Von Sara Peschke
Miriam Gössner lacht. Sie lacht, wenn sie über ihre sportlichen Ziele spricht, ihre bisherigen Leistungen. Sie lacht auch, wenn es um ihre Verletzungen und ihre gesundheitliche Verfassung geht. Als "Sonnenschein" beschreiben viele Beobachter die blonde Biathletin. Dabei hat es in der Karriere der 22-Jährigen schon einige dunkle Wolken gegeben.
Trotzdem: Wenn es nach ihrem Sponsor Red Bull geht, soll Gössner das neue strahlende Gesicht des Biathlons werden. Jetzt, da Superstar und Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner nicht mehr dabei ist. Und Gössner spielt mit.
"Ich gebe im Training und Wettkampf immer mein Bestes und freue mich, wenn was Gutes dabei herauskommt", sagt sie SPIEGEL ONLINE vor Beginn des Weltcup-Auftakts am Sonntag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE, Gössner startet das erste Mal am Donnerstag im Einzelrennen). Auf die Nachfrage, wie es um ihre Gesundheit steht, sagt sie: "Gut!" Einen Hinweis auf ihren starken Gewichtsverlust im Sommer, angeblich rund zehn Kilogramm, wiegelt sie ab mit den Worten: "Ich habe eine Laktose- und Weizenintoleranz, deshalb musste ich meine Ernährung umstellen." Sie lacht wieder.
Auch die Tatsache, dass gar nicht klar war, ob Frauen-Bundestrainer Ricco Groß sie für den ersten Weltcup im schwedischen Östersund ab dem 25. November überhaupt nominieren würde, schien der Staffelweltmeisterin von 2011 und 2012 nicht viel auszumachen.
Müßiggang traut Gössner noch nicht die Neuner-Nachfolge zu
Es scheint, als wolle Miriam Gössner mit ihrer guten Laune und Unbekümmertheit demonstrieren: 'Schaut her! Mir geht es gut, ich bin völlig entspannt.' Dass ih der automatische Druck, der durch ihre öffentliche Rolle als Neuner-Nachfolgerin auf ihr lastet, gar nichts ausmacht. Nicht einmal, dass Biathlon-Bundestrainer Uwe Müßiggang ihr diese nicht wirklich zuzutrauen scheint. Der hatte vor kurzem eingeräumt: "Miri als Neuner-Nachfolgerin wäre zu hochgegriffen, das ist nicht realistisch. Es wird keine Nachfolgerin von Magdalena Neuner geben."
Über so etwas mache sie sich gar keine Gedanken, sagt Gössner. Doch für einen kurzen Moment lacht sie nicht mehr. "Das ist weder für mich noch für meinen Trainer ein Thema." Überhaupt: "Die Lena" sei "die Lena", an sie könne niemand heranreichen.
Gössner und Neuner teilten sich während ihrer gemeinsamen Zeit im Biathlon ein Zimmer, die beiden sind gute Freundinnen. Neuner hatte nach ihrem Abgang selbst "die Miri" als Nachfolgerin angekündigt. Gössner hatte kurz zuvor die deutsche Frauenstaffel bei der WM in Ruhpolding überraschend zu Gold geführt - nachdem Neuner im Schießen versagt hatte.
Das passiert sonst eigentlich Gössner. Sie gilt zwar als außergewöhnlich gute Langläuferin, hat im Schießen jedoch Schwächen. Wie Neuner. Auch sonst sind sich die Sportlerinnen sehr ähnlich: Nach außen hin immer gut gelaunt, Stricken ist ihr Lieblingshobby, auch Gössner arbeitet wie früher Neuner als Zollbeamtin, beide leben und trainieren in Garmisch-Partenkirchen.
Silber mit der Langlaufstaffel
Dabei hatte Gössner, die drei Jahre jünger ist als Neuner, ihre Karriere zunächst im alpinen Skisport begonnen. Mit 14 verletzte sie sich aber bei einem Unfall mit einer Slalomstange schwer im Gesicht und verlor mehrere Zähne. Unter den Folgen der Kieferverletzungen leidet sie bis heute. Nach dem Sturz war zudem klar, dass die Angst vor weiteren Unfällen zu groß sein würde. Gössner wechselte auf die schmalen Bretter - mit Erfolg. 2008 gewann sie bei den Biathlon-Juniorenweltmeisterschaften mit der Staffel ihre erste Goldmedaille.
Wegen ihrer starken Leistungen in der Loipe wurde auch Langlauf-Bundestrainer Jochen Behle aufmerksam und bemühte sich intensiv um Gössner. Bei der Ski-WM 2009 und den Olympischen Winterspielen 2010 half sie bei den Langlaufstaffeln aus und führte diese jeweils zu Silber.
"Ich mag es gern, mich beim Langlauf auszupowern. Aber eigentlich ist meine große Leidenschaft der Biathlon", sagt sie: "Der Kontrast zwischen Ausdauer und völliger Ruhe und Konzentration beim Schießen reizt mich." Und er stellt für Gössner eine große Herausforderung dar: In der vergangenen Saison traf sie liegend etwas über und stehend knapp unter 70 Prozent der Scheiben - ausbaufähig.
Vor allem wegen ihrer schwankenden Schießleistungen trauen ihr die Experten noch nicht die ganz großen Einzel-Erfolge zu. "Das Schießen ist ein langwieriger Prozess", sagte Bundestrainer Gross, "und Miriam fehlen zwei Ausbildungsjahre, als sie beim Langlauf war." Außerdem sei sie noch jung und habe noch viel Zeit, um an sich zu arbeiten, sagt Gössner selbst. Und lacht.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Sport | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Wintersport | RSS |
| alles zum Thema Biathlon | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH