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12.03.2010
 

Fall Pechstein

Böses Blut

Von Peter Ahrens und Cinthia Briseño

Der Dopingfall Pechstein: Blut, Schweiß und Tränen
Fotos
DDP

Mediziner machen sich für die gesperrte Claudia Pechstein stark und halten eine körperliche Ursache ihrer erhöhten Blutwerte für denkbar. Während die 38-jährige Eisschnellläuferin jubelt, bleiben die Dopingfahnder unbeeindruckt.

Gerd Heinze weiß schon seit geraumer Zeit nicht mehr so recht, was er glauben soll. Der Präsident der Deutschen Eisschnelllaufgemeinschaft DESG hat sich seit Monaten mit dem vermeintlichen Dopingfall Claudia Pechstein zu beschäftigen. Ein Fall, in dem mittlerweile so viele Wahrheiten auf dem Markt sind, dass Heinze sich am liebsten "auf die Rolle des neutralen Beobachters zurückziehen" würde. Am kommenden Montag geht die Dauer-Causa Pechstein in die nächste Runde: Dann werden Mediziner auf einer Pressekonferenz den Dopingnachweis bei der Sportlerin anzweifeln.

Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie DGHO will bei dem Termin Erkenntnisse präsentieren, nach denen die auffälligen Blutwerte Pechsteins auch körperliche Ursachen haben könnten. Die Athletin hatte bereits im vergangenen Sommer, als der Dopingvorwurf gegen sie öffentlich wurde, eine mögliche Krankheit als Ursache für ihre Werte angeführt. Sie konnte dies allerdings nicht belegen. Experten hatten Pechsteins Version als unglaubwürdig bezeichnet.

Der Vorsitzende der DGHO, Gerhard Ehninger, vollzieht jetzt eine Rolle rückwärts. Im August hatte er die Version von der körperlichen Ursache für die Blutwerte noch abgetan und die Dopingversion für wahrscheinlich gehalten. Jetzt sagt er: "Bei Frau Pechstein wurden Veränderungen des roten Blutbilds gefunden, die nicht zu Doping passen und für eine angeborene Störung sprechen."

Anti-Doping-Agentur bleibt bei ihrer Linie

Er und zwei Kollegen, die ebenfalls am Montag an die Öffentlichkeit gehen werden, halten die zweijährige Sperre Pechsteins demnach für "haltlos". Der Direktor des Instituts für Physiologie, Wolfgang Jelkmann, spricht davon, dass der "Internationale Sportgerichtshof Cas Pechstein hätte freisprechen müssen". Jelkmann hatte seine Erkenntnisse auch schon dem Cas vorgetragen. Seine Argumente waren jedoch zu den Richtern nicht durchgedrungen. Er ist überzeugt, die Messergebnisse "widersprechen eindeutig einem Blutdoping".

Was die Dopingfahnder vom Weltverband Isu und von der Nationalen Anti-Dopingagentur Nada weiterhin ganz anders sehen. "Der Fall muss nur neu aufgerollt werden, wenn bewiesen ist, dass ihre Werte weder durch eine verbotene Substanz noch durch eine verbotene Methode erzielt wurden", sagt die Chefjuristin der Nada, Anja Berninger.

Auf der Pressekonferenz am Montag wird sich wohl alles mehr oder weniger nur um eines drehen: die Retikulozyten von Pechstein. Die Werte der 38-Jährigen waren im Vorfeld der Weltmeisterschaften im norwegischen Hamar 2009 auffällig hoch. Viel höher als die 2,4 Prozent an der Gesamtmenge roter Blutkörperchen, die bei Eisläufern erlaubt sind. Findet sich sonst keine andere medizinische Erklärung dafür, gehen Experten von einer Manipulation aus.

Retikulozyten sind diejenigen Vorläuferzellen, aus denen die roten Blutkörperchen gebildet werden. Bei Pechstein, so werden die geladenen Hämatologen am Montag argumentieren, sei der Anteil dieser jungen Blutkörperchen im Blut nicht etwa deshalb so hoch, weil die Athletin gedopt hätte, sondern weil Pechstein an einer seltenen Anomalie leide: der sogenannten heriditären Sphärozytose (HS), auch Kugelzellenanämie genannt.

Pechsteins Werte schwanken

Bei dieser Art von Blutarmut haben die roten Blutzellen einen Defekt in ihrer Membran. Statt flachen und leicht gebogenen Plättchen bilden sich annähernd kugelförmige Erythrozyten aus. Die deformierten Blutzellen sind jedoch kurzlebiger; die Milz sortiert sie schneller aus, und die Nachproduktion neuer Blutzellen wird stark angeregt. Folge: Die Zahl der Retikulozyten, der jungen Blutkörperchen steigt. Den Leitlinien zur Diagnostik und Therapie in der Pädiatrischen Onkologie und Hämatologie zufolge, haben Menschen mit einer leichten HS Retikulozyten-Werte zwischen 1,5 und 6 Prozent.

Doch wie lässt sich erklären, dass Pechstein nicht konstant erhöhte Werte hatte, sondern diese sich bei anderen Untersuchungen durchaus auch mal im Normbereich befanden? Wissenschaftliche Studien über etwaige Schwankungen der Retikulozyten-Werte bei Athleten während verschiedener Trainingsphasen sind derzeit noch Mangelware.

Der Dopingexperte und Leiter des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung (IBMP), Fritz Sörgel, jedenfalls sagt, man könne nicht davon sprechen, "dass der Fall medizinisch geklärt sei". Seiner Meinung nach reichen die neuen Erkenntnisse dafür nicht aus. Die Möglichkeit physiologischer Ursachen für die Blutwerte sei bereits in früheren Verhandlungen Thema gewesen. Sörgel zeigte sich "ein bisschen schockiert", dass seine Kollegen "sich auf eine Stufe mit Pechstein stellen".

Für die Athletin ist der Fall klar

Expertenaussage steht weiterhin gegen Expertenaussage. Im Kampf um die Deutungshoheit müssen schon kleine Tricks helfen, die Öffentlichkeit zu beeinflussen. In der offiziellen Einladung zu der Veranstaltung am Montag wird extra auch auf die Anwesenheit des Kölner Wissenschaftlers Wilhelm Schänzer hingewiesen. Schänzer, Chef des Kölner Instituts für Biochemie, gilt als einer der renommiertesten Dopingfahnder der Republik. Wenn er sich für die Unschuld Pechsteins aussprechen würde, hätte das Gewicht.

Auf Nachfrage von Journalisten bei Schänzer stellte sich allerdings heraus, dass der Forscher nur als interessierter Beobachter im Saal sein wollte und aufgrund des öffentlichen Interesses seine Teilnahme nun ganz abgesagt hat. "Ich wollte nur hingehen, um mir das anzuhören, es gibt ja angeblich neue Daten, die ich nicht kenne."

Nur für eine ist die ganze verzwickte Angelegenheit sonnenklar: für Pechstein selbst. Eine entsprechende Agenturmeldung, die sich auf die Veranstaltung am Montag bezieht und den Titel trägt: "Blutspezialisten entlasten Claudia Pechstein", kommentiert sie auf ihrer Internetseite: "Das ist eine Überschrift, auf die ich sehr lange warten musste."

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21.03.2010 von VitusBlank: ganz einfach,

du bist schon lange durch. weniger schnaps und fettiges zucker essen, mehr sport. mehr...

21.03.2010 von VitusBlank: nein

sportgerichte nicht gleich deutsche amtsgerichte. auch wenn klaus und horst nicht wahrhaben wollen, dass dort deutsches recht NICHT gilt. kurz: cas - schweizer bundesgericht = cool dümmliche lowlifes mit deitscher hörigkeit [...] mehr...

20.03.2010 von Björn Borg: Alles so rosarot hier.... !?!

Den Rechtsstaat verdrehen, beugen und bedrohen diejenigen, die im sportlich-fairen Wettkampf unerlaubte Dopingmethoden zum Zwecke des Betrugs einsetzen. Wischen Sie bitte mal Ihre Brille sauber. mehr...

20.03.2010 von Kwisatz Haderach: Sie verdrehen den Rechtsstaat !

.. das CAS-Verfahren ist per se kein "Beweis" der Schuld von Pechstein. Und glücklicherweise gibt es dagegen auch ein Mittel - "ordentliche" Gerichte. Und Ihnen ins Stammbuch - seit der französischen [...] mehr...

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Dopingsubstanzen und ihre Wirkung

Epo/HGH

Die Ausdauerleistungsfähigkeit ist wesentlich vom Sauerstoffaufnahmevermögen abhängig. Erythropoetin (Epo), ein Peptidhormon, stimuliert die Produktion roter Blutkörperchen. Die erhöhte Anzahl im Organismus zirkulierender Erythrozyten führt zu einer Verbesserung der Sauerstoffaufnahmekapazität des Blutes und hat damit eine Steigerung der Ausdauerleistungsfähigkeit zur Folge.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verbietet seit mehr als zwölf Jahren den Gebrauch von Epo. Seit 1983 ist es möglich, Epo synthetisch herzustellen. Entwickelt wurde es für Patienten mit schweren Nierenleiden, bei denen Blutarmut auftritt. Epo gehört zur Gruppe der Peptidhormone. Ebenso wie das Wachstumshormon HGH, das zur Behandlung von Kleinwüchsigkeit eingesetzt wird. Das Wachstumshormon HGH lässt nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen wachsen, mit langen Gliedmaßen, einem verformten Kopf und Riesenhänden als Folge. Zudem verändert sich die Struktur der Organe. Auch bei den Peptid-Hormonen gibt es immer neue Varianten, die mit heutigen Dopingtests nicht erkannt werden. (mit dpa)

Anabolika

Stimulanzien

Narkotika


Epo und Epo-Doping

Erythropoetin (Epo)

Die Ausdauerleistungsfähigkeit ist wesentlich vom Sauerstoffaufnahmevermögen abhängig. Erythropoetin (Epo) ist ein Eiweißhormon, das die Produktion roter Blutkörperchen (Erythrozyten) im Körper stimuliert. Je mehr Erythrozyten im Blut, desto mehr Sauerstoff kann aufgenommen und zu den Körperzellen transportiert werden - die Leistungsfähigkeit steigt.

Struktur und Wirkung

Künstliches Epo

Nebenwirkungen

Epo-Mimetika

Epo-Doping und Nachweis






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