Neuners Abschied: Die Unersetzliche geht

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Abschied mit Platz sechs: Die einmalige Karriere von Biathlon-Star Magdalena Neuner ist im russischen Chanty-Mansijsk zu Ende gegangen. Die 25-Jährige darf ein neues Leben anfangen - das deutsche Biathlon muss es.

Biathlon-Star Neuner: Das allerletzte Weltcup-Rennen beendet Zur Großansicht
Bongarts/Getty Images

Biathlon-Star Neuner: Das allerletzte Weltcup-Rennen beendet

Endlich ist Ruhe. Magdalena Neuner hat das letzte Weltcuprennen ihrer Karriere gelaufen. Sie hat noch einmal alles gegeben, wie immer, auch wenn es beim Massenstart-Rennen im russischen Chanty-Mansijsk nur für Platz sechs reichte. Die Neuner-Festspiele sind vorbei. Das deutsche Biathlon wird es ganz schnell merken.

Die vergangenen Monate waren anstrengend - zuallererst für die Athletin selbst, die am Winterbeginn ihren Abschied angekündigt und damit eine Lawine losgetreten hatte. Es begann der Neuner-Hype, der in der Heim-WM in Ruhpolding gipfelte. Die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten überboten sich darin, die Weltmeisterschaft im eigenen Lande zu einer Art Krönungsmesse für die 25-Jährige umzugestalten. Neuner hier, Neuner da.

Es spricht für die außergewöhnliche Qualität der Sportlerin, dass sie all das relativ gut weggesteckt hat. Am Ende holte sie in Ruhpolding ihre von allen erhofften WM-Titel und noch den Gesamtweltcup. Neuner hatte den großen Vorteil, dass sie sich selbst frühzeitig den großen Druck genommen hat. Sie konnte sich früh mit ihrem bevorstehenden Abschied auseinandersetzen. Neuner wirkte unbelastet von all den öffentlichen Erwartungen. Das war vielleicht ihre allergrößte Leistung.

Neuner konnte sich in der Öffentlichkeit perfekt inszenieren

Jetzt steht der zwölffachen Weltmeisterin, der dreifachen Gesamt-Weltcupsiegerin und dem zweifachen Olympia-Champion also ein Leben jenseits der Schlagzeilen bevor. Ihre Heimatregion, das Wallgau, wird wieder in der medialen Bedeutungslosigkeit versinken, nachdem dort Jahr für Jahr die Journalisten eingefallen waren, um die Bodenständigkeit der prominentesten Wallgauerin auszuloten. Nachbarn, Familie und Freunde Neuners sind im Lauf der Zeit samt und sonders zu öffentlichen Personen geworden. Auch das wird sich schlagartig ändern.

Neuner hat es immer perfekt verstanden, sich als das Mädchen von nebenan zu inszenieren. Das strickende Madl mit der Vorliebe für Volksmusik - zuletzt hat sich Neuner darüber beklagt, "dass dies alles alte Geschichten sind, die immer wieder ausgepackt werden". Sie sei schließlich keine 18 mehr. An all den Klischees haben sie und ihr Umfeld allerdings selbst fleißig mitgestrickt.

Zu ersetzen wird Neuner nicht sein, das ist allen Verantwortlichen im deutschen Biathlon längst klar. Die Männerriege ist in der Lage, mit ihren Erfolgen Neuners Fehlen noch einigermaßen auffangen - zumindest in der ersten Zeit. Aber Neuner war eine einmalige sportliche Ausnahmeerscheinung. Es wird ohne sie schwer werden, die märchenhaften Einschaltquoten im Fernsehen wieder zu erreichen. Boomsportarten, sofern sie nicht Fußball oder Formel 1 heißen, sind von den Erfolgen Einzelner abhängig. Dem Biathlon droht in Zukunft das, was Tennis und Skispringen schon durchgemacht haben: ein Sparten-Dasein.

Neuner wird das vermutlich ein bisschen egal sein. Sie hat ihren maßgeblichen Beitrag dazu geleistet, dass Biathlon heute da ist, wo es zurzeit steht: als Fernsehsportart Nummer drei. Sie ist zudem durch den Biathlonsport reich geworden. Auch wenn Neuner sagt, sie wisse noch nicht genau, was sie mit ihrem künftigen Leben anstelle - sie kann zumindest sicher sein, dass es ein finanziell sorgenfreies Leben werden wird.

Die Sorgen überlässt sie den Trainern und Betreuern des Deutschen Ski-Verbandes. Magdalena Neuner hinterlässt im deutschen Wintersport eine Lücke. Sie ist zu groß, als dass sie geschlossen werden könnte.

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Neuner, Disl und Co.: Die besten deutschen Biathletinnen der Geschichte

Biathlon: Gewinnerinnen Gesamt-Weltcup
Jahr Name (Land)
2013 Tora Berger (Norwegen)
2012 Magdalena Neuner (Deutschland)
2011 Kaisa Mäkäräinen (Finnland)
2010 Magdalena Neuner (Deutschland)
2009 Helena Jonsson (Schweden)
2008 Magdalena Neuner (Deutschland)
2007 Andrea Henkel (Deutschland)
2006 Kati Wilhelm (Deutschland)
2005 Sandrine Bailly (Frankreich)
2004 Liv Greté Poirée (Norwegen)
2003 Martina Glagow (Deutschland)
2002 Magdalena Forsberg (Schweden)
2001 Magdalena Forsberg (Schweden)
2000 Magdalena Forsberg (Schweden)