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26.02.2010
 

Kanadisches Eishockey-Gold

Feuer, Eis und Prost!

Von Birger Hamann

Kaum hing die Medaille am Hals, da knallten auch schon die Korken: Kanadas Eishockey-Frauen haben noch auf dem Eis ihren Sieg über die USA begossen und dazu Zigarren geschmaucht - zum Ärger der IOC-Funktionäre.


So etwas nennt man eine rauschende Party: Die Champagnerkorken knallen, Bierdosen zischen, Tessa Bonhomme und Marie-Philip Poulin stecken sich dicke Zigarren in den Mund - und Colleen Sostorics entert kurzerhand die Eismaschine. Vor 19.300 Zuschauern feierten Kanadas Eishockey-Frauen ihren Olympia-Triumph noch auf dem Eis. Gold: 2:0-Finalsieg gegen die USA. Ein ganzes Land im Ausnahmezustand.

Es ist der dritte Olympia-Triumph nacheinander für die Frauen, die Atmosphäre riesig - und der Kater auch.

Denn die IOC-Funktionäre fanden keinen Gefallen an der Sause und kündigten Konsequenzen, eine Untersuchung an: "So etwas wollen wir nicht sehen. Das ist keine gute Werbung für den Sport", sagte Gilbert Felli, Exekutiv-Direktor des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). "Sie können in der Kabine feiern, aber nicht in der Öffentlichkeit."

Spontane Party nicht vorgesehen

Spontane Partys sieht das Regelwerk bei den Olympischen Spielen nicht vor. Der Blumenstrauß direkt nach dem Sieg, ja, die Medaillenübergabe samt Nationalhymne später auf der Medal Plaza, natürlich, dazu gerne auch Jubelschreie und Tränen - aber sauber, anständig, gesittet.

Während die kanadischen Spielerinnen und Fans zunächst wenig Verständnis für den Rüffel des IOC hatten, war das kanadische Olympia-Komitee um Schadensbegrenzung bemüht. "Wir dulden Feiern, aber keine Verantwortungslosigkeit", stellte Sprecher Steve Keough klar. Allerdings sagte er auch: "Eine spontane Siegesfeier ist bei uns nichts Ungewöhnliches. Wenn die Spielerinnen das entsprechende Alter haben, ist das nichts Illegales." Trotz der angekündigten Untersuchung seitens der IOC-Ordnungshüter: Mehr als eine Rüge dürfte dem kanadischen Team wohl nicht drohen.

Frauen-Eishockey zu einseitig

Die Siegesfeier ist nicht der einzige Grund, warum Frauen-Eishockey derzeit Schlagzeilen macht. Die Wettkämpfe sind den IOC-Verantwortlichen zu einseitig. Kanada gewann in der Vorrunde 18:0 (gegen die Slowakei), 10:1 (Schweiz) und 13:1 (Schweden), die andere weibliche Eishockey-Großmacht, die USA, siegten 12:1 (China), 13:0 (Russland) und 6:0 (Finnland). Die Endspielpaarung stand schon vor dem Turnier so gut wie fest, weshalb IOC-Präsident Jacques Rogge bereits mit dem Rauswurf des Frauen-Eishockeys aus dem olympischen Programm drohte. Rogge hatte angesichts der erdrückenden Dominanz der beiden Dauer-Finalisten eine größere Leistungsdichte gefordert: "Ich persönlich würde dem Frauen-Eishockey Zeit geben. Aber ohne Entwicklung können wir nicht weitermachen."

Mit seinen Aussagen handelte sich Rogge prompt einen Konter von Kanadas "Hockey-Queen" Hayley Wickenheiser ein, die als beste Spielerin der Welt gilt und bei allen drei olympischen Endspielsiegen für ihr Land auf dem Eis stand. "Es wäre schön, wenn solche Leute selbst für einen Aufschwung sorgen würden", sagte sie.

Seit 1998 ist Frauen-Eishockey olympisch. Dreimal gewann Kanada (2002 in Salt Lake City, 2006 in Turin und nun im eigenen Land), einmal die USA (1998 in Nagano). "Es liegt am Rest der Welt, sich zu steigern. Schweden und Finnland sind nicht so weit weg, wie es aussieht", betont Wickenheiser. "Wir haben schon gegen Finnland und Schweden verloren. Beide Nationen holen auf, allerdings nur langsam", ergänzt Wickenheisers Mitspielerin Gillian Apps.

Mitleidsregel als möglicher Ausweg

Das IOC überlegt derweil, wie es das Frauen-Eishockey modifizieren kann. Womöglich wird schon bei den nächsten Winterspielen in Sotschi eine sogenannte Mitleidsregel eingeführt. Demnach wäre ein Spiel vorzeitig beendet, sollte eine Mannschaft schon frühzeitig allzu deutlich führen. Konkret ist das aber noch nicht. "Hauptsache, wir dürfen weiterhin spielen. Denn es wäre eine Schande, würden sie uns Olympia wegnehmen", sagt US-Spielerin Natalie Darwitz.

Die Bedenken der IOC-Verantwortlichen können die Eishockey-Männer übrigens nicht teilen. "Es hat Spaß gemacht zuzuschauen", sagte Roberto Luongo nach dem Endspiel der Frauen. Kanadas Eishockey-Nationaltorwart steht mit seinem Team im Halbfinale, wo der Gastgeber am Freitag (3.30 Uhr MEZ, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf die Slowakei trifft. Es soll nur eine weitere Zwischenstation auf dem Weg zum Olympiasieg sein, dem nationalen Auftrag.

Sollten auch die kanadischen Männer im eigenen Land Gold holen, wissen sie zumindest schon vorher, wie sie sich bei der Siegesfeier zu verhalten haben.

Mit Material von sid und dpa

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28.02.2010 von Crom:

Heute fallen ja nur noch zwei Entscheidungen, drücken wir die Kanadier im Eishockey-Finale die Daumen, dann können wir uns zumindestens über Platz 2 freuen, außer der Tobi macht vorher alles klar. mehr...

28.02.2010 von R_Winter: Profilneurose

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