspricht, braucht es keinen Stoudemire, der bereits eine Mikrofraktur im Knie hinter sich hat. "Ich weiß nicht, wo die Obergrenze für Anthonys Potenzial sein wird, auf jeden Fall ist sie extrem hoch", erklärt Larry Riley, Golden States General Manager. "Er ist vermutlich noch ungefähr zwei Jahre von seinem besten Niveau entfernt."

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Nr. 61 - September 2009

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