Biathletin Gössner: Lachend in Neuners Schatten

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Sie ist die Hoffnungsträgerin der deutschen Biathleten nach dem Rücktritt von Magdalena Neuner: Miriam Gössner. Die 22-Jährige zeigte in der Vergangenheit immer wieder ihr großes Talent, einzig die Konstanz fehlte bislang. Vor allem am Schießstand kämpft Gössner mit Problemen.

Miriam Gössner: Hoffnungsträgerin der Biathleten Fotos
DPA

Miriam Gössner lacht. Sie lacht, wenn sie über ihre sportlichen Ziele spricht, ihre bisherigen Leistungen. Sie lacht auch, wenn es um ihre Verletzungen und ihre gesundheitliche Verfassung geht. Als "Sonnenschein" beschreiben viele Beobachter die blonde Biathletin. Dabei hat es in der Karriere der 22-Jährigen schon einige dunkle Wolken gegeben.

Trotzdem: Wenn es nach ihrem Sponsor Red Bull geht, soll Gössner das neue strahlende Gesicht des Biathlons werden. Jetzt, da Superstar und Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner nicht mehr dabei ist. Und Gössner spielt mit.

"Ich gebe im Training und Wettkampf immer mein Bestes und freue mich, wenn was Gutes dabei herauskommt", sagt sie SPIEGEL ONLINE vor Beginn des Weltcup-Auftakts am Sonntag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE, Gössner startet das erste Mal am Donnerstag im Einzelrennen). Auf die Nachfrage, wie es um ihre Gesundheit steht, sagt sie: "Gut!" Einen Hinweis auf ihren starken Gewichtsverlust im Sommer, angeblich rund zehn Kilogramm, wiegelt sie ab mit den Worten: "Ich habe eine Laktose- und Weizenintoleranz, deshalb musste ich meine Ernährung umstellen." Sie lacht wieder.

Auch die Tatsache, dass gar nicht klar war, ob Frauen-Bundestrainer Ricco Groß sie für den ersten Weltcup im schwedischen Östersund ab dem 25. November überhaupt nominieren würde, schien der Staffelweltmeisterin von 2011 und 2012 nicht viel auszumachen.

Müßiggang traut Gössner noch nicht die Neuner-Nachfolge zu

Es scheint, als wolle Miriam Gössner mit ihrer guten Laune und Unbekümmertheit demonstrieren: 'Schaut her! Mir geht es gut, ich bin völlig entspannt.' Dass ih der automatische Druck, der durch ihre öffentliche Rolle als Neuner-Nachfolgerin auf ihr lastet, gar nichts ausmacht. Nicht einmal, dass Biathlon-Bundestrainer Uwe Müßiggang ihr diese nicht wirklich zuzutrauen scheint. Der hatte vor kurzem eingeräumt: "Miri als Neuner-Nachfolgerin wäre zu hochgegriffen, das ist nicht realistisch. Es wird keine Nachfolgerin von Magdalena Neuner geben."

Über so etwas mache sie sich gar keine Gedanken, sagt Gössner. Doch für einen kurzen Moment lacht sie nicht mehr. "Das ist weder für mich noch für meinen Trainer ein Thema." Überhaupt: "Die Lena" sei "die Lena", an sie könne niemand heranreichen.

Gössner und Neuner teilten sich während ihrer gemeinsamen Zeit im Biathlon ein Zimmer, die beiden sind gute Freundinnen. Neuner hatte nach ihrem Abgang selbst "die Miri" als Nachfolgerin angekündigt. Gössner hatte kurz zuvor die deutsche Frauenstaffel bei der WM in Ruhpolding überraschend zu Gold geführt - nachdem Neuner im Schießen versagt hatte.

Das passiert sonst eigentlich Gössner. Sie gilt zwar als außergewöhnlich gute Langläuferin, hat im Schießen jedoch Schwächen. Wie Neuner. Auch sonst sind sich die Sportlerinnen sehr ähnlich: Nach außen hin immer gut gelaunt, Stricken ist ihr Lieblingshobby, auch Gössner arbeitet wie früher Neuner als Zollbeamtin, beide leben und trainieren in Garmisch-Partenkirchen.

Silber mit der Langlaufstaffel

Dabei hatte Gössner, die drei Jahre jünger ist als Neuner, ihre Karriere zunächst im alpinen Skisport begonnen. Mit 14 verletzte sie sich aber bei einem Unfall mit einer Slalomstange schwer im Gesicht und verlor mehrere Zähne. Unter den Folgen der Kieferverletzungen leidet sie bis heute. Nach dem Sturz war zudem klar, dass die Angst vor weiteren Unfällen zu groß sein würde. Gössner wechselte auf die schmalen Bretter - mit Erfolg. 2008 gewann sie bei den Biathlon-Juniorenweltmeisterschaften mit der Staffel ihre erste Goldmedaille.

Wegen ihrer starken Leistungen in der Loipe wurde auch Langlauf-Bundestrainer Jochen Behle aufmerksam und bemühte sich intensiv um Gössner. Bei der Ski-WM 2009 und den Olympischen Winterspielen 2010 half sie bei den Langlaufstaffeln aus und führte diese jeweils zu Silber.

"Ich mag es gern, mich beim Langlauf auszupowern. Aber eigentlich ist meine große Leidenschaft der Biathlon", sagt sie: "Der Kontrast zwischen Ausdauer und völliger Ruhe und Konzentration beim Schießen reizt mich." Und er stellt für Gössner eine große Herausforderung dar: In der vergangenen Saison traf sie liegend etwas über und stehend knapp unter 70 Prozent der Scheiben - ausbaufähig.

Vor allem wegen ihrer schwankenden Schießleistungen trauen ihr die Experten noch nicht die ganz großen Einzel-Erfolge zu. "Das Schießen ist ein langwieriger Prozess", sagte Bundestrainer Gross, "und Miriam fehlen zwei Ausbildungsjahre, als sie beim Langlauf war." Außerdem sei sie noch jung und habe noch viel Zeit, um an sich zu arbeiten, sagt Gössner selbst. Und lacht.

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1. Piff, paff, puff, zwei Mal daneben
Ylex 25.11.2012
Eine neue Größe der deutschen Schneewatschel-Schießer tritt lachend aus dem Schatten des Watzmanns, welch eine Freude - wieder so unerbittlich nett und rustikal wie Margarete Neuner, das nächste astreine Herz in der Brust einer blonden bayrischen Sportsmaid... bloß diese Mal keine blauen Augen, aber ihre grünen sind ja auch sehr hübsch. Zitat: "Es scheint, als wolle Miriam Gössner mit ihrer guten Laune und Unbekümmertheit demonstrieren: 'Schaut her! Mir geht es gut, ich bin völlig entspannt." Enstpannt bin ich auch, noch. Dann allerdings muss ich an die nächsten Monate denken: von nun an bis in den April des neuen Jahres hinein jeden Tag Biathlon im Fernsehen - piff, paff, puff, zwei Mal daneben und danach eine Strafrunde - eine niederschmetternde Perspektive.
2. Quo vadis seriöser Journalismus
farview 25.11.2012
Zitat von sysopSie ist die Hoffnungsträgerin der deutschen Biathleten nach dem Rücktritt von Magdalena Neuner: Miriam Gössner. Die 22-Jährige zeigte in der Vergangenheit immer wieder ihr großes Talent, einzig die Konstanz fehlte bislang. Vor allem am Schießstand kämpft Gössner mit Problemen. http://www.spiegel.de/sport/wintersport/biathletin-miriam-goessner-vor-dem-weltcup-auftakt-in-oestersund-a-868091.html
Magdalena Neuner - hübsch und supererfolgreich. Ersteres schien immer wichtiger zu sein als das 2. Deshalb reicht dem Boulevard auch eine Nachfolgerin für erstes Kriterium. Weniger schöne Frauen, die erfolgreicher sind, kriegen niemals einen solch langen Artikel in Deutschlands Online-Medium Nr. 1. Man sollte sich mal fragen wieso.
3. Vor allem am Schießstand kämpft Gössner mit Problemen
j.anus 25.11.2012
Klar, dann muß man zwangläufig Biathlet werden. Klingt ähnlich logisch wie ein sprintstarker Fußballer, der Probleme damit hat gegen den Ball zu treten.
4.
Andr.e 25.11.2012
Zitat von farviewMagdalena Neuner - hübsch und supererfolgreich. Ersteres schien immer wichtiger zu sein als das 2. Deshalb reicht dem Boulevard auch eine Nachfolgerin für erstes Kriterium. Weniger schöne Frauen, die erfolgreicher sind, kriegen niemals einen solch langen Artikel in Deutschlands Online-Medium Nr. 1. Man sollte sich mal fragen wieso.
Ein Antwort dürfte sein, dass Forenteilnehmer wie Sie den Artikel und das Forum besuchen - wetten ;-)
5. Margarete Neuner gibts nicht
monty54 25.11.2012
Zitat von YlexEine neue Größe der deutschen Schneewatschel-Schießer tritt lachend aus dem Schatten des Watzmanns, welch eine Freude - wieder so unerbittlich nett und rustikal wie Margarete Neuner, das nächste astreine Herz in der Brust einer blonden bayrischen Sportsmaid... bloß diese Mal keine blauen Augen, aber ihre grünen sind ja auch sehr hübsch. Zitat: "Es scheint, als wolle Miriam Gössner mit ihrer guten Laune und Unbekümmertheit demonstrieren: 'Schaut her! Mir geht es gut, ich bin völlig entspannt." Enstpannt bin ich auch, noch. Dann allerdings muss ich an die nächsten Monate denken: von nun an bis in den April des neuen Jahres hinein jeden Tag Biathlon im Fernsehen - piff, paff, puff, zwei Mal daneben und danach eine Strafrunde - eine niederschmetternde Perspektive.
Magdalena Neuner. Magdalena!
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Neuner, Disl und Co.: Die besten deutschen Biathletinnen der Geschichte

Biathlon: Gewinnerinnen Gesamt-Weltcup
Jahr Name (Land)
2014 Tora Berger (Norwegen)
2013 Tora Berger (Norwegen)
2012 Magdalena Neuner (Deutschland)
2011 Kaisa Mäkäräinen (Finnland)
2010 Magdalena Neuner (Deutschland)
2009 Helena Jonsson (Schweden)
2008 Magdalena Neuner (Deutschland)
2007 Andrea Henkel (Deutschland)
2006 Kati Wilhelm (Deutschland)
2005 Sandrine Bailly (Frankreich)
2004 Liv Greté Poirée (Norwegen)
2003 Martina Glagow (Deutschland)
2002 Magdalena Forsberg (Schweden)
2001 Magdalena Forsberg (Schweden)
2000 Magdalena Forsberg (Schweden)
Gewinner Biathlon-Gesamtweltcup seit 2000
Jahr Name (Land)
2012 Martin Fourcade (Frankreich)
2011 Tarjei Bø (Norwegen)
2010 Emil Hegle Svendsen (Norwegen)
2009 Ole Einar Bjørndalen (Norwegen)
2008 Ole Einar Bjørndalen (Norwegen)
2007 Michael Greis (Deutschland)
2006 Ole Einar Bjørndalen (Norwegen)
2005 Ole Einar Bjørndalen (Norwegen)
2004 Raphaël Poirée (Frankreich)
2003 Ole Einar Bjørndalen (Norwegen)
2002 Raphaël Poirée (Frankreich)
2001 Raphaël Poirée (Frankreich)
2000 Raphaël Poirée (Frankreich)