Es sind diese Tage im Jahr, die dich nicht fröhlich machen. Der Regen setzt ein, die Blätter fallen, der Himmel hängt knapp über der Haustür, die Kinder schleichen im Halbdunkel aus dem Haus in die Schule. Die Stadt ist voller Baustellen. Staus, wohin du schaust. Die anderen Autofahrer sitzen finster hinterm Steuer, sinnen auf Rache, gegen wen auch immer. Den Chef, den Hund, den HSV, St. Pauli, den Nachbarn, dich. Du sitzt hinterm Steuer, schaltest das Radio ein, blöde Musik, nächster Kanal, blöde Musik, Deutschlandfunk, Beck-SPD-Blablabla. Du hast Apfelsaft und Apfelmus und Apfelgelee aus den Äpfeln im Garten gemacht, du nimmst zehn Gläser Eingemachtes ins Büro mit, du stellst sie ins Sekretariat, jeder der geschätzten Redakteure darf sich eins nehmen (soll sich gefälligst eines nehmen), du gehst nach Hause, vier Gläser stehen noch immer da. Ja, wo leben wir denn? Darf hier jeder tun, was ihm einfällt? Du schleppst dich dahin, an solchen Tagen. Die Washington Redskins haben sage und schreibe 7:52 bei den New England Patriots verloren, Wahnsinn. Es handelt sich um American Football, nur zur Sicherheit gesagt, an solchen Tagen ist alles möglich. Die Boston Red Sox haben die World Series gewonnen. Glatt in vier Spielen gegen Colorado, Respekt. Dass sie sich im Halbfinale doch noch gegen die Indians aus Cleveland durchgesetzt haben, nehme ich ihnen allerdings übel. Zur Sicherheit: Dabei handelt es sich um Baseball.
Die trüben Tage aber, sie sind vorbei, Freunde in Hamburg und draußen in der Welt. Vergesst das Wetter, die finsteren Autofahrer, die trübsinnigen Schulkinder, die blassen Chefs und die apfelgeleeignoranten Untergebenen. Wir wissen mehr, wir wissen, worauf es ankommt, wir wissen, was abgeht. Wir sind gerettet bis tief in den Frühsommer. Denn heute geht sie wieder los, die NBA-Saison, wenn Meister San Antonio gegen Portland antritt.

Ach ja, überhaupt Nowitzki: Meine Güte, bin ich gespannt, was er diesmal in den Playoffs anstellen wird. Ich habe mich schon in der vorigen Saison höllisch geirrt, weil ich dachte, jetzt passiert's, jetzt startet er durch, diesmal verlieren sie nicht im Finale. Haben sie auch nicht, konnten sie gar nicht, weil die Dallas Mavericks gleich in der ersten Runde ausschieden, so was von sang- und klanglos gegen die Golden State Warriors aus Oakland.
Unser Dirk scheint aber dabei zu sein, erwachsen werden zu wollen. Die Niederlage gegen Golden State und die Wut, die sich über ihm entladen hat, haben ihr Gutes gehabt. Dirk gibt richtige Interviews. Er grenzt sich von den Auto- und Schmuckfetischisten seiner Zunft ab, will heiraten und Kinder haben und die NBA gewinnen und den vollendeten Korbwurf finden.
Und eines will er nicht und muss er wohl nicht: Er muss nicht nach Los Angeles umziehen, auch wenn sich bei den Lakers endlich das tut, worauf alle warten, womit aber kaum einer noch ernsthaft rechnet. Dass Kobe Bryant die Lakers verlässt, dass er es Shaquille O'Neal nachmacht und irgendwo anheuert und dann wieder einen dicken Ring gewinnt, nämlich den für den Meister.
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