Schweizer Skistar Cuche sagt tschüss

Rennopa, Kraftpaket, Seriensieger: Nach knapp 20 Jahren im Ski-Zirkus verabschiedet sich der Schweizer Rennfahrer Didier Cuche in den Ruhestand. Zum Abschluss will er es beim Weltcup-Finale noch einmal allen zeigen - und einen Rekord von Ski-Legende Franz Klammer einstellen.

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Muss man als Abfahrtsläufer wahnsinnig sein? Wenn man sich als Ski-Laie die Weltcup-Abfahrten anguckt, gespickt mit engen Kurven und spektakulären Sprüngen, dann kann man schon zu dieser Einschätzung kommen. Auf einigen Rennstrecken fliegen die Abfahrer 60 Meter weit und erreichen Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 140 Kilometern pro Stunde.

Ist Wahnsinn also Voraussetzung für Erfolg?

"Das ist etwas übertrieben. Wahnsinn alleine reicht nicht, um schnell zu fahren. Dazu gehört vor allem hartes Training", sagt der Schweizer Abfahrer Didier Cuche SPIEGEL ONLINE: "Aber mutig muss man schon sein."

Die Abfahrt ist die Königsdisziplin im alpinen Skirennsport. Sie fordert vom Athleten Kraft, Ausdauer und eine exzellente Technik. Und Didier Cuche ist unbestritten ihr Meister. Viermal hat der 37-Jährige den Weltcup in dieser Disziplin bereits gewonnen, fünfmal die legendäre Streif, die prestigeträchtigste Strecke der Welt. Damit ist er alleiniger Rekordhalter in Kitzbühel.

An diesem Mittwoch wird im österreichischen Schladming der Abfahrts-Weltcup entschieden (9.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Cuche steht mit 521 Punkten auf dem zweiten Platz hinter dem Österreicher Klaus Kröll (569) und hat noch Chancen auf den Abfahrt-Gesamtsieg. Gelingt ihm das, würde Cuche mit Ski-Legende Franz Klammer gleichziehen, der bislang als einziger fünfmal in dieser Disziplin triumphieren konnte. Es ist Cuches letzte Chance: Der Schweizer hat im Januar seinen Rücktritt zum Saisonende angekündigt.

Cuche will den Weltcup-Sieg

Wer nun ein großes Schaulaufen des Schweizers erwartet, wird enttäuscht werden. Cuche fährt nicht nach Schladming, um einen großen emotionalen Abschied zu erleben. Cuche will siegen. "Es steht noch viel auf dem Spiel. Und nur durch Genießen werde ich nicht gewinnen." Cuche will Vollgas geben. Er kann auch nicht anders.

Zu lange hat er an sich gearbeitet, zu viele Misserfolge durchlebt, um zu glauben, dass Erfolg von alleine kommt. Er musste in den fast 20 Jahren auf der Tour hart für seine 21 Weltcup-Einzelsiege, seine olympische Silbermedaille und sein WM-Gold im Super-G arbeiten.

Auf Youtube kann man einen Einblick bekommen, wie Cuche sich im Training quält. Auf einer mit Stangen unterlegten Bank balancierend, fängt er einen Medizinball und wirft ihm seinen Trainer zurück, mit schweren Gewichten auf den Schultern steigt er auf eine Bank und wieder runter. Immer und immer wieder.

Cuche brauchte 30 Jahre, um sich in der Weltspitze zu etablieren

Vor allem dieser harten Arbeit hat der gelernte Metzger seinen Erfolg zu verdanken. "In der Spitze ist es so eng, mit einem Zehntel Rückstand ist man schon Vierter. Selbst wenn man talentiert ist, muss man auch im Kraftbereich richtig arbeiten", sagt Cuche, der lange schuften musste, bis die regelmäßigen Erfolge kamen. Erst mit über 30 Jahren hatte er sich in der Weltspitze etabliert.

Misserfolge sind für Cuche kein Fremdwort. Er war lange als "ewiger Zweiter" verschrien, konnte die hohen Erwartungen in ihn nicht erfüllen und wurde auch durch Verletzungen immer wieder zurückgeworfen. "Als ich jung war, war der Druck von allen Seiten hoch", beschreibt Cuche diese Phase: "Man musste Leistung bringen." Natürlich hatte er auch Selbstzweifel: "Die gibt es immer, unabhängig vom Alter. Ich war früher manchmal zu ehrgeizig und bei Misserfolgen zu hart zu mir selbst."

Ein Comeback kommt für Cuche nicht infrage

In Schladming geht Cuches Karriere nun zu Ende. Noch einmal kann er das Publikum mit seiner Fahrweise begeistern - und mit seinem akrobatischen Trick im Zieleinlauf: Er löst seine Bindung, schleudert den Ski mit einer anderthalbfachen Drehung in die Luft und fängt ihn mit der Hand auf. Das ist sein Markenzeichen geworden.

Nach der Abfahrt am Mittwoch hat er auch noch die Chance auf den Gesamtweltcup im Super-G am Donnerstag (9.30 Uhr). Sein letztes Rennen bestreitet er dann am Samstag im Riesenslalom (10 Uhr, jeweils Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Auch die Zeit nach seiner Karriere hat Cuche schon geplant. Er hat Kooperationen mit mehreren Firmen, in Aussicht stehen sogar Fahrten auf Auto-Rennstrecken. Auch der Schweizerische Skiverband hat schon angeklopft. "Doch da muss man sich noch zusammensetzen", sagt Cuche.

Ob er noch einmal wiederkomme? Ein Comeback wagen, wie so viele erfolgreiche Sportler, denen im Ruhestand zu langweilig wurde? "In unserem Sport ist es so: Wenn man ein Jahr weg ist, dann hat man keine Chance mehr, zurückzukommen. Ausnahmen sind da nur verletzungsbedingte Pausen. Aber mit 38 ist eine Rückkehr kein Thema."



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