Hamburg - Der Deutsche Skiverband (DSV) will jedoch ungeachtet der Entschuldigung gegen die betreffenden Redakteure des Senders eine Unterlassungserklärung erwirken. Nach Ansicht von DSV-Sprecher Stefan Schwarzbach ist aus der "Doping-Affäre" um eine Wiener Blutbank, in die laut ARD 20 deutsche Athleten verwickelt sein sollen, eine "Medien-Affäre" geworden.
"Wir entschuldigen uns öffentlich für journalistische Fehler", erklärte ARD-Moderator Michael Antwerpes zu Beginn der Übertragung vom Biathlon-Weltcup aus Antholz. Es sei nicht korrekt, pauschale Vorwürfe ohne Namensnennung zu erheben. Die Aussage gelte für den aktuellen Wissensstand, die ARD unterstütze weiterhin Recherche und Aufklärung. Personelle Konsequenzen gibt es vorerst offiziell nicht. "Disziplinarische Maßnahmen sind derzeit kein Thema", teilte ARD-Sportkoordinator Günter Struve mit.
Es sei "nicht vertretbar und mit unserer Berufsauffassung nicht vereinbar, wenn solche Pauschalverdächtigungen erhoben werden, ohne dafür belegbare und nachprüfbare Fakten zu haben", so der Moderator. Damit kritisierte Antwerpes den eigenen Sender, der zwei Tage zuvor mit seinen Doping-Anschuldigungen für großen Wirbel gesorgt hatte. "Wir bedauern, wenn es im Zusammenhang mit dieser Meldung zu Vorwürfen und Unterstellungen gegen Athleten gekommen ist", sagte der ARD-Mann. Auch SPIEGEL ONLINE hatte über die Vorwürfe berichtet.
"Sofern Namen von Athleten über die Medien verbreitet werden, basiert dies nur auf Gerüchten", teilte Sport-Staatssekretär Reinhold Lopatka unter Bezug auf den ARD-Bericht mit, wonach auch 20 deutsche Biathleten und Langläufer Blutdoping über die Wiener Firma "Human Plasma" betrieben haben sollen. " Der Vorgang sollte uns allen eine Lehre sein, mit nicht belegten Behauptungen das Ansehen von Sportlern zu gefährden", sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper.
Empört reagierte der international anerkannte Wiener Doping- Experte Hans Holdhaus zur Entwicklung in dem Blutbank-Fall. "Wie das Ganze bisher abgelaufen ist, ist es völlig indiskutabel und juristisch nicht vertretbar", sagte er. Er sei ein absoluter Gegner des Dopings, aber so könne man es nicht machen. Er würde es begrüßen, wenn einer der namentlich genannten Sportler oder der Chef des Blutplasma-Unternehmens "Humanplasma" in Wien gegen die Vorwürfe Klage erheben würde. "Dann würde diese Sache sehr schnell bereinigt".
Inzwischen hat der medizinische Leiter der "Humanplasma GmbH", Lothar Baumgartner, in Briefen an den österreichischen Bundeskanzler Alfred Gusenbauer sowie den ehemaligen Präsidenten der Welt-Anti- Doping-Agentur (Wada), Richard Pound, jede Beteiligung an Blutdoping bestritten. In den Schreiben, die der dpa vorliegen, beteuert Baumgartner, niemals Blutplasma Einzelpersonen zugänglich gemacht zu haben. Als "unverständlich" bezeichnete es der Mediziner, dass sein Unternehmen durch "unbelegte Verdächtigungen" belastet und damit "unser Ruf geschädigt" werde. Schon jetzt sei die Zahl der Blutspender aufgrund der Berichterstattung zurückgegangen.
"Wir streben als ersten Schritt eine Unterlassungserklärung an", beharrte DSV-Sprecher Schwarzbach. Es sei Sache der Anwälte, über darüber hinausgehende Schritte zu befinden. Die rechtlichen Maßnahmen würden sich gegen die Redakteure, nicht gegen die ARD richten. Mit der Umsetzung ist eine Stuttgarter Kanzlei beauftragt.
Der österreichischen Regierung liegt derzeit kein Beweis vor, dass Athleten ihres "oder irgendeines anderen Landes" Blutdoping vorgenommen oder gegen ein anderes Gesetz verstoßen haben. Mit dieser Auskunft hat das Bundeskanzleramt in Wien umgehend auf die Anfragen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) reagiert.
Auch dem Bundeskriminalamt (BKA) liegen bislang noch keine Hinweise auf eine mögliche Verwicklung deutscher Athleten in die Affäre vor, wie eine BKA-Sprecherin sagte. Man befinde sich jedoch in einem intensiven Informationsaustausch mit den österreichischen und italienischen Strafverfolgungsbehörden.
Für die ARD ist die Wintersport-Berichterstattung ein Quotengarant. Über 30 Prozent Marktanteil erreichen die Übertragungen aus Biathlon-Arenen und von Langlauf-Pisten mitunter. Am kommenden Samstag strahlt die ARD das alljährliche Star-Biathlon aus der Schalke-Arena zur besten Sendezeit aus. Mehrere millionen Deutsche werden ab 20.15 Uhr vor dem TV-Gerät sitzen, wenn neben Prominenten wie Regina Halmich, Rosi Mittermaier, Johann Lafer und Jürgen Vogel auch ehemalige Biathlon-Größen wie Petra Behle, Uschi Disl, Ricco Groß, und Fritz Fischer an den Start gehen.
fpf/sid/dpa
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