Von Peter Ahrens
Bei den olympischen Wettkämpfen in Whistler mochte Beat Hefti nun lieber keinen zweiten Trainingslauf absolvieren, weil er im ersten Lauf mit seinem Bob umgekippt ist. Hefti und sein Anschieber Thomas Lamparter rutschten den Eiskanal herunter, Prellungen und Schürfungen am ganzen Körper waren die Folge.
Der Trainingsunfall war einer von elf im Whistler Sliding Centre. Selbst die besten Piloten hatten bei bis zu 150 Stundenkilometern mit der Bahn im Training die größte Mühe. Deutschlands Karl Angerer kippte mit seinem Sportgerät ebenso um wie der Schweizer Daniel Schmid oder der Niederländer Edwin van Calker, die allesamt zur erweiterten Weltspitze zählen. Auch Bobs aus Japan und Rumänien schlitterten kopfüber den Eiskanal herunter. Der Anschieber des Italieners Fabrizio Tosini flog beim Sturz sogar aus seinem Bob. Er kam aber mit dem Schrecken davon. Anders als der Hintermann des Australiers Christopher Spring, der mit der Ambulanz ins Krankenhaus gebracht wurde. "Die Bahn ist brutal schnell", sagt Angerer. Der Liechtensteiner Michael Klingler, keiner der Großen auf der Bahn, hat sich ein neues Ziel für die Olympischen Spiele gesetzt: "Viermal gesund unten ankommen."
Goldfavorit Lange blendet die Stürze aus
75 Millionen Euro hat die Bahn in Whistler gekostet. Einen Superlativ hat sie sicher: Die gefährlichste Bobbahn der Welt. Wahlweise in den Medien auch schon "Eiskanal des Grauens" getauft.
Der Bob-Weltverband FITB nennt diese Häufung "nichts Ungewöhnliches". Auch nach dem tödlichen Unfall des Rodlers Nodar Kumaritaschwili hatte das Vorgehen des Weltverbands für Unverständnis gesorgt: Der FITB hatte Athleten und Betreuern verboten, sich über die Bahn zu äußern. Mit dem Maulkorb wolle man Unruhe vermeiden, so die Begründung der Funktionäre. Kommentar des deutschen Sportdirektors Thomas Schwab dazu: "Lächerlich, dass man gestandenen Trainern das Mundwerk verbieten lassen will. Ein Witz."
Ein Toter im Eiskanal, furchtbar anzusehende Stürze bei der Frauen-Abfahrt - das alles scheint am Bob-Weltverband abzuprallen. Das Thema werde übertrieben diskutiert, so FIBT-Sprecher Bob Krone. Und weiter: "Man sieht ja, dass sich die Piloten am Start nicht zurückhalten, sondern sofort volles Risiko gehen." Und außerdem: Bei den Spielen 2002 in Salt Lake City habe es 17 Unfälle gegeben. FIBT-Vizepräsident und Kommunikationsdirektor des Weltverbandes Paul Pruszynski drohte sogar jedem Athleten Sanktionen an, der mit Journalisten über Sorgen um die Sicherheit spreche.
Die Drohung der FIBT scheint Wirkung zu haben. Deutschlands Goldanwärter im Zweier- und Viererbob, André Lange, gibt sich zu dem Thema mittlerweile leise. Er sagt, er wolle sich auf den Sport konzentrieren: "Das mit den Stürzen muss man ausblenden."
Sorgen vor dem Frauen-Wettbewerb
Nun steht zu befürchten, dass sich in den kommenden Tagen die Unfälle noch häufen - wenn die Frauen im Zweierbob durch die Bahn jagen. Frauen-Bob ist eine noch relativ junge Sportart, viele Fahrerinnen sind noch nicht besonders routiniert und könnten mit der Whistler-Bahn überfordert sein.
An den Start gehen unter anderem die zwei Belgierinnen Elfje Willemsen und Eva Willemarck, die ihre Olympiateilnahme einer Castingshow im Fernsehen verdanken. Oder die Australierinnen Astrid Loch-Wilkinson und Cecilia McIntosh, die ihr Startrecht beim Internationalen Sportgerichtshof Cas eingeklagt haben.
Beat Hefti wird am Sonntag übrigens trotz seiner Verletzungen an den Start gehen. Er will Olympiasieger werden.
Alles andere wird ausgeblendet.
Mit Material von dpa und sid
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