Bern - Dem Nachbarn einmal mehr knapp unterlegen, das WM-Viertelfinale in weiter Ferne: Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hat ihre schwarze Serie gegen die Schweiz mit einem unglücklichen 2:3 (1:1, 1:1, 0:0) nach Verlängerung fortgesetzt und am Sonntag zum sechsten Mal in Folge gegen den Nachbarn verloren. Gegen Abstiegskandidat Frankreich soll am Dienstag bei der Weltmeisterschaft in Bern nun zumindest der Einzug in die Zwischenrunde perfekt gemacht werden.
Direkt nach der Niederlage saß die Enttäuschung bei Routinier Daniel Kreutzer tief: "Im ersten Moment ist man frustriert. Wir waren so nah dran", sagte der Kapitän von Vizemeister Düsseldorf. Bundestrainer Uwe Krupp munterte seine Schützlinge jedoch auf. "Wir gehen erhobenen Hauptes aus der Arena. Wir haben gezeigt, was man mit Emotionen und Kampfgeist alles erreichen kann", sagte Krupp, warnte aber auch sofort davor, die Franzosen zu unterschätzen: "Das wird ein genauso enges Spiel."
Matchwinner der Schweizer war nach 78 Sekunden der Zusatzspielzeit Kapitän Mark Streit in 4:3-Überzahl. "Das war kein schöner Sieg, aber letztlich haben wir gewonnen. Es war das erwartet schwere Spiel gegen den Erzrivalen und ein Schuss ins Glück", sagte der NHL-Profi, der die Hausherren in die Zwischenrunde führte.
Christoph Ullmann (7.) hatte nach dem 0:5 gegen Russland zunächst für den ersten deutschen WM-Treffer gesorgt. Beim ersten Überzahlspiel bediente Sven Butenschön mustergültig den frei stehenden Kölner. Die kleine deutsche Fan-Kolonie unter den 11.423 Zuschauern sang auf dem Oberrang laut und euphorisch. Den 1:2-Rückstand durch Roman Wick (9.) und Mathias Seger (24.) glich NHL-Profi Christoph Schubert (34.) aus. Damit sorgte er zumindest für den ersten deutschen Punktgewinn im Turnier.
"Das ist uns über Jahre nicht gelungen. Das ist das Positive, das wir mitnehmen müssen", forderte Verteidiger Michael Bakos. Der Ingolstädter konnte nach seiner Augenverletzung aus der Auftaktpartie gegen Weltmeister Russland mit einem Spezialhelm spielen, war aber erneut der Pechvogel: Als Bakos in der Verlängerung auf die Strafbank musste, traf Streit per Schlagschuss. "Das war keine Strafe. Zehn Sekunden vorher hätte ich eine Strafe bekommen müssen, das andere war wohl nur eine Folge-Entscheidung", sagte er.
"Über weite Strecken haben wir gut mitgehalten. Die Schweiz war im dritten Drittel besser und hat sich mehr Chancen erspielt", analysierte Krupp und lobte den guten Torhüter Dimitri Pätzold, der sein Team im Schlussabschnitt bei einer 3:5-Unterzahl im Spiel hielt. NHL-Profi Jochen Hecht hatte kurz vor Ende der regulären Spielzeit bei 5:3-Überzahl sogar die Chance (54.) zum deutschen Sieg, schoss aber vorbei.
wit/dpa/sid
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