Frage: Herr Krupp, am Freitag beginnt die Eishockey-WM in der Schweiz. Der Einsatz von NHL-Profi Jochen Hecht war lange fraglich, weil er nicht zum Nada-Testpool gehörte (Mittlerweile darf Hecht spielen, d. Red.). Stört das die Vorbereitung?
Uwe Krupp: Wenn man NHL-Spieler zur WM holt, kann immer mal jemand eine Bremse reinhauen. Mal lässt ihn der Verein nicht spielen, mal hat er keinen Vertrag für die nächste Saison. Bei Jochen war alles geklärt, es fehlte nur noch eine letzte Formalität.
Frage: Welche Bedeutung hat Hecht für die Mannschaft? Ist er eine Führungspersönlichkeit wie sein NHL-Kollege Marco Sturm in den vergangenen Jahren?
Krupp: Er hat eine ähnliche Präsenz auf dem Eis. In Nordamerika hat er seit Jahren einen guten Ruf. Wir sind besser, wenn er dabei ist.
Frage: Aber die deutsche Mannschaft ist 2005 auch mit Hecht abgestiegen ...
Krupp: NHL-Spieler helfen natürlich, aber sie garantieren keinen Erfolg. Wenn du ins Viertelfinale vordringst, dann hoffst du auf ihre Impulse. Aber bis dahin ist unsere Mannschaft stark genug, um unsere Ziele zu erreichen.
Frage: Wie stark ist Ihre Mannschaft im Vergleich zu den vergangenen beiden Jahren, als sie Neunte und Zehnte wurde?
Krupp: Für viele Spieler ist es die zweite oder dritte WM, sie sind an das System gewöhnt, sie kennen die Art und Weise, wie sie von mir geführt werden. Das stärkt die Mannschaft von innen heraus.
Frage: Die Spieler sprechen davon, dass sie erstmals seit 2003 wieder das Viertelfinale erreichen wollen. Ist das ein realistisches Ziel?
Krupp: Es ist gut, wenn die Spieler hohe Ziele haben. Das Viertelfinale ist für uns möglich. Wir werden das anpeilen. Das ist kein leichter Weg, doch ich bin guter Dinge. Aber dafür müssen wir sehr, sehr gutes Eishockey spielen und nicht nur für die eine oder andere Super-Überraschung sorgen, sondern auch die richtigen Spiele gewinnen.
Frage: Ein solches Spiel ist das Vorrundenduell mit der Schweiz ...
Krupp: Ich glaube, dass die Schweizer in diesem Jahr Minimum Halbfinale spielen werden. Wir müssen Frankreich in der Vorrunde schlagen und dann in der Zwischenrunde die nötigen Punkte sammeln. Die Schweizer haben eine hervorragende Liga auf höchstem Niveau, sind sehr, sehr schnell, ganz laufstark und eingespielt. Wenn wir von ihnen unser Turnierziel abhängig machen, laufen wir Gefahr, es schnell zu verfehlen.
Frage: Macht es einen Unterschied, dass Sie in diesem Jahr nicht absteigen können, weil Sie WM-Gastgeber 2010 sind?
Krupp: Das Wort Nichtabstieg nehmen wir komplett aus unserem Vokabular raus, das existiert nicht für uns. Wir gehen jedes Spiel an wie das siebte in einer Playoff-Serie. Es ist absolut egal, ob es Regularien gibt, die eine Katastrophe verhindern würden.
Frage: Geht es in der Schweiz auch darum, durch eine gute Plazierung eine leichtere Vorrundengruppe für die Heim-WM im nächsten Jahr zu bekommen?
Krupp: Wir konzentrieren uns auf diese WM, solche mathematischen Spielchen mache ich nicht.
Frage: Hat denn bei der Zusammensetzung der Mannschaft die WM 2010 eine Rolle gespielt?
Krupp: Wenn zwei Spieler gleich gut sind, habe ich tendenziell den jüngeren mitgenommen.
Frage: Sie haben den Düsseldorfer Daniel Kreutzer ins Team zurückgeholt, nachdem Sie ihn bei der Olympia-Qualifikation im Februar nicht berücksichtigt hatten. Warum?
Krupp: Wir sind jetzt anders aufgestellt. Das Bild hat sich durch Verletzungen verändert, so fehlt etwa eine feste Größe wie John Tripp. Daniel Kreutzer hat auch davon profitiert. Aber in erster Linie war ausschlaggebend, dass er in den Playoffs bei der DEG der beste deutsche Spieler war. Er gibt uns eine gewisse Erfahrung. Aber er wird sich seine Eiszeit verdienen müssen.
Die Fragen stellte Thomas Lipinski, sid
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