Auffällige Blutwerte Dopingexperte fordert Quarantäne für Pechstein

Eisschnellläuferin Claudia Pechstein gerät wegen ihrer erhöhten Blutwerte immer stärker unter Druck. Dopingexperten berichten von weiteren auffälligen Messergebnissen. So hätten schon in früheren Jahren bei Kontrollen auch die Hämoglobinwerte die zulässige Grenze überschritten.


Hamburg - In der Affäre um die Doping-Sperre von Claudia Pechstein haben Experten die Eisschnelllauf-Olympiasiegerin noch mehr belastet. Klaus Pöttgen, der medizinische Direktor des Frankfurter Ironman-Triathlon, erklärte in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", dass Pechstein im März 2007 den Grenzwert des Hämoglobinwerts von 16,0 überschritten habe.

Beschuldigte Pechstein: Auffällige Hämoglobin-Abfälle
AP

Beschuldigte Pechstein: Auffällige Hämoglobin-Abfälle

Außerdem seien ja ohnehin schon die Retikulozyten sehr auffällig, so Pöttgen. "Ob das jedoch reicht, müssen die mathematischen Modelle darstellen und Juristen entscheiden." Er zieht auch in Erwägung, dass noch mehr als die bisher veröffentlichten Blutwerte von Pechstein zur Beurteilung vor der Hauptverhandlung des Internationalen Sportgerichtshof Cas vorliegen.

Zeitgleich erläuterte der Nürnberger Dopingeperte Fritz Sörgel in einem Gastkommentar im "Tagesspiegel", dass in Pechsteins Blutprofil zwischen dem 6. und 9. Februar 2004 innerhalb von drei Tagen auffällige Hämoglobin-Abfälle zu registrieren seien, nachdem am 6. Februar ein überhöhter Wert von 16,5 gefunden worden war. "Da von einem physiologischen Abfall zu sprechen bei sonst konstanten Hämoglobinwerten, fällt schwer", schreibt Sörgel. Zum gleichen Zeitpunkt gemessene Retikulozytenwerte würden aber keinen Hinweis auf Eigenblut- oder Epo-Doping ergeben. "Insgesamt müssen die von Frau Pechsteins Schuld Überzeugten zugestehen, dass die Daten dieser Excel-Datei nur durch ein perfektes System der Verschleierung zu erklären wären. Ein System, wie wir es bisher nicht gesehen haben", sagte Sörgel und forderte Pechstein auf, ihr Blutbild in einer zweiwöchigen Quarantäne beobachten zu lassen.

"Frau Pechstein muss von Kopf bis Fuß von klinischen Chemikern, Genetikern und Hämatologen untersucht werden - als Minimalprogramm. Am besten wären zwei Wochen Quarantäne, um diese Entwicklung ihres Blutbildes unter Aufsicht zu beobachten", ergänzte Sörgel.

Umgehend wies jedoch der deutsche Teamarzt Gerald Lutz unter Hinweis auf das Communique 1520 der Internationalen Eislauf-Union Isu die Behauptungen zurück. "16,5 ist genau der Grenzwert, ab dem eine Sperre ausgesprochen werden kann", sagte Lutz. "16,0 ist der Hämoglobin-Grenzwert bei Ski-Langläufern", fügte der Mediziner hinzu und ergänzte, dass bei Erreichen von Grenzwerten ganz genau geschaut werde, in welchem Hundertstel-Bereich die Werte liegen. Der von Pöttgen angesprochene Wert im März 2007 hatte 16,3 betragen und lag damit unter dem Grenzwert für Eisschnellläufer.

mac/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.