Spiele in Sotschi 11. Winter-Paralympics sind offiziell beendet

Die 11. Winter-Paralympics sind nach neun Wettkampftagen Geschichte. Die Schlussfeier wurde wie schon die Eröffnungszeremonie von der Politik überschattet: Ein russisches Regierungsmitglied und Vertrauter Putins durfte sprechen - entgegen des Protokolls.

Ukrainische Fahnenträgerin Pawlenko: Stiller Protest
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Ukrainische Fahnenträgerin Pawlenko: Stiller Protest


Hamburg - Die Paralympics von Sotschi haben ihr Ende mit einem russischen Affront gegen die Ukraine gefunden. Entgegen den Gepflogenheiten hielt bei der Abschlussfeier Vize-Ministerpräsident Dmitri Kosak die Rede für Gastgeber Russland - fast zeitgleich mit dem ersten Ergebnis des umstrittenen Krim-Referendums. Eigentlich wäre dafür Organisationschef Dmitri Tschernyschenko zuständig gewesen. Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) räumte offen eine Abweichung vom eigenen Protokoll ein.

Der Fall stelle eine "ganz besondere Ausnahme" dar und sei Kosaks großen Verdiensten beim Sotschi-Projekt zuzurechnen, erklärte IPC-Präsident Philip Craven. "Er war verantwortlich für die barrierefreien Spiele und wird die Ausweitung dieser Philosophie auf ganz Russland anführen", sagte der Brite. Später lobte er die "besten Paralympischen Spiele, die jemals stattgefunden" hätten. Russlands Präsident Wladimir Putin beobachtete das Spektakel mit bunten Feuerwerken, Lichtershow und aufwendigen Inszenierungen wie Regierungschef Dmitri Medwedew von Ehrenplätzen auf der Tribüne.

Ukrainische Fahnenträgerin mit stillem Protest

Putins Vertrauter Kosak sagte in seiner Rede: "Diese Spiele sind weit über den Sport hinausgegangen." Bestrebungen, dass bereits bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele vor wenigen Wochen ein Regierungsmitglied hätte sprechen sollen, waren noch vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) abgelehnt worden.

Die ukrainische Fahnenträgerin Ljudmila Pawlenko zeigte sich beim Einmarsch der Teams emotionslos. Die Langläuferin verzichtete im Gegensatz zu anderen Sportlern drauf, ihre Fahne zu schwenken. Als Zeichen stillen Protests hing diese nur am Rollstuhl. Für das deutsche Team trug Langläufer und Biathlet Wilhelm Brem die schwarz-rot-goldene Flagge ins Fischt-Stadion. Um 21.35 Uhr Ortszeit erklärte Craven die Spiele offiziell für beendet.

Erst kurz vor der Schlusszeremonie hatten die Ukrainer ihre Teilnahme erklärt. "Ich glaube, dass die Paralympics eine weitere Eskalation von militärischer Intervention auf ukrainischem Hoheitsgebiet gestoppt haben", sagte Waleri Suskjewitsch, Präsident des ukrainischen Paralympics-Komitees.

Die Protokolländerung sorgte auch im deutschen Team für Unmut: "Das ist ein erneuter Versuch, die Spiele politisch zu instrumentalisieren. Das ist schon sehr dreist", sagte der deutsche Verbandschef Friedhelm Julius Beucher.

Abseits der Politik durfte sich Craven indes über Rekordspiele in fast jeder Hinsicht erfreuen. Es wurden nach offiziellen Angaben weitaus mehr Tickets als noch vier Jahren in Vancouver verkauft. Nie zuvor hatten an Paralympics mehr Athleten aus mehr Nationen teilgenommen. Die Russen heimsten bei 72 Entscheidungen sensationelle 80 Medaillen ein - ein Rekord bei Winter-Paralympics. Deutschland kam mit 15 Medaillen auf Platz zwei.

psk/dpa/sid



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