Paarlauf-Gold für Savchenko und Massot Im Tränenmeer des Glücks

Jahrelang hat Aljona Savchenko auf Paarlauf-Gold hingearbeitet, sie hat alles dafür verändert, sich einen neuen Partner geholt - und doch schien ihr Olympiatraum vor der Kür geplatzt. Dann folgte der perfekte Lauf.

Aljona Savchenko, Bruno Massot
AFP

Aljona Savchenko, Bruno Massot

Aus Pyeongchang berichtet


Der Sieg stand fest, und dann waren nur noch Tränen. Aljona Savchenko weinte, ihr Partner Bruno Massot brach in Tränen aus und konnte gar nicht mehr aufhören, Trainer Alexander König stand das Wasser in den Augen, auch Katarina Witt, die ehemalige Eiskönigin, heulte einfach los. Es hätte niemanden gewundert, wenn das Eis in der Ice Arena von Pyeongchang auch noch geschmolzen und sich in ein riesiges Tränenmeer verwandelt hätte. Tränen des Glücks.

Diese Goldmedaille im Eiskunstlauf war eine Medaille, die Savchenko unbedingt haben wollte. Und genauso war es eine Medaille, die nach dem Kurzprogamm vom Mittwoch in unerreichbarer Ferne schien. Nur eine perfekte Kür hätte das große Ziel noch ermöglichen können. Genau diese Kür sind Savchenko und Massot gelaufen. Besser als das, was die beiden in den vier Minuten und 30 Sekunden an Sprüngen, Pirouetten, Spiralen und Hebefiguren auf das Eis brachten, geht es im Paarlauf derzeit nicht.

"Für mich war es sehr schwierig", sagte Massot, nachdem er sich von seinen Tränen einigermaßen erholt hatte. Der neue Partner von Savchenko auf dem Eis hatte am Mittwoch den Fehler gemacht, der das deutsche Paar scheinbar unwiederbringlich in Rückstand und auf den vierten Platz zurückgeworfen hatte. "Aber wir haben uns gesagt: Wir müssen jetzt angreifen wie die Tiger." Und genauso war es: Als Tiger sind sie losgesprungen, und als Tiger sind sie auch gelandet.

Chinesisches Paar patzte zweifach

Dennoch hätte das alles wohl nichts genutzt, wenn das nach dem Kurzprogramm so souverän in Führung gelegene chinesische Paar Sui Wenjing und Han Cong nicht zwei Fehler aufs Eis gelegt hätte. Sui, gehandicapt durch eine Fußverletzung, konnte zwei Sprünge nicht stehen. Am Ende reichte dem deutschen Duo ein minimaler Vorsprung zum Sieg, beide Paare überboten den alten Punkte-Weltrekord von Savchenko/Massot noch einmal deutlich.

Deutschland hat bei diesen Winterspielen schon viel gewonnen, Gold im Rodeln, im Biathlon, es wurde viel gefeiert im Deutschen Haus, aber diese Medaille ist dennoch etwas Besonderes. Sie sticht heraus. Das erste Paarlauf-Gold für den deutschen Verband seit 66 Jahren: seitdem Ria Baran und Paul Falk 1952 in Oslo gewannen. Die Ältesten mögen sich noch daran erinnern. Paul Falk ist im Vorjahr im Alter von 95 Jahren gestorben. Das sagt alles darüber aus, wie lange der damalige Sieg zurückliegt.

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Aljona Savchenko und Bruno Massot: Mit Weltrekordkür zum Gold

Es ist eine besondere Medaille für den Verband, es ist aber vor allem eine besondere Medaille für Aljona Savchenko. Zum fünften Mal ist sie mit unterschiedlichen Partnern bei Olympia aufgetreten, mit Robin Szolkowy hat sie zweimal Bronze gewonnen, aber sie wollte mehr. "Jetzt ist mein Traum wahr geworden, und ich kann es immer noch nicht glauben."

Savchenko hat alles für diese Medaille getan

Nach Bronze vor vier Jahren hat Savchenko alles umgekrempelt. Sie ist von Chemnitz weggezogen nach Oberstdorf, sie hat Trainer Ingo Steuer zurückgelassen und sich Alexander König anvertraut. Sie hat weltweit nach einem neuen Partner gesucht und ihn in dem Franzosen Bruno Massot gefunden, Massot, der dafür extra Deutscher wurde, um mit Savchenko, der gebürtigen Ukrainerin, bei Olympia antreten zu können. "Ich habe mir das alles selbst so ausgesucht, weil ich es so wollte", sagt sie. "Alles hat sich zum Positiven gewendet. Wir sind wie ein Wald zusammengewachsen."

Alles war darauf ausgerichtet, mit 34 Jahren, nach Welt- und Europameisterschaften nun den größten Coup ihrer langen Karriere zu landen. Es war eine Operation Gold. Und alles schien nach dem Kurzprogramm am Mittwoch vorbei.

"Niemals aufgeben, das ist mein Motto", sagte sie. "Mein Leben heißt kämpfen." Das klingt vielleicht etwas martialisch, aber es spiegelt ihren unbedingten Willen. "Ich habe daran geglaubt von Anfang bis zum Ende, auch gestern noch. Ich hatte niemals Zweifel." So wie Massot und sie gelaufen sind, glaubt man ihnen das sogar.

Die Musik, zu der Massot und Savchenko zu Gold gelaufen sind, hieß: "Die Erde vom Himmel aus gesehen." Besser kann man sich einen Titel nicht aussuchen.



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Seite 1
spon-41d-frm9 15.02.2018
1. Glückwunsch!
das war großartig! Die harte Arbeit hat sich gelohnt, selbst am Bildschirm sind Tränchen mitgelaufen. Überhaupt - was wir hier für tolle Sportler haben, sensationell!
quark2@mailinator.com 15.02.2018
2.
Ich war mit dem Thema eigentlich schon durch ... immer das Gleiche beim Eiskunstlauf, irgendwie. Aber DIESE Kür war für mich atemberaubend toll. Ich bin froh, das live gesehen zu haben.
rabbijakob 15.02.2018
3. Ich finde es toll...
.... das eine Ukrainerin und ein Franzose Gold für Deutschland holen. Die Welt wächst zusammen, und das ist gut so. Glückwunsch an die beiden, und Hartnäckigkeit zahlt sich aus.
ickweeßjanich 15.02.2018
4.
Zitat von rabbijakob.... das eine Ukrainerin und ein Franzose Gold für Deutschland holen. Die Welt wächst zusammen, und das ist gut so. Glückwunsch an die beiden, und Hartnäckigkeit zahlt sich aus.
Ich freue mich auch und der Kommentar geht absolut in die richtige Richtung, aber andererseits auch noch nicht den gazen Weg. Wieso ist sie Ukrainerin und nicht Deutsche (oder meinetwegen Deutsch-Ukrainerin oder Ukrainodeutsche), wo sie schon sehr lange in Deutschland lebt und laut Wikipedia anscheinend seit 2005 auch Staatsbürgerin ist? Und er hat anscheinend erst seit 3 Monaten die deutsche Staatsbürgerschaft, trainiert aber auch schon eine Weile hier, ist das noch nicht lange genug - oder doch? Und welche Beiträge zu diesem Erfolg haben die Herkunftsländer der beiden geleistet (immerhin haben sie da das Schlittschulaufen gelernt)? All das zeigt doch nur, wie wenig dieses Nationalitätenkonzept in die globalisierte Welt passt. Und es zeigt auch, wie rückständig die ganze Diskussion um Migration in der "großen" Politik geführt wird. Aber viele Leute werden sich jetzt wieder toll fühlen, weil "Deutschland" im Medaillenspiegel ganz oben dabei ist (Bild: "Unser Eislauf-Paar...").
giftzwerg 15.02.2018
5. Absurd
Zitat von rabbijakob.... das eine Ukrainerin und ein Franzose Gold für Deutschland holen. Die Welt wächst zusammen, und das ist gut so. Glückwunsch an die beiden, und Hartnäckigkeit zahlt sich aus.
Warum hat man den nationalen Medaillenspiegel dann noch, wenn eh jeder Sportler aus (nachvollziehbaren) persönlichen Karrieremotiven dahingeht, wo es für seine Privatvorteile am besten passt? Dass Deutschland sich jetzt so sehr feiert für die erste Goldmedaille nach 66 Jahren, die von einem Franzosen und einer Ukrainerin gewonnen wurde, ist doch absurd!
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