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05.03.2008
 

Nach Unterschenkel-Amputation

Lanzingers Eltern prüfen Schadenersatzforderung

Der erste Schock ist verdaut, es folgt die Aufarbeitung des Geschehenen: Die Eltern des verunglückten Skirennfahrers Matthias Lanziger lassen per Anwalt mögliche Versäumnisse untersuchen. Von Athleten-Seite kommt Kritik, diese wird jedoch von den Offiziellen zurückgewiesen.

Hamburg - Die Kritik an Erstversorgung und Abtransport des schwer verunglückten österreichischen Skirennfahrers Matthias Lanzinger nimmt einen Tag nach der Amputation seines Unterschenkels weiter zu. Die Eltern des 27-Jährigen haben einen Anwalt eingeschaltet und lassen mögliche Schadenersatzforderungen gegen die Veranstalter des Weltcup-Super-G-Rennens in Kvitfjell (Norwegen) prüfen. Vergangenes Wochenende hatte Lanzinger bei einem schweren Sturz im Super-G-Weltcuprennen einen offenen Schien- und Wadenbeinbruch sowie schwere Gefäßverletzungen erlitten.

In den kommenden Tagen soll Lanziger in die Salzburger Universitätsklinik überführt werden. Laut des Gefäß-Chirurgen Thomas Hölzenbein, der dem Team bei der einstündigen Not-Operation angehört hatte, wurde das Bein unterhalb des Knies amputiert. Wenn keine Komplikationen aufträten, könne Lanzinger in einem Monat bis sechs Wochen mit der Rehabilitation beginnen. Diese werde zwei bis drei Monate dauern. Die betreuenden Ärzte des Osloer Ullevål-Krankenhauses teilten heute mit: "Postoperativ befand sich Lanzinger in einem stabilen Zustand, so dass er gestern Abend noch aus dem künstlichen Tiefschlaf geholt werden konnte."

"Man wird sich anschauen müssen, ob es bei der Organisation des Rennens nicht zu schweren Versäumnissen gekommen ist. Vor allem ist zu klären, ob ausreichende Sicherheitsvorkehrungen gegeben waren", sagte Anwalt Manfred Ainedter, der ein Mandat von Matthias Lanzingers Mutter übernommen hat, heute der österreichischen Presse-Agentur APA. Da der Sportler vor seiner Einlieferung in die Osloer Uni-Klinik zunächst nach Lillehammer geflogen worden sei, sei möglicherweise Zeit verstrichen, "die Matthias Lanzinger letzten Endes das Bein gekostet" habe, so Ainedter. Zu Zwecken der Beweissicherung ließ Ainedter den amputierten Unterschenkel beschlagnahmen.

Mediziner Hölzenbein jedoch sagte: "Es haben Teile des Knochens gefehlt, es hätte dennoch das Bein amputiert werden müssen." Man solle mit Schuldzuweisungen vorsichtig sein. Die Wahrheit liege wie immer in der Mitte. Der Salzburger Unfallchirurg Herbert Resch bestätigte, dass eine Amputation auch bei schnellerem Transport hätte nötig werden können. Gleichwohl habe der Zeitfaktor eine große Rolle gespielt. Bis zu Lanzingers Einlieferung in Oslo seien fünf Stunden vergangen: "Fünf, sechs Stunden sind eine Grenzzeit, wo Gefahr höchst im Verzug ist."

Die norwegischen Veranstalter des Rennens aber wiesen Kritik an einem angeblich fehlenden Rettungshubschrauber und zu langen Transportzeiten für Lanzinger zurück. Organisationschef Svein Mundal sagte der Nachrichtenagentur NTB: "Wir hatten hier bei Weltcups schon immer einen Rettungshelikopter einsatzbereit, und so war es auch am letzten Wochenende." Aus Österreich war kritisiert worden, dass kein spezieller Rettungshubschrauber zur Verfügung gestanden habe, sondern ein Touristenhelikopter, bei dem zuerst noch eine Sitzbank ausgebaut werden musste.

"Sicherheitsmaßnahmen beim Training für gut befunden"

Der Internationale Skiverband (Fis) nahm die Veranstalter in Schutz. "Die dramatischen Folgen für Lanzinger gehen uns unheimlich an die Nieren, aber man muss aufpassen, dass jetzt nicht alles miteinander vermischt wird", sagte Herren-Renndirektor Günter Hujara der "Stuttgarter Zeitung". Er erinnerte daran, dass ein Fahrfehler die Ursache für den Sturz gewesen war. Auch Fis-Präsident Gian-Franco Kasper betonte: "Die Mannschaftsärzte vor Ort hatten die Sicherheitsmaßnahmen beim ersten Training für gut befunden."

In seiner Heimat wurde Lanzinger große Anteilnahme zuteil. Auf seiner Homepage gingen rund 3500 Gästebuch-Einträge mit Genesungswünschen und Aufheiterungen ein, zahlreiche Behindertensportler boten sich an, Lanzinger bei der Rückkehr in den Alltag zu helfen. Die österreichische Telekom ließ mitteilen, dass Lanzinger "alle Türen für eine zukünftige berufliche Karriere offenstehen".

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