NBA-Riesen Groß, aber nicht immer auch gut

Derzeit ist Yao Ming der größte NBA-Spieler. Es gab aber einen Basketballer, der noch mehr an Zentimetern aufwies. Im Gegensatz zu manch anderen Riesen beherrschte der Rumäne Gheorghe Muresan sein Metier. Das Basketball-Magazin "FIVE" stellt die größten Korbjäger vor.

Von Sven Simon


In der Geschichte der NBA gab es einige Versuche mit überdimensionierten Spielern. Mit die bekanntesten Riesen waren die Verteidigungskünstler Mark Eaton (2,25 Meter) und Manute Bol (2,29 Meter). Eaton lief elf Jahre für die Utah Jazz auf. In dieser Zeit lieferte der All Star von 1989 im Schnitt 6,0 Punkte, 7,9 Rebounds sowie 3,5 Blocks pro Partie und wurde drei Mal ins All-Defense-Team gewählt. Eaton war vier Mal bester Shotblocker der Liga, in der Saison 1984/1985 schaffte er pro Spiel 5,6 Blocks. Sein Karriereschnitt von 3,5 Blocks ist in der NBA bis heute unerreicht, allerdings wurden Blocks in den Jahren eines Bill Russell oder Wilt Chamberlain noch nicht statistisch erfasst. Die beiden begannen ihre NBA-Karriere Mitte beziehungsweise Ende der fünfziger Jahre.

Ehemalige NBA-Profis Muresan (l.) und Bradley: Riesige Probleme
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Ehemalige NBA-Profis Muresan (l.) und Bradley: Riesige Probleme

Bol stand in seiner zehnjährigen NBA-Karriere bei vier Clubs unter Vertrag (Washington Bullets, Golden State Warriors, Philadelphia 76ers und Miami Heat). In dieser Zeit kam der Sudanese auf durchschnittlich 2,6 Punkte, 4,2 Rebounds und 3,3 Blocks. Bol war nur zwei Mal bester Shotblocker der Saison, traf dafür in seiner Karriere beachtliche 43 seiner 205 Dreierversuche.

Dann gab es die Akteure, denen auch in der Offensive etwas zugetraut wurde, deren Körper aber den Belastungen der NBA mit inzwischen bis zu 114 Saisonspielen auf Dauer nicht gewachsen waren.

Shawn Bradley (2,29 Meter) erreichte 1996/1997 für die Mavericks in 33 Spielen durchschnittlich 14,6 Punkte, 8,7 Rebounds und 2,7 Blocks, aber selbst in diesem Jahr war der zweite Draftpick von 1993 weit davon entfernt, eine dominierende Macht unter den Körben zu sein. Zudem bereitete Bradley seine fehlende Physis immer wieder Probleme. In fünf seiner zwölf Spielzeiten verpasste er mehr als zehn Partien aufgrund zahlreicher Verletzungen.

Die Karriere von Ralph Sampson (2,25 Meter) verlief nach steilem Start besonders enttäuschend. In den ersten drei Jahren legte der erste Draftpick von 1983 für die Houston Rockets im Schnitt 20 Punkte und zehn Rebounds auf. Danach ging es wegen Knieproblemen aber zügig bergab. In jedem der folgenden sechs Jahre verpasste der viermalige All Star mindestens 20 Spiele wegen Verletzungen. Seine Karrierewerte von durchschnittlich 15,4 Punkten und 8,8 Rebounds waren ordentlich, von einem dreifachen Collegespieler des Jahres, der 1984 zum Rookie des Jahres und ein Jahr später zum MVP des All-Star-Games gewählt worden war, hatte sich die Basketballwelt aber mehr erhofft.

Gheorghe Muresan (2,31 Meter) ist der bislang größte NBA-Spieler. Allerdings war der Rumäne meist von Verletzungen geplagt. In keinem seiner sechs Jahre für Washington und New Jersey lief er in allen 82 Begegnungen auf. In den Spielzeiten 1995/1996 und 1996/1997 führte er die Liga bei der Wurfquote an und wurde deshalb 1996 zum "Most Improved Player" (Aufsteiger des Jahres) gewählt. In 307 Spielen schaffte er im Schnitt 9,8 Punkte, 6,4 Rebounds und 1,5 Blocks.

Arvydas Sabonis (2,20 Meter) und vor allem Indianas Rik Smits (2,23 Meter) hatten zwar in der Offensive einiges zu bieten und zeigten das auch über einen langen Zeitraum, aber sie hatten einfach nicht das Gardemaß der restlichen hier erwähnten Profis. Das letzte Experiment mit einem überdurchschnittlich großen Spieler zelebrierten die Mavericks. Von 2004 bis 2006 stand Pavel Podkolzin bei Dallas unter Vertrag. In sechs Spielen brachte es der 2,26 Meter große Hüne aus Nowosibirsk auf vier Punkte, neun Rebounds und einen Block. Zuletzt lief er an der Seite von Ademola Okulaja für BC Khimki Moskau auf, mittlerweile soll Podkolzin wieder in seiner sibirischen Heimatstadt leben.

Auch das nächste Riesenprojekt ist schon in Planung. Sun Ming Ming ist 2,36 Meter groß und möchte in naher Zukunft Muresan als größten NBA-Spieler ablösen. Der Chinese, dessen Landsmann Yao Ming (2,29 Meter) derzeit bei Houston spielt, litt an einem mittlerweile entfernten Hirntumor, der ihn dermaßen groß werden ließ. Danach lief er in verschiedenen unterklassigen Profiligen der USA auf und hatte eine kleine Rolle im Kinofilm "Rush Hour 3" mit Jackie Chan und Chris Rock. Mit der NBA-Karriere dürfte es indes nichts werden, Sun hat wenig Talent.



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Seite 1
SEBLan, 29.05.2007
1.
schade wieder einer dieser spielervergleichsfragen. leider habe ich keinen der beiden je spielen sehen. oden sollte auf jeden fall sich in der liga etablieren und könnte einer der besten center der liga (evtl aller zeiten, aber das ist immer schwer zu sagen) werden. durant keine ahnung kenn ich so gut wie gar nicht aber er scheint hervoragende anlagen zu haben was man so hört. aber sollte man nicht lieber über die ein oder andere regel in der nba diskutieren. da wäre mehr wo ich was zu zu sagen hätte.
Calogero6 30.05.2007
2. Oden oder Durant?
Oden vs Durant, wirklich ein Duell, dass die Fans in den USA in dieser Collegesaison elektrisiert hat. Und alle hier in Deutschland, die die Möglichkeit hatten, via NASN oder Internet Spiele der beiden live zu verfolgen, wurden davon angesteckt. Wenn man bedenkt, dass Oden aufgrund einer Handgelenksverletzung 2/3 der Saison quasi einhändig gespielt hat und erst zur March Madness so richtig fit wurde, dann sind seine Leistungen umso beeindruckender. Seine Stats im verlorenen Finale gegen Florida sagen eigentlich alles aus. Auch das, was offensiv alles bei ihm möglich ist und in Zukunft von ihm zu erwarten ist. Durant ist zwar vom Körperbau alles andere al NBA reif (er ist ja auch mit seinen 18 nochmal einige Monate jünger als Oden), könnte aber schon jetzt zu einer Scoring Maschine heranreifen. Ich glaube aber trotzdem, dass Portland Oden picken wird und sich Seattle somit mit Durant begnügen muss (was wahrlich alles andere schlecht ist!). Ich jedenfalls würde mich nicht wundern, wenn wir beide schon nächstes Jahr im Alls Star Game sehen werden. Gespannt bin ich auch darauf, wie sie sich diesen Sommer im Team USA schlagen werden! Eins ist jedenfalls klar: Die Regel, dass Spieler nicht mehr den direkten Weg aus der High School in die NBA wählen dürfen sondern mindestens 1 Jahr am College verbringen dürfen, hat uns in diesem Jahr eine spektaluräre und hochklassige NCAA Saison beschert. Für viele Basketballfans (und auch Footballfans) steht der Collegesport vom Stellenwert her sowieso über der NBA / NFL.
heiko2183, 30.05.2007
3.
oden wird garantiert als erster pick zu den blazers gehen. kein team kann sich nachsagen lassen den besten center dieses jahrzehnts verpasst zu haben. durant ist zwar ein grosses talent aber es gibt genügend scorende forwards in der nba während oden mit seinen fähigkeiten viel mehr einfluss auf ein spiel haben kann. im teams usa haben sie die chance sich schon vor der saison an die härtere gangart zu gewöhnen wenngleich sie wohl wenig auf dem feld stehen werden
Jan_studiert, 30.05.2007
4.
Ein Blick auf die Paarungen in den Conference-Finals sollte diese Frage beantworten. Oden. Er wird eine erfolgreichere Playoff-Karriere hinlegen.
JP1985 30.05.2007
5.
Kein GM ist so lebensmüde und wählt Durant über Oden (naja vielleicht der ein oder andere doch ;)), allein der Tradewert und die Exklusivität sollten den Ausschlag geben - denn überragende Flügelspieler sind nun weisgott keine Seltenheit in der Liga.
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