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Skispringen Frustrierter Bundestrainer Rohwein wirft hin

2. Teil: "Diese sogenannten Fersehexperten" - Rohwein über die ständige Kritik von Dieter Thoma, Zurückhaltung als Selbstschutz und aggressive Journalisten

SPIEGEL ONLINE: Ist es ein Nachteil für die Entwicklung des Teams, dass Schmitt noch springt?

Rohwein: Tja, was soll ich da antworten? Gegenfrage: Wer soll ihn denn ersetzen?

SPIEGEL ONLINE: Schmitt hat Ihre Trainingsmethoden in der Öffentlichkeit als "überholt" kritisiert.

Rohwein: Wenn ein Springer etwas an meinen Trainingsmethoden auszusetzen hat, dann kann er immer zu mir kommen. Ich war immer offen für interne Verbesserungsvorschläge. Das Problem liegt doch woanders. Ich habe immer Selbstständigkeit von meinen Sportlern gefordert. Martin wurde in seinen erfolgreichen Zeiten alles abgenommen. Seine einzige Aufgabe bestand darin, sich auf den Balken zu setzen und zu springen.

SPIEGEL ONLINE: Hätten Sie mehr Rückhalt von Schmitt in der Öffentlichkeit erwartet?

Rohwein: Ach, wissen Sie, das ist so eine Sache. Sie sollten von den Jungs nicht zu viel erwarten. Und das beziehe ich jetzt nicht nur auf Martin. Die Athleten werden auf ein Niveau gehoben, zu kleinen Helden gemacht, dabei sind es ganz normale Menschen, die einfach eines besser können als alle anderen: Skispringen. Aber wissen Sie, was mich viel mehr stört?

SPIEGEL ONLINE: Bitte.

Rohwein: Diese sogenannten Fernsehexperten. Dieter Thoma schießt seit dreieinhalb Jahren gegen mich und die Athleten, ohne sich zu informieren, ohne nur eine Sekunde nachzudenken. Das ist einfach einer, der drauf los plaudert. Die Springer nehmen das doch auch im Unterbewusstsein auf, da entsteht ein großer Druck. Thoma benutzt die Fernsehbühne, um seinen Namen im Gespräch zu halten. Die wirklich großen Leute des Deutschen Skisprungs sind Jens Weißflog und Sven Hannawald. Als ich damals mit Thoma im selben Team trainiert habe, damals war er 16, war er schon genauso. Während meiner Zeit als Cheftrainer hat es viele Vier-Augen-Gespräche zwischen uns gegeben. Er versicherte mir, er sei eben so und meine die Dinge nicht so. Damit kann ich aber nichts anfangen. Das ist nicht mein Niveau.

SPIEGEL ONLINE: Sie wurden bisher stets als "loyal bis zur Selbstverleugnung" beschrieben.

Rohwein: Meinen Sie, ich weiß nicht, dass sich manche Journalisten einen Spaß daraus machen, den Rohwein endlich mal aus der Reserve zu locken? Das ist deren Sport. Manche Fragen sind so aggressiv und unter der Gürtellinie. Je ruhiger du bist, um so aggressiver werden die Fragen. Meistens gelang es mir, die Minen gut zu umgehen.

SPIEGEL ONLINE: Waren Sie zu nett für Ihren Job?

Rohwein: Es gibt ein schönes Lied, "Du musst ein Schwein sein", das trifft die Situation ganz gut. Ich greife niemanden persönlich an. Das hasse ich selbst wie die Pest. Ich sage ruhig meine Meinung, die bestimmt manchmal weh tut, aber ich verletze keinen meiner Sportler. Aber nett? Da hast du auf Dauer keine Chance.

SPIEGEL ONLINE: Was haben Sie gelernt als Trainer der deutschen Skispringer?

Rohwein: Viel! Ich weiß jetzt zum Beispiel, dass viele Absprachen besser schriftlich fixiert werden sollten. Schenkst du Vertrauen, ist das bis zu einem bestimmten Punkt bloß naiv. Und in unserem Sport geht es leider immer öfter mehr um das Drumherum als um die Leistungen.

Das Interview führte Cathrin Gilbert.

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