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03.09.2010
 

DEL-Saisonvorschau

Start der Pleiten-Liga

Von Christoffer Kleindienst

Von den Eisbären bis zu den Haien: Die Titelkandidaten in der DEL
Fotos
DPA

Der erfolgreichen WM im eigenen Land folgte das böse Erwachen: Anstatt die positive Stimmung für einen Aufschwung im Eishockey zu nutzen, wurde über Insolvenzen, juristische Streitereien und einen verkorksten Spielplan geredet. Nun startet eine Saison, in der niemand Favorit sein will.

Die Fans jubeln, der Trainer streckt die Faust Richtung Hallendach, die Spieler liegen sich in den Armen: So sah die Eishockeywelt noch im Mai aus. Deutschland schaffte sensationell den Einzug ins Halbfinale der Weltmeisterschaft. Zwar gewann das Team keine Medaille, aber die Mannschaft von Nationaltrainer Uwe Krupp hatte alle Erwartungen übertroffen.

Wenige Monate später ist für die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) vom WM-Glanz nicht mehr viel übriggeblieben: Die neue Saison findet ohne die Kassel Huskies und Frankfurt Lions statt. Beide Teams meldeten Insolvenz an und mussten sich aus der DEL verabschieden. Während die Frankfurter ohne großen Widerstand die Profiliga verließen, haben die Huskies juristisch alles versucht, um die Pleite abzuwenden. Nach monatelangem Existenzkampf bestätigte letztlich das Oberlandesgericht Köln den vom DEL-Schiedsgericht vorgenommenen Lizenzentzug des Clubs wegen der Eröffnung des Insolvenzverfahrens.

Kassel und Frankfurt sind aber keine Ausnahmen. Erst ein Jahr zuvor verschwanden die Füchse Duisburg aus der DEL, und die Clubs aus Hannover, Köln und Krefeld konnten sich nur knapp vor einem Insolvenzverfahren retten.

DEL hofft auf WM-Stimmung

"Wir müssen nach vorne schauen. Es ist wichtig, dass die WM-Stimmung jetzt schnell wieder auflebt", sagt der DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke. Jedoch lassen jüngste Meldungen Böses erahnen: Obwohl viele Clubs weiter ums finanzielle Überleben kämpfen, haben nur die wenigsten wirklich entscheidende Einschnitte im Etat vorgenommen.

Die Probleme der Liga demonstriert der Titelverteidiger Hannover Scorpions nur allzu deutlich: Vergangene Saison noch obenauf, sind die ohnehin schon großen finanziellen Sorgen nicht kleiner geworden. Gedanken an die Titelverteidigung macht sich also keiner. Somit müssen sich andere mit dem Thema Meisterschaft auseinandersetzen. Aber wer?

Eisbären Berlin und Adler Mannheim wollen Revanche

Nach dem Viertelfinal-Aus in der abgelaufenen Saison will der viermalige Meister Eisbären Berlin wieder den Titel. Nachdem die Playoffs in der vergangenen Spielzeit sehr überraschende Ergebnisse brachten, möchte aber niemand das große Ziel aussprechen. Sogar der Berliner Trainer Don Jackson, der in den Jahren zuvor immer den Gewinn der Meisterschaft als Ziel ausgegeben hatte, gibt sich zurückhaltend: "Ich weigere mich, einen Favoriten zu nennen." Allerdings: Bei einer Befragung der 14 DEL-Trainer wurden die Berliner am häufigsten genannt (zehnmal), aber das Ergebnis war keineswegs eindeutig, die anderen Teams bekamen auch einige Stimmen. In Form scheinen die Eisbären aber schon zu sein. Bei der European-Trophy konnten sie in die Finalrunde einziehen.

Die Adler Mannheim konnten bei diesem Wettbewerb hingegen nicht überzeugen, sie schieden nach der Vorrunde aus. Dementsprechend schob der neue Trainer Harold Kreis die Favoritenrolle auch anderen Teams zu: "Ich sehe die Eisbären Berlin ganz oben. Außerdem ist Wolfsburg solide aufgestellt. Auch Ingolstadt hat eine reelle Chance, sie haben sich am besten verstärkt."

Nach der überraschenden Vorsaison hoffen die Underdogs der DEL auf eine weitere Erfolgsgeschichte. Besonders der ERC Ingolstadt hat mit seiner Einkaufspolitik gezeigt, dass er mehr will. Entgegen der allgemeinen Lage gab Ingolstadt viel Geld aus, um Spieler wie den ehemaligen NHL-Stürmer Colin Forbes zu verpflichten. Ob und wie die Mannschaft harmoniert, ist die entscheidende Frage. Auch die Grizzly Adams Wolfsburg könnten nach der erfolgreichen Vorsaison um die Meisterschaft mitspielen.

Ein paar Trainer sehen als Geheimtipp auch die Hamburg Freezers. Zwar kassierte der Club jüngst eine Testspielschlappe gegen Wolfsburg, aber Trainer Stephane Richer sieht keinen Grund zur Skepsis: "Wir haben uns viele Chancen erarbeitet, mehr Torschüsse als der Gegner abgegeben, aber zu wenige Tore geschossen." Die DEG MetroStars und Kölner Haie hoffen auf eine bessere Saison als zuletzt, um die Meisterschaft werden sie jedoch kaum mitspielen.

Zwei spielfreie Mannschaften pro Spieltag

Mit dem Aufsteiger EHC München sind insgesamt 14 Teams in der Liga. Und obwohl man eine gerade Anzahl an Mannschaften in der DEL hat, gibt es zwei Vereine pro Spieltag, die spielfrei haben. Eine verwirrende Konstellation, aber die Clubs haben sich einstimmig dafür entschieden. Hintergrund: Erst seit einer Woche ist die Disqualifikation der Kassel Huskies perfekt. Und so kurz vor Saisonstart sei eine Veränderung des kompletten Spielplans zu kurzfristig. Somit wird die Teams das Insolvenzchaos des Sommers das ganze Jahr lang begleiten.

Mit Material von sid und dpa

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  • Hannover Scorpions

Die Meister der Deutschen Eishockey-Liga
Jahr Verein
2011 Eisbären Berlin
2010 Hannover Scorpions
2009 Eisbären Berlin
2008 Eisbären Berlin
2007 Adler Mannheim
2006 Eisbären Berlin
2005 Eisbären Berlin
2004 Frankfurt Lions
2003 Krefeld Pinguine
2002 Kölner Haie
2001 Adler Mannheim
2000 München Barons
1999 Adler Mannheim
1998 Adler Mannheim
1997 Adler Mannheim
1996 Düsseldorfer EG
1995 Kölner Haie





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