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08.02.2010
 

Vancouver 2010

Känguru darf bleiben, grüne Klötzchen erstaunen

Känguru-Fahne im Olympischen Dorf: Keine offiziellen Merchandising-ArtikelZur Großansicht
AFP

Känguru-Fahne im Olympischen Dorf: Keine offiziellen Merchandising-Artikel

Australien feiert den ersten Sieg in Vancouver: Das Team darf seine Flagge eines boxenden Kängurus im Olympischen Dorf hängen lassen. Einige Eisschnellläufer wundern sich über grüne Kurvenmarkierungen - bislang leuchteten sie immer rot. Es gibt einen neuen Rekord an Teilnehmer-Nationen.

Hamburg - Die Australier haben den Machtkampf mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) um das boxende Känguru gewonnen. Nach einem mehrtägigen Streit gab das IOC den Australiern nun offiziell die Erlaubnis, die riesige Fahne mit dem Beuteltier im Olympischen Dorf hängen zu lassen. Zunächst hatten die IOC-Funktionäre die Entfernung der Flagge verlangt. Angeblich störte man sich im Olymp aus markenrechtlichen Gründen an dem Känguru. Bei einem "Friedensgespräch" auf höchster Ebene am Sonntag zwischen IOC-Boss Jacques Rogge und John Coates, Präsident des Australischen Olympischen Komitees, wurde nun eine Lösung gefunden. Das IOC habe eindeutige Gesetze formuliert, wie die Rechte der Olympia-Sponsoren geschützt werden müssen, sagte Coates: "Und in Vancouver werden keine offiziellen Merchandising-Artikel mit dem boxenden Känguru verkauft."

Die Australier feierten die Nachricht vom Bleiben des Kängurus fast wie einen Olympiasieg. "In unserem Quartier war der Jubel natürlich riesengroß", sagte Ian Chesterman, Chef de Mission des 45-köpfigen australischen Teams. Schließlich sei das gelbe Känguru mit den roten Boxhandschuhen seit den Olympischen Sommerspielen in Sydney 2000 das Maskottchen der australischen Mannschaft. Berühmtheit erlangte das boxende Känguru 1983 beim Sieg der australischen Segler im America's Cup. Danach kaufte das Olympische Komitee Australiens dem Besitzer der siegreichen Yacht "Australia II", Alan Bond, den Markennamen ab.

Ski-Rennläuferin Marjan Kalhor wird bei der Eröffnungsfeier die Fahne des Iran tragen. Die 22-Jährige ist zugleich die erste Frau, die für die Islamische Republik an Winterspielen teilnimmt. Kalhor startet in der zweiten Wettkampfwoche im Riesenslalom und im Slalom und plant, in einem Rennanzug, allerdings auch mit einer traditionellen islamischen Kopfbedeckung unter dem Helm an den Start zu gehen. Sie hatte bereits an den Weltmeisterschaften im Februar 2009 in Val d'Isere teilgenommen und Rang 60 im Riesenslalom belegt.

Mit Erstaunen und Kritik haben die niederländischen Eisschnellläufer grüne Klötzchen als Kurvenmarkierung auf dem Eis der 400-Meter-Bahn des Olympic Oval in Vancouver zur Kenntnis genommen. Seit mehr als 20 Jahren werden die Laufbahnen und Kurven mit knallroten Klötzchen abgegrenzt. "Grün ist beinahe nicht zu sehen. Da kann ein Sportler sehr schnell draufkommen und stürzen. Das ist ein Sicherheitsproblem", sagte der niederländische Teamchef Wopke de Vegt und fügte hinzu: "Die Sportler haben sich an die rote Farbe gewöhnt. So schnell können sie sich nicht umstellen." De Vegt beklagte zudem, dass die Athleten im Vorfeld nicht über die Änderung informiert worden seien. Einige andere Nationen schlossen sich der niederländischen Kritik an und verlangten die knallroten Klötzchen zurück. Sie übergaben der technischen Kommission des Eissport-Weltverbandes Isu ein Protestschreiben. Am Montag will die Kommission auf einer Sitzung den Klötzchenprotest besprechen.

Die Winterspiele haben einen Rekord an Teilnehmer-Nationen. In Vancouver werden Athleten aus 82 Ländern in 86 Wettbewerben an den Start gehen. Das bestätigte Mark Adams, Kommunikations-Direktor des IOC. In Vancouver wird damit das bisherige Rekordergebnis der Winterspiele 2006 in Turin (80) übertroffen. Ob dies auch hinsichtlich der Zahl der Athleten der Fall ist, wird sich erst in einigen Tagen zeigen. Hier gelten bisher die 2508 Teilnehmer von Turin als Rekordergebnis.

Der wegen Steuerhinterziehung verurteilte Südkoreaner Lee Kun-Hee ist wieder vollwertiges Mitglied des IOC. Das beschloss die IOC-Exekutive auf einer Sitzung in Vancouver. Lee, ehemaliger Boss des südkoreanischen Konzerns Samsung, hatte seine Mitgliedschaft seit dem Vorjahr wegen seiner Verurteilung ruhen lassen. Allerdings war der 67-Jährige Ende 2008 von Staatspräsident Lee Myung-Bak begnadigt worden, worin viele Beobachter eine Geste mit Blick auf die Bewerbung des südkoreanischen Pyeongchang um die Winterspiele 2018 sahen. Im IOC darf Lee jedoch laut einer Empfehlung der Ethik-Kommission bis auf weiteres keinerlei Funktionen übernehmen.

fsc/sid

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