NBA-Saisonstart: Der Präsident und seine Zauberer

Wie lange mussten wir auf Dunkings und Dribblings warten! Am Dienstagabend startete die NBA, der spektakulärste Amüsierbetrieb der Welt, in die neue Saison. Gerhard Spörl hofft erneut auf seine Washington Wizards - und das sportliche Comeback einer ganzen Stadt. Obama sei Dank.

Etan Thomas ist der Center der Washington Wizards, er schreibt gerne Gedichte und gilt deshalb als der Intellektuelle in der Gemeinde der Basketballspieler. In diesen Tagen trägt er ein schwarzes T-Shirt, auf dem ein Bild Barack Obamas prangt, darunter steht in goldenen Buchstaben: "Yes, we can." Er meint es ernst, er meint nicht den kometenhaften Aufstieg der Wizards in der neuen NBA-Saison, die am Dienstagabend begann, er hofft einfach darauf, dass Obama ein paar Tage später zum ersten schwarzen Präsidenten in der Geschichte Amerikas gewählt wird.

Celtic-Profi Pierce (l.) und Cavalier James: Überlegener Meister
AP

Celtic-Profi Pierce (l.) und Cavalier James: Überlegener Meister

Ziemlich viele Basketballspieler erzählen momentan, wen sie am liebsten im Weißen Haus sehen würden, die meisten sind für Obama, der auch gern Basketball spielt und offenbar sogar einigermaßen gut. Baron Davis, der von den Golden State Warriors zu den Clippers nach Los Angeles wechselte, gehörte zu den Rednern bei einer Veranstaltung "Frauen für Obama" – keine Ahnung, warum er und warum bei dieser Veranstaltung, aber egal, es ist ja okay, wenn sich diese Millionäre, die wie Baron von einem Club zum anderen ziehen, für höhere Dinge im Leben ihres Landes interessieren.

Spencer Hawes, ein Center bei den Sacramento Kings, die nicht in der Blüte ihrer Jahre stehen, ist ganz aufgeregt, dass er, gerade 20 geworden, zum ersten Mal in seinem Leben wählen darf und er ist fest entschlossen, John McCain seine Stimme zu geben. Dazu gehört ja fast schon wieder Mut. Er bleibt ziemlich allein mit seinem Hang zu den Republikanern, vielleicht liegt es auch daran, dass er weiß ist.

Zur Person
Gerhard Spörl, Jahrgang 1950, entdeckte seine Liebe zum Basketball in Washington, als er 2001 seinen Job als SPIEGEL-Korrespondent antrat. Michael Jordan, der Größte aller Großen, feierte gerade sein Comeback, die Wizards träumten von ebenso großen Zielen - und der Journalist aus Deutschland träumte mit. Mittlerweile ist Spörl nach Hamburg zurückgekehrt, doch auch als Chef des SPIEGEL-Auslandsressorts lässt ihn der Basketball nicht los.
Die meisten Schwarzen aus der NBA-Elite wollen Sieger sein und treten für Sieger ein: Chris Duhon, der sich von den Chicago Bulls zu den New York Knicks veränderte, spielte am College in Duke gemeinsam mit dem Obama-Helfer Reggie Love; Chris Paul, die Sensation der letzten Saison von den Hornets in New Orleans, trat in einem TV-Commercial für Obama auf; LeBron James, der Star unter den Stars, spendierte 20.000 Dollar für Obama und war mit ihm bei David Letterman in dessen "Late Night Show".

Es gibt natürlich auch Jungs wie Gilbert Arenas, der schon wieder verletzt ist, was den kometenhaften Aufstieg der Wizards, auf den leidgeprüfte Menschen wie ich immer wieder hoffen, hinauszögern dürfte. Arenas wird in dieser Saison 14,5 Millionen Dollar verdienen, nicht wenig, oder? Er will aber am 4. November aufs Wählen verzichten, denn er geht davon aus, dass der nächste Präsident, egal wie er heißt, die Steuern anheben wird und das missfällt ihm. Tyson Chandler von den New Orleans Hornets dagegen hat bereits öffentlich bekannt, dass er es völlig in Ordnung findet, wenn er als Besserverdienender unter einem Präsidenten Obama mehr Steuern zahlen muss, wenn dafür weniger Betuchte auch weniger belastet werden.

Soviel zur Politik.

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